03.04.2008

Aufblühende Erinnerungen – Gärtnern als Therapieform

Aktiv am Leben teilzunehmen ist für viele Demenzpatienten keine Selbstverständlichkeit. Das Fortschreiten der Krankheit versetzt die Patienten zunehmend in Isolation und Einsamkeit. Die nächsten Verwandten nicht wieder zu erkennen, ist zum Beispiel ein typisches Merkmal der Alzheimer-Krankheit. Umso wichtiger ist es, Menschen mit dementiellen Erkrankungen einen neuen Sinn und die Möglichkeit zur Aktivität zu geben.

Gartentherapie in der Pflege
Bei der Gartentherapie wird den Patienten mit Hilfe von Aktivitäten in der Natur die Möglichkeit gegeben, den Wechsel der Jahreszeiten bewusst zu erleben. Über Tätigkeiten, die körperlich zu bewältigen sind, sucht man in der Therapie nach Methoden, die ältere Menschen und Demenzpatienten ein Stück weit aus ihrem gewohnten Alltag entführen. Während der Gartenarbeit werden Wachstum, Entwicklung und Veränderung wieder sichtbar und erfahrbar. Die Gartentherapie hat auch zum Ziel, über die Bewegung in der Natur Erinnerungen zu wecken. Dies funktioniert so gut, da die Gartenarbeit bei vielen älteren Menschen früher einen festen Bestandteil des Alltagslebens darstellte.

Zielsetzungen und Wirkungsweisen der Gartentherapie
• Entwicklung und Verbesserung der Motorik, Koordination und Ausdauer
• Anregung der sinnlichen Wahrnehmung
• Gedächtnistraining, Lernen, Entfaltung von Kreativität
• Selbstachtung und Selbstvertrauen, Zukunftsorientierung
• Erfahren eigener Fähigkeiten
• Aktivierung der Immunpotentiale des Körpers
• Kräftigung des Muskelapparates, Linderung von Rücken- und Gelenkbeschwerden
• Eventuelle Reduktion des Körpergewicht und somit Verbesserung des Risikos an Zivilisationskrankheiten zu erkranken
• Stärkung der Abwehrkräfte

Im Bereich der Gartentherapie sind ausgebildete Fachkräfte aus dem Bereich der Psychologie, Pädagogik, Ergotherapie, Gärtnerei und Biologie tätig. Je nach Ausgangssituation und Therapieziel wird die Arbeitshaltung des Patienten gewählt: sitzend, stehend oder gehend.

Dipl.-Psych. Kirsten Bischof: „Zunehmend lernen die Klienten, Stressoren aktiv aus dem Weg zu gehen. Wer bisher durch seine Krankheit verlernt hatte, auf sich acht zu geben, der sorgt sich nun wieder mehr um den Schutz seines Körpers vor Kälte, Hitze, Schmutz, Verletzungen. Dazu gehört auch, wieder mehr Wert auf gesunde Ernährung zu legen. Bei der Gartenarbeit lässt sich hierzu viel Wissen vermitteln und beim gemeinsamen Zubereiten des geernteten Gemüses praktisch anwenden.“

Mit gutem Beispiel voran
In Weilerswist wurde mit der Trägerschaft der AWO eine Parkanlage verwirklicht, die an der Therapie von Demenzkranken ausgerichtet ist. „Der Garten der Sinne“, angelegt in Form zweier achtförmiger Wanderwege, die sich in der Mitte kreuzen, enthält ein Lernprogramm („Infinity Walk, Preparing your mind to learn“ von Debora Sunbeck). Der Wanderweg berücksichtigt die Orientierungsdefizite der Patienten.

Ein spezieller Bodenbelag macht die Begehung bei jeder Witterung möglich. Ein „Tastgeländer“ erfüllt nicht nur die Funktion eines Handlaufs, sondern wurde als Sinnerfahrungselement künstlerisch bearbeitet. Unterschiedliche Materialien und Oberflächen fördern durch das Ertasten die Sinne. Das Tasterlebnis fördert die Orientierung und Identifizierung z.B. durch integrierte Tast-, Duft- und Obstschalen. Der Park enthält Ruhezonen und „Erlebnisstationen“, die den fünf Sinnen (Hören, Riechen, Schmecken, Sehen und Fühlen) zugeordnet sind und somit die Erinnerung anregen sollen.


Externer Link für Pflegepersonal:
http://www.garten-und-therapie.de/

Literaturempfehlung:
Andreas Niepel, Silke Emmrich
Garten und Therapie - Wege zur Barrierefreiheit
Ulmer, 2005
ISBN: 3800144433
Preis: 39,90 €

Artikel:
„Pflanzen helfen heilen“
Erschienen in der Zeitschrift GEO Special
Ausgabe 04/05
ISSN 419013340780050002

Quellen:
Dipl.-Psych. Kirsten Bischof

Das Erste -  Ratgeber Heim und Garten
http://www.wdr.de/tv/ardheim/sendungen/2006/juni/060618_5.phtml


Garten und Therapie
http://www.garten-und-therapie.de/

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