Risikofaktoren der Alzheimer-Krankheit

Bisher wurde eine Reihe von Faktoren identifiziert, die eine Rolle spielen bei der Entstehung und Entwicklung der Alzheimer-Krankheit. Definitive Ursachen sind noch unklar.

Lebensalter

Das Alter ist unbestritten der größte Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Alzheimer tritt normalerweise bei Personen auf, die älter als 65 Jahre sind und betrifft selten Menschen unter 40. Bei den unter 65-Jährigen sind lediglich 3 % betroffen, im Alter von 80-90 Jahren ist schon mindestens jeder Vierte betroffen und bei den über 90-Jährigen leidet bereits fast die Hälfte an Demenz.

Genetik

Familiäre Form der Alzheimer-Krankheit
Die seltene familiäre Form der Alzheimer-Krankheit (weniger als 5%), die meist vor dem 65. Lebensjahr auftritt, ist erblich bedingt. Drei Alzheimer-Gene für diese Form wurden in der Vergangenheit identifiziert. Sie codieren für die Eiweiße Präsenilin 1 und 2 (PS1/PS2) und das Amyloid-Vorläufer-Protein (APP). Bei den Defekten in den Präsenilin 1 und 2- Genen handelt es sich um Mutationen, die sich mit absoluter Sicherheit durchsetzen und zu einem Ausbruch der Krankheit in einem frühen Lebensalter führen. Das Gen für das Amyloid-Vorläufer-Protein liegt auf Chromosom 21. Menschen mit dem Down-Syndrom haben 3 anstatt 2 Chromosomen 21. Darum führt bei den Betroffenen die vermehrte Produktion von APP oftmals zu einem frühen Ausbruch der Alzheimer-Krankheit.

Späte Form der Alzheimer-Krankheit
Mehr als 95% der Alzheimer-Erkrankungen treten erst nach dem 65. Lebensjahr auf und haben keine eindeutige genetische Ursache. Allerdings gibt es genetische Risikofaktoren. Diese Risikofaktoren sind nach dem heutigen Kenntnisstand die Gene Apolipoprotein e4, SORL-1 sowie die Gene PICALM,  CLU und CR-1. Da genetische Risikofaktoren nicht die alleinige Ursache der späten Form der Alzheimer-Krankheit sein können, wird das Zusammenspiel von Genen und Umweltfaktoren erforscht.

Metabolisches Syndrom / kardiovaskuläre Faktoren

Als metabolisches Syndrom wird ein Risikofaktorenkomplex für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Arterienverkalkung und ähnliche Krankheiten bezeichnet. Kennzeichen für das metabolische Syndrom sind

•    Übergewicht (Adipositas)
•    Bluthochdruck
•    Fettstoffwechselstörungen bzw. hoher Cholesterinspiegel
•    Erhöhte Blutzuckerwerte bzw. Diabetes

Ein hoher Homocysteinspiegel und das Rauchen tragen ebenfalls zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bei.  Diese Krankheiten und die Alzheimer-Krankheit tragen zu einem geistigem Abbau bei und scheinen sich sogar gegenseitig zu verstärken. Man vermutet, dass Menschen mit Herz-Kreislaufproblemen eher einen „stillen Schlaganfall“ bekommen. Studien zeigten, dass diese Personen wiederum ein erhöhtes Risiko haben, an einer Demenz zu erkranken. Die kardiovaskulären Risikofaktoren lassen sich ärztlich gut behandeln oder  durch gesundheitsfördernde Veränderungen der Lebensweise verringern.

Diabetes mellitus Typ 2

Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Typ 2 Diabetes (Zuckerkrankheit) und der Alzheimer-Krankheit. Der Körper von Diabetikern kann Kohlenhydrate wie Zucker nur ungenügend verwerten. Die Folge ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel und größere Mengen an Insulin im Blut, was schädlich auf das Gehirn oder dessen Blutversorgung einwirken kann. Studien haben gezeigt, dass Diabetiker ein höheres Alzheimer-Risiko haben als Altersgenossen mit einem gesunden Zuckerstoffwechsel. Der genaue Zusammenhang zwischen Typ 2 Diabetes und der Alzheimer-Krankheit ist noch unklar. Inwiefern Antidiabetika bei Alzheimer eingesetzt werden können, wird derzeit wissenschaftlich geprüft.

Oxidativer Stress

„Freie Radikale“ sind kurzlebige, aggressive, sauerstoffhaltige Verbindungen. Sie stören bestimmte Vorgänge in den Zellen und schädigen Substanzen, Zellmembranen und Zellkerne. Wenn der Körper freie Radikale nicht ausreichend abbauen kann, das passiert vor allem im Alter oder durch Krankheit, spricht man von oxidativem Stress. Das Gehirn verbraucht viel Sauerstoff uns ist deswegen besonders anfällig für oxidativen Stress. Freie Radikale spielen bei der Bildung schädlicher Ablagerungen im Gehirn eine Rolle. Da Beta-Amyloid Plaques selbst freie Radikale produzieren, ist es noch unklar, ob die Schädigung des Gehirns durch oxidativen Stress eine Folge oder eine Ursache der Alzheimer-Krankheit ist.

Entzündungen

Wenn sich im Gehirn Beta-Amyloid Plaques bilden, entstehen im Bereich der Plaques Entzündungen. Ob diese Entzündungen ein zerstörerischer Teil der Alzheimer-Krankheit sind oder eine Gegenreaktion des Immunsystems, ist noch unklar. Auch wird angenommen, dass Entzündungen  im Körper, die über einen langen Zeitraum bestehen, Gehirnzellen zerstören und die Bildung von Plaques und Fibrillen begünstigen könnten. Inwiefern entzündungshemmende Medikamente bei Alzheimer eingesetzt werden können, wird derzeit wissenschaftlich geprüft.

Andere Risikofaktoren

Zu weiteren möglichen Risikofaktoren, die derzeit genauer untersucht werden, zählen Kopfverletzungen, ein niedriges allgemeines Bildungsniveau, der Mangel an Interessen, eine Erhöhung autoimmuner Antikörper mit höherem Alter und eine Gehirninfektion durch Viren.

Weitere Informationen

Unsere Broschüre "Alzheimer vorbeugen - Was ist möglich" bespricht übersichtlich und kompakt die vier Säulen der Vorbeugung. Praktische Anregungen für den Alltag machen diese Broschüre zu einem wertvollen Ratgeber.

Unser Faltblatt „Die Alzheimer-Krankheit verstehen“ fasst das Wichtigste zum Krankheitsbild zusammen und gibt Antworten auf die häufigsten Fragen.

Der Ratgeber „Diagnose Alzheimer - Ehrliche Antworten für Patienten“ gibt Antworten auf Patientenfragen. Angesprochen werden Themen wie der Umgang mit der Diagnose oder rechtliche Aspekte der Erkrankung.  Mit Adressen und Literaturangaben.

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Zuletzt aktualisiert: 29.3.2011