29.10.2008

Interview mit Professor Maurer: Vorbeugen durch Forschen

Professor Konrad  Maurer, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt, war seit 1996, dem Gründungsjahr der Alzheimer Forschung Initiative (AFI), Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates. 2001 wurde Prof. Maurer zum Vorsitzenden des Beirates gewählt und 2008 in den Vorstand der AFI berufen.

Frage: Herr Professor Maurer, Sie gehören zu den wichtigsten Alzheimer-Experten in Deutschland. Ist Alzheimer eine typische Alterserkrankung?

Antwort: „Alzheimer ist eine Erkrankung, die hauptsächlich nach dem 60. Lebensjahr auftritt. Ab dem 80.Lebensjahr steigt der Prozentsatz der Erkrankten sprunghaft an. 13,3 Prozent der 80-84 Jährigen leiden an Alzheimer, 23,9 Prozent der 85-89 Jährigen und bei den über 90 Jährigen sind es schon 34,6 Prozent, also jeder dritte.“

Frage: Was hat sich für die Patienten in den letzten Jahren verbessert?

Antwort: „Nachdem jahrzehntelang kaum Fortschritte erzielt wurden, hat sich in den letzten Jahren das Wissen über die Krankheit rapide erweitert. Erst vor 13 Jahren wurde das erste Medikament gegen die Alzheimer-Krankheit eingeführt. Heute gibt es bereits vier verzögernde Medikamente. Auch die Alzheimer-typischen Veränderungsprozesse im Gehirn kennen wir heute wesentlich genauer. Deshalb werden derzeit neue Substanzen entwickelt, die in diese Prozesse eingreifen.“

Frage: Wohin wird die Alzheimer-Forschung in Zukunft gehen?

Antwort: „Mittelfristig ist das Ziel, den Ausbruch der Krankheit um fünf Jahre zu verzögern.  Dann können viele Patienten ihren Lebensabend ohne Symptome beschließen. Langfristiges Ziel der Alzheimer-Forschung bleibt aber, einen Weg zu finden, wie wir diese Krankheit vermeiden oder heilbar machen können.“

Frage: Können wir Alzheimer vorbeugen?

Antwort: „Ja, in gewissem Maße schon. In großen epidemiologischen Studien hat sich gezeigt, dass man das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, senken kann. Die heutige Vorbeugung beruht auf vier Säulen:

1. Lebenslanges Lernen.
2. Gesunde Ernährung wie etwa durch mediterrane Kost mit reichlich Obst und Gemüse, Fisch, aber wenig Fleisch, Süßigkeiten und gesättigte Fettsäuren.
3. Soziale Kontakte pflegen, seine Hobbies nachgehen.
4. Regelmäßige Bewegung: Schon vier Mal die Woche eine viertel Stunde schnell Spazieren gehen zeigt Wirkung.

Außerdem sollte man die bisher bekannten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und hohe Cholesterinwerte regelmäßig kontrollieren und nötigenfalls behandeln lassen. Denn diese Herz-Kreislauf Risikofaktoren gelten auch als Risikofaktoren für Alzheimer.
Doch  die wichtigste Vorbeugung ist weitere Forschung!“

Frage: Die Bundesregierung stellt neuerdings Millionenbeträge für die Alzheimer-Forschung bereit. Ist private Forschungsförderung, wie sie die AFI betreibt, dann überhaupt noch nötig?

Antwort: „Gerade dann ist weitere private Förderung wichtig. Denn die staatlichen Gelder sollen eingesetzt werden, um die Pflege und Betreuung von Demenzkranken in Deutschland zu verbessern. Zudem werden die staatlichen Mittel für den strukturellen Aufbau der neuen Demenzzentren verwendet, wie etwa für neue Gebäude. Den neuen Forschergruppen fehlt dann allerdings das Geld für die eigentliche Forschungsarbeit.

Die AFI dagegen investiert in die Grundlagen-, Ursachen- und klinische Erforschung der Alzheimer-Krankheit, ohne die es keine Entwicklung von Medikamenten und anderen Therapien gibt. Die Spender der AFI haben großen Anteil daran, dass viele bedeutende Alzheimer-Forscher ihre wissenschaftliche Laufbahn beginnen konnten und zu wichtigen Forschungsergebnissen gelangten. Jedes Jahr erhalten wir weit mehr förderungswürdige Projektanträge, als wir mit unseren Spenden unterstützen können. An dieser Stelle möchte ich allen, die uns bisher gespendet haben, danken und sie bitten, dies auch weiterhin zu tun.

Herr Professor Maurer wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.

 

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