Risikofaktoren der Alzheimer-Krankheit

Bisher wurden eine Reihe von Faktoren identifiziert, die bei der Entstehung und Entwicklung der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielen. Definitive Ursachen sind noch unklar und Gegenstand der Alzheimer-Forschung.

Lebensalter
Genetik
Metabolisches Syndrom / kardiovaskuläre Faktoren
Diabetes mellitus Typ 2
Oxidativer Stress
Entzündungen
Andere Risikofaktoren
Weitere Informationen

Lebensalter

Das Alter ist unbestritten der größte Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Alzheimer tritt normalerweise bei Personen auf, die älter als 65 Jahre sind. Bei den unter 65-Jährigen sind lediglich 2% betroffen, im Alter von 80-90 Jahren ist es schon mindestens jeder Fünfte, bei den über 90-Jährigen leidet bereits mehr als ein Drittel an Alzheimer.

Genetik

Familiäre Form der Alzheimer-Krankheit
Die seltene familiäre Form der Alzheimer-Krankheit (etwa 2% aller Fälle), die meist vor dem 65. Lebensjahr auftritt, ist erblich bedingt. Mehrere Alzheimer-Gene für diese Form wurden in der Vergangenheit identifiziert. Sie codieren für die Eiweiße Präsenilin 1 und 2 (PS1/PS2) und das Amyloid-Vorläufer-Protein (APP). Bei den Defekten in den Präsenilin 1 und 2- Genen handelt es sich um Mutationen, die sich mit absoluter Sicherheit durchsetzen und zu einem Ausbruch der Krankheit in einem frühen Lebensalter führen. Das Gen für das Amyloid-Vorläufer-Protein liegt auf Chromosom 21. Menschen mit dem Down-Syndrom haben 3 anstatt 2 Chromosomen 21. Darum führt bei den Betroffenen die vermehrte Produktion von APP oftmals zu einem frühen Ausbruch der Alzheimer-Krankheit.

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Späte Form der Alzheimer-Krankheit
Mehr als 98% der Alzheimer-Erkrankungen treten erst nach dem 65. Lebensjahr auf und haben keine eindeutige genetische Ursache. Allerdings gibt es genetische Risikofaktoren. Diese Risikofaktoren sind nach dem heutigen Kenntnisstand u.a. die Gene Apolipoprotein e4, SORL-1 sowie die Gene PICALM, CLU und CR-1. Da genetische Risikofaktoren nicht die alleinige Ursache der späten Form der Alzheimer-Krankheit sein können, wird das Zusammenspiel von Genen und Umweltfaktoren erforscht.

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Metabolisches Syndrom / kardiovaskuläre Faktoren

Als metabolisches Syndrom wird ein Risikofaktorenkomplex für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Arterienverkalkung und ähnliche Krankheiten bezeichnet. Kennzeichen für das metabolische Syndrom sind

•    Übergewicht (Adipositas)
•    Bluthochdruck
•    Fettstoffwechselstörungen bzw. hoher Cholesterinspiegel
•    Erhöhte Blutzuckerwerte bzw. Diabetes

Ein hoher Homocysteinspiegel und das Rauchen tragen ebenfalls zu einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bei.  Diese Krankheiten und die Alzheimer-Krankheit tragen zu einem geistigem Abbau bei und scheinen sich sogar gegenseitig zu verstärken. Man vermutet, dass Menschen mit Herz-Kreislaufproblemen eher einen „stillen Schlaganfall“ bekommen. Studien zeigten, dass diese Personen wiederum ein erhöhtes Risiko haben, an einer Demenz zu erkranken. Die kardiovaskulären Risikofaktoren lassen sich ärztlich gut behandeln oder durch gesundheitsfördernde Veränderungen der Lebensweise verringern.

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Diabetes mellitus Typ 2

Alzheimer wird von Forschern auch „Typ 3-Diabetes“ genannt. Mit dieser Bezeichnung möchte man auf den Zusammenhang zwischen Insulinstoffwechsel und kognitiver Leistungsfähigkeit aufmerksam machen. Die Alzheimer-Krankheit ist durch einen niedrigen Insulinspiegel im Blut und eine Insulinresistenz im Gehirn gekennzeichnet. Die Beeinträchtigung des zerebrovaskulären Systems, also die Schädigung der Blutgefäße im Gehirn, ist ein weiterer Faktor, der Diabetes und Demenz bestimmt und sie in Zusammenhang bringt.

Wer bereits im mittleren Alter an Diabetes erkrankt ist, hat im Alter ein höheres Risiko für eine Demenzerkrankung. Dies ist für die beiden häufigsten Demenzerkrankungen, die Alzheimer-Krankheit und die vaskuläre Demenz, nachgewiesen. Das Risiko wird durch Faktoren wie Überzuckerung, Insulinresistenz und Bluthochdruck verstärkt. Diabetes, gemeinsam mit einem stark erhöhten Blutdruck, steigert ebenfalls das Risiko an vaskulärer Demenz zu erkranken. Insulinresistenz erhöht das Alzheimer-Risiko und ist ein Risikofaktor von mehreren, der ausgeschlossen bzw. behandelt werden sollte. Generell gilt: Eine gute Diabetes-Therapie ist immer auch eine wichtige Demenz-Vorbeugung.

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Oxidativer Stress

„Freie Radikale“ sind kurzlebige, aggressive, sauerstoffhaltige Verbindungen. Sie stören bestimmte Vorgänge in den Zellen und schädigen Substanzen, Zellmembranen und Zellkerne. Wenn der Körper freie Radikale nicht ausreichend abbauen kann - das passiert vor allem im Alter oder durch Krankheit - spricht man von oxidativem Stress. Das Gehirn verbraucht viel Sauerstoff uns ist deswegen besonders anfällig für oxidativen Stress. Freie Radikale spielen bei der Bildung schädlicher Ablagerungen im Gehirn eine Rolle. Da Beta-Amyloid Plaques selbst freie Radikale produzieren, tragen sie zusätzlich zur Erhöhung des oxidativen Stresses bei.

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Entzündungen

Wenn sich im Gehirn Beta-Amyloid Plaques bilden, entstehen im Bereich der Plaques Entzündungen. Ob diese Entzündungen ein Teil der Alzheimer-Krankheit sind oder eine Gegenreaktion des Immunsystems, ist noch unklar. Auch wird angenommen, dass Entzündungen im Körper, die über einen langen Zeitraum bestehen, Gehirnzellen zerstören und die Bildung von Plaques und Fibrillen begünstigen könnten. Inwiefern entzündungshemmende Medikamente bei Alzheimer eingesetzt werden können, wird derzeit wissenschaftlich geprüft.

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Andere Risikofaktoren

Zu weiteren möglichen Risikofaktoren, die derzeit genauer untersucht werden, zählen Kopfverletzungen, ein niedriges allgemeines Bildungsniveau, eine Erhöhung autoimmuner Antikörper mit höherem Alter und eine Gehirninfektion durch Viren.

Weitere Informationen

Unsere Broschüre „Die Alzheimer-Krankheit verstehen“ fasst das Wichtigste zum Krankheitsbild zusammen und gibt Antworten auf die häufigsten Fragen.

Die Broschüre „Diabetes und Alzheimer: Risiken kennen und meiden" bietet einen gut verständlichen Überblick über das Zusammenspiel beider Erkrankungen.

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Zuletzt aktualisiert: 28.7.2014