27.02.2008Kunst weckt neue LebensgeisterKünstlerische Beschäftigung wie Malen, Musizieren und Tanzen stellt ein besonders gutes Ausdrucksmittel für Demenzpatienten dar. Emotionen können auch dann noch kreativ ausgedrückt werden, wenn andere Kommunikationsformen bereits wegfallen. Das Wilhelm-Lehmbruck Museum in Duisburg bietet Kunstbetrachtungen speziell für Patienten mit Demenz und deren Betreuer an. Dabei steht das aktive Kunsterlebnis im Mittelpunkt. Wir haben die Kunstpädagogin Frau Sybille Kastner dazu befragt. AFI: Sie bieten Museumsführungen für Demenzpatienten an. Wie kam das Wilhelm-Lehmbruck Museum auf diese Idee? Sybille Kastner: Angeregt durch den Besuch der Tagung „Kultur und Alter“ im November 2006 in Bielefeld beschlossen meine Kollegin Frau Winkler (selbst als pflegende Angehörige betroffen) und ich, ein solches Projekt ins Leben zu rufen. AFI: Haben Sie erwartet, dass an einem solchen Angebot Interesse in der Bevölkerung besteht? Wie ist die Resonanz darauf? Sybille Kastner: Ja, wobei die derzeitig stattfindenden Führungen in Kooperation mit einzelnen Seniorenheimen stattfinden. Unser Anliegen ist es aber, dieses Angebot auf die zu Hause gepflegten Betroffenen auszuweiten, da unsere Vermutung nach vor allem dort ein größerer Bedarf besteht. Die Resonanz der Heime ist gut, die Zielgruppe der zu Hause betreuten Menschen mit Demenz haben wir noch nicht erreicht. Das hat uns ein wenig überrascht. Vermutlich fehlt uns bisher die richtige Plattform, um Kontakt zu dieser Zielgruppe zu bekommen. AFI: Inzwischen bieten Sie regelmäßige Führungen an. Wie viele Personen können daran teilnehmen? Sybille Kastner: Unsere erste Führung fand Anfang März 2007 statt, insgesamt waren es zehn solcher Führungen im letzten Jahr. Es nahmen immer ca. 6-8 Patienten und 2-3 Betreuer teil. Es wäre möglich, die Gruppe auf 10 Patienten zu erweitern. AFI: Was genau passiert während einer Führung? Wie bringen Sie den Patienten die Kunstwerke nahe? Sybille Kastner: Jede Führung beginnt mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken in unserer Cafeteria. Damit geben wir den Teilnehmern Gelegenheit, in den unbekannten Räumlichkeiten „anzukommen“ und die jeweilige Museumspädagogin kennen zu lernen. Grundsätzlich wählen wir nur wenige Kunstwerke aus. Die Führungen sind thematisch ausgerichtet, wobei die Themen eng mit positiven emotionalen Inhalten verknüpft sein sollen. Das Kunstwerk wird betrachtet, besprochen und oft wird noch etwas Praktisches gemacht, z. B. wird etwas nachgestellt, etwas in die Hand genommen, ertastet. Als Abschluss wird jedes Mal etwas gestaltet, immer mit einem anderen Material. Dann werden die Teilnehmer verabschiedet und sie können ihre Werke mitnehmen. Besonders schöne Situationen entstanden bei den Themen, die die Teilnehmer sehr stark emotional berührten, wie etwa Tierskulpturen, wobei wir dann auch lebendige Mäuse mitgebracht haben, oder Mutter- Kind Darstellungen, die mit Hilfe einer Puppe nachgestellt wurden. AFI: Wie sind die Reaktionen nach einer Führung auf der Seite der Patienten und der Betreuer? Sybille Kastner: Als direkte Reaktion bedanken sich die Teilnehmer bei uns häufig für das schöne Erlebnis. Uns wird berichtet, dass viele Betroffene ein erweitertetes Sprachvolumen und erweiterte affektive Teilnahme gegenüber der Heimsituation zeigen und mit einem positiven Gefühl das Museum verlassen. Die Betreuer schildern uns, dass sie das Projekt insgesamt als sehr positiv für die Patienten empfinden und dass es auch für sie eine Bereicherung und Entlastung darstellt. AFI: Wie lautet Ihr eigenes Resümee bezüglich der Veranstaltungen? Sybille Kastner: Wir möchten die Arbeit auf jeden Fall fortsetzen und den Kreis der Teilnehmer erweitern. Darüber hinaus wäre es sicherlich erstrebenswert, an vielen Museen Führungen für Menschen mit Demenz einzuführen. AFI: Vielen Dank für das Interview, Frau Kastner! Adresssen:
Kunsthalle Bremen Bitte erkundigen Sie sich auch bei Ihren Museen vor Ort über ähnliche Angebote.
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Unsere AnschriftAlzheimer Forschung Initiative e.V. Initiative für die ForschungSeit 1996 konnte die Alzheimer Forschung Initiative dank zahlreicher privater Spender insgesamt 89 Forschungsprojekte mit 4,75 Millionen € unterstützen. Jährlich werden in einem zweistufigen Bewertungsverfahren die aktuellen Forschungsanträge begutachtet. Jedes Jahr werden bei der AFI mehr ausgezeichnete und förderungswürdige Anträge eingereicht, als der Verein finanziell unterstützen kann. |

