06.05.2009

Körperliche Fitness und Demenz

Anfänglich bauen Demenz- und Alzheimer-Patienten kaum körperlich ab. Selbst wenn die kognitiven Fähigkeiten zunehmenden Einschränkungen unterliegen, ist ein Patient noch sehr lange in der Lage, sich körperlich zu betätigen. Deshalb ist, so lange keine körperlichen Einschränkungen eine sportliche Aktivität verhindern, ein regelmäßig betriebenes Übungsprogramm von großem präventivem und therapeutischem Wert, beispielsweise bei der Sturzprävention und beim Erhalt und der Verbesserung von Alltagskompetenzen.

Grundlage gesunde Ernährung
Ein Viertel des Gesamtverbrauchs an Energie bezieht das Gehirn aus Zucker. Idealerweise bezieht es diese komplexen Kohlenhydrate aus Brot, Müsli, Nudeln, Kartoffeln und Reis. Ein konstanter Blutzuckerspiegel wird hierüber gewährleistet. Omega-3-Fettsäuren, die zum Beispiel in großen Mengen in Seefisch, Nüssen und Rapsöl enthalten sind, regulieren das schlechte LDL-Cholesterin und schützen somit Gefäße, die die Energie- und Sauerstoffversorgung der Nervenzellen gewährleisten.

Was passiert beim Sport eigentlich?
Bewegung setzt im Körper biochemische Kreisläufe in Gang, die Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall, Diabetes und Fettleibigkeit vorbeugen. Die Ankurbelung des Stoffwechsels hat einen positiven Einfluss auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel, während Krafttraining Diabetes und Arteriosklerose vorbeugen soll. Die positive Wirkung von Training auf den Bewegungs-und Stützapparat zeigt sich in der Erhöhung des Mineralgehalts der Knochen und senkt das Risiko von Osteoporose und damit das Frakturrisiko.

Leichte Bewegung sorgt selbst bei bestehender Arthritis für eine Verbesserung der Schutzeffekte. Auch das Gehirn reagiert auf körperliche Aktivität mit einer Steigerung der Gehirndurchblutung im Kortex, Kleinhirn und Hippocampus. Sogar eine Zunahme der Hirnmasse ist in bestimmten Gehirnarealen zu  beobachten. Außerdem wirkt sich die Ausschüttung der Hormone Serotonin und Endorphin positiv auf den Abbau von Stress und auf die Behandlung von Depressionen aus.

Studie Training bei Demenz
Studien haben gezeigt, dass ein Training bei Demenzpatienten positive Wirkung auf kognitive Funktionsfähigkeiten und Verhalten hat. Die Trainingsprogramme umfassen in den einzelnen Studien folgende Bewegungsarten mit bestimmter Trainingsdauer: Walking, Kombinationen aus Gehen und Walking, gemischte Übungen im Sitzen, Gymnastik mit Musik und Krafttrainings mit Gewichten. Studien mit älteren Menschen ohne Demenz haben gezeigt, dass ein Training dem Verlust von Gehirngewebe vorbeugt und das zerebrale Gefäßsystem und den Blutfluss in bestimmten Gehirnregionen fördert.

 In einer Studie am Hopital La Grave-Casseldardit (Frankreich) untersuchte ein Forscherteam um Dr. Yves Rolland 134 gehfähige Patienten eines Pflegeheims. Diese trafen sich ein Jahr lang an zwei Tagen  pro Woche zu einem angeleiteten Trainingsprogramm. Das Ergebnis zeigte deutliche Unterschiede zwischen der Gruppe der Trainierten und denjenigen, die keinen Sport getrieben hatten. Alltagsaktivitäten konnten durch die Teilnehmer des Trainings besser bewältigt werden. Die trainierten Testpersonen liefen auf einer sechs Meter Strecke schneller, standen problemloser von einem Stuhl auf und konnten besser auf einem Bein balancieren. Bezüglich Verhaltensproblemen konnte jedoch kein Unterscheid zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden.

Fitness in der Therapie
Alzheimer-Patienten geben mit der Einweisung in ein Krankenhaus oder Pflegeheim ein großes Stück Ihrer Selbständigkeit auf. In diesem Stadium der Krankheit beeinflusst der funktionelle Abbau massiv die Lebensqualität der Betroffenen. Schleichend kann sich eine Immobilität entwickeln, die durch monotone Tagesabläufe begünstigt wird. Die Aktivierung der Patienten und Ihre Teilnahme an regelmäßigen Bewegungs- und Sportarten mobilisieren kognitive und soziale Fähigkeiten. Einige Alzheimer-Patienten verspüren ohnehin einen großen Bewegungsdrang, der durch regelmäßige Bewegung befriedigt werden kann. Die Art und Intensität des Trainings richtet sich dabei nach den unterschiedlichen Schweregraden der Krankheit. Die einfachste Methode gegen Bewegungsmangel ist das Gehen. Einer Studie zu Folge zeigen sich durch begleitete Spaziergänge bei einem Gespräch über Themen, die für den Patienten von Interesse sind, auch Verbesserungen in der Kommunikationsfähigkeit. Auch Bewegung im Zusammenhang mit Musik ist für Demenz-Patienten sehr empfehlenswert und kann motorischer Unruhe und Verhaltensproblemen entgegenwirken.

Trainingsarten und Ihre Schutzfunktion:

1. Gehen (Walking), Tanzen, Fahrrad fahren und Schwimmen gehören zu den Ausdauer- oder Konditionssportarten. Diese werden über eine längere Zeit ausgeübt bei einer mäßigen Beanspruchung.  Wirkung: allgemeine Gesundheitseffekte und bessere Blutzirkulation im Gehirn

2. Trainings an Geräten und Übungen mit elastischen Bändern bauen die Muskulatur auf. Wirkung: Aufbau der Muskulatur, Unterstützung der Haltung, positive Wirkung auf die Knochendichte, den Stoffwechsel und die Gelenkigkeit

3. Dehnübungen, Tai Chi und Yoga unterstützen die Gelenkigkeit und Balance. Wirkung: Kräftigung der Muskulatur, Erhalt und Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten und Stimulierung des Gleichgewichtssinns.

Forschungsprojekt / Studienteilnahme/ Anregungen zum aktiv bleiben:
Für Pflegekräfte bietet das Projekt „Fit für 100“ unter Leitung des Instituts für Bewegungs- und Sportgerontologie der Deutschen Sporthochschule Köln Schulungen an, in denen Übungen für die Demenz- und Alzheimer Patienten ab 80 Jahren erlernt werden.
http://www.ff100.de/

Im März dieses Jahres haben wir Sie über eine laufende Sportstudie informiert. Die Studie Sport/Cog wird an 9 Orten in Deutschland durchgeführt. Unseren Artikel und den Kontakt für eine Studienteilnahme zum Leuchtturm Demenz Sport&Cog finden Sie hier

Die Zusammenfassung einer weiteren Studie mit Titel „Geringeres Demenzrisiko bei sportlich aktiven Menschen ab 65“ aus dem Jahr 2006 finden Sie ebenfalls in unserer Rubrik Aktuelles

Unser  „Fitnessplan fürs Gehirn“ enthält für jeden Tag der Woche Anregungen, wie Sie Ihren Körper und Ihr Gedächtnis in Schwung halten können.
Er steht Ihnen hier zum Download kostenlos zur Verfügung

Quellen:
DeSSorientiert 2/08: "Let´s move-Bewegung und Demenz"
Das ausführliche Themenheft vom Demenz Support Stuttgart zum Thema Bewegung und Demenz finden Sie hier zum Download: Link

Sport erleichtert Alzheimer-Patienten den Alltag auf alzheimerinfo.de: Link

Abstract der Originalstudie von Yves Rolland (auf Englisch) auf der Webseite des Journal of the American Geriatrics Society: Link

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