Alzheimer-Forum – Eine Krankheit im Dialog der Disziplinen

Haus der Universität, Schadowplatz 14, 40212 Düsseldorf, am Samstag, den 19. September 2015, von 14.00 bis 18.00 Uhr
Alzheimer-Forum – Eine Krankheit im Dialog der Disziplinen

Alzheimer ist mehr als eine Krankheit. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung ist Alzheimer eine soziale, politische und ethische Herausforderung. Um dieser Herausforderung nachhaltig zu begegnen ist der Blick über den Tellerrand gefragt. Deshalb haben wir pünktlich zum Welt-Alzheimer-Tag Fachleute unterschiedlicher Disziplinen eingeladen, sich mit den gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und ethischen Aspekten von Alzheimer auseinanderzusetzen und auszutauschen.

Gemeinsam mit etwa 150 Gästen haben wir in einer Podiumsdiskussion und vier Vorträgen nach Antworten gesucht auf die Frage: Was können wir tun, damit Menschen in Würde und bei geistiger Gesundheit alt werden können?

Nach der Begrüßung aller Teilnehmer durch WDR-Moderator Jens Krepela und den Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel eröffnete Prof. Henriette Herwig, Lehrstuhlinhaberin im Fachbereich Germanistik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Veranstaltung mit einem Vortrag unter dem Titel „Alzheimer in der Gegenwartsliteratur“. Neben vielen Buchempfehlungen zum Thema Alzheimer erläuterte sie, inwieweit uns die moderne Literatur befähigen kann, Menschen mit Demenz besser zu verstehen.

Danach führte der Humangenetiker Privatdozent Dr. med. Ulrich Finckh ethische und praktische Fragestellungen zur Frühdiagnose der erblichen Form von Alzheimer mithilfe eines Gentests aus. Sein Vortrag „Recht auf Nichtwissen - Pro und Kontra Alzheimer-Frühdiagnose“ beschäftigt sich mit den zentralen Fragen: Wann macht eine genetische Testung Sinn und was kommt nach einem positiven Test?

Zeitgleich informierte Detlef Rüsing, Leiter des Dialog- und Transferzentrum Demenz an der Universität Witten/Herdecke, über den Themenkomplex „Sexualität bei Demenz – der Rede wert?“. Jeder Mensch habe selbstverständlich ein Recht auf Sexualität. Dabei sollte die Äußerung oder das Ausleben sexueller Wünsche von Menschen mit Demenz nicht per se problematisiert, sondern ernstgenommen werden.

Den letzten Vortrag hielt Dr. Michael Jungert von Ludwig-Maximilians-Universität München. Der Philosoph beschäftigte sich mit der Frage, inwiefern das Vergessen von wichtigen Punkten der eigenen Biographie auch die Persönlichkeit und die Wertmaßstäbe von Menschen mit Alzheimer in Frage stellen kann. Seinen Vortrag „Alzheimer und Identität – Biographische Erinnerung, Gedächtnisverlust und Persönlichkeit“ und die anderen Vorträge finden Sie zusammengefasst in unserem Nachbericht zum Download unten auf dieser Seite.

Zum Abschluss lud die AFI zur Podiumsdiskussion zum Thema „Wie können wir in Würde altern?“ ein. Dabei standen nicht nur die Patienten im Fokus. „Die Pflege muss einen höheren Stellenwert bekommen. Angehörige müssen genauso gut versorgt werden wie Patienten. Sie müssen besser unterstützt und entlastet werden“, sagte Birgit Edinger von der Diakonie Düsseldorf. Dem pflichtete Prof. Herwig, Lehrstuhlinhaberin am Institut für Germanistik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und selbst pflegende Angehörige, bei. „Die Pflegezeit sollte denselben Status haben wie die Elternzeit.“ Hier sei die Politik gefordert. „Die Pflegestärkungsgesetze sind auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, aber die Gesetze sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Außerdem kommen sie viel zu spät“, sagte der AFI-Vorstandsvorsitzende Dr. Michael Lorrain, der als Nervenarzt in Düsseldorf niedergelassen ist.

Der Gesundheitsdezernent der Stadt Düsseldorf, Prof. Dr. Andreas Meyer-Falcke, stellte die zahlreichen Angebote heraus, die den über 12.000 Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen in der Landeshauptstadt Düsseldorf zur Verfügung stehen. Dennoch – und da waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig – sei auch das Ehrenamt wichtig. Dafür müsse sich aber auch das Bild vom Demenzkranken ändern: „Demenz ist eine Erkrankung, bei der das Gedächtnis weggeht, nicht die Gefühle“, sagte Dr. Lorrain. Viel zu oft werden aber Menschen mit Demenz nur als eine Last gesehen. „Dabei weiß ich aus eigener Erfahrung als Arzt, wie viel Freude man mit Demenzerkrankten erleben kann.“

Wir bedanken uns bei alle Referenten und Teilnehmern sowie bei dem Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf und WDR-Moderator Jens Krepela ganz herzlich für diesen unvergesslichen Nachmittag zum 20. Geburtstag der Alzheimer Forschung Initiative e.V.

Bitte beachten Sie den ausführlichen Nachbericht zur Veranstaltung als PDF-Download unten auf dieser Seite.

 

Interviews mit den Referenten:

Alzheimer und Literatur: „Die Bereitschaft zur Langsamkeit ist notwendig“

Alzheimer und Genetik: „Es betrifft die ganze Familie“

Alzheimer und Sexualität: „Es wird ständig über dieses Thema gesprochen“

Alzheimer und Identität: „Ich habe mich sozusagen verloren“

Nachbericht zum „Alzheimer-Forum“ (PDF-Download)

Ich möchte die Alzheimer-Forschung unterstützen!

150 Gäste sind der Einladung der Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) gefolgt.
WDR-Moderator Jens Krepela führter durch das "Alzheimer-Forum".
Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel ließ es sich als Schirmherr nicht nehmen, ein Grußwort zu sprechen.
Er freute sich über die gelungene veranstaltung der AFI (hier mit Geschäftsführerin Oda Sanel und Vorstandsmitglied Dr. Ellen Wiese).
Prof. Henriette Herwig stellte in ihrem Vortrag den Blick der Gegenwartsliteratur auf die Alzheimer-Krankheit vor.
Die vielen Fragen aus dem Publikum wurden von allen Referenten beantwortet.
Um Sexualität und Demenz ging es in dem Vortrag von Detlef Rüsing.
In den Pausen besuchten viele der Besucher unseren Informationsstand mit dem Angebot kostenloser Broschüren.
Privatdozent Dr. Finckh sprach unter der Fragestellung "Recht auf Nichtwissen?" über die Möglichkeiten der Alzheimer-Frühdiagnose.
Selbstverständlich hatten die Mitarbeiter auch für persönliche Fragen der Besucher ein offenes Ohr.
Die Auswirkungen der Alzheimer-Krankheit auf die Identität der Erkrankten untersuchte Dr. Jungert in seinem Vortrag.
Zum Abschluss ludt die AFI zur Diskussion über die Frage „Wie können wir in Würde altern?“ auf die Bühne.