28.01.2009Eine Extraportion Licht in der Alzheimer-TherapieDie Wohltat einiger Sonnenstrahlen ist für alle, denen die dunkle Jahreszeit zwischen Oktober und Februar zu lange wird, gut nach zu vollziehen. Depressionen in den Wintermonaten, auch SAD (Saisonabhängige Depression) genannt, treffen alleine in Deutschland ca. 800.000 Menschen. Typische, durch andauernden Mangel an Licht bedingte Anzeichen einer Winterdepression sind Schlafstörungen, Antriebslosigkeit, Hungerattacken und Müdigkeit. Die Lichttherapie ist bei der Behandlung saisonal abhängiger Depressionen wissenschaftlich belegt und durch die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft anerkannt. Neu und viel versprechend sind die Erfahrungen der Lichttherapie bei Alzheimer-Patienten, wie eine junge Studie zeigt.
Die Wirkungsweise der Lichttherapie Spezielle Lichtquellen (Vollspektrumlicht ohne UV-Strahlung), in die man täglich möglichst nach dem Erwachen für ca. 20 Minuten sieht, werden über das Auge (Sehnerv, Mittelhirn) aufgenommen und heben die Stimmung. Die über die Augen aufgenommene Lichtintensität werden an das Gehirn weitergeleitet. Der Melatonin-Spiegel, ein körpereigener Botenstoff, der sich über Nacht aufbaut und für Müdigkeit sorgt, wird mit Hilfe der Lichttherapie gesenkt. Gleichzeitig wird die Produktion des Hormons Serotonin angeregt. Ein Mangel des Hormons Serotonin und Noradrenalin im Gehirn liegt sowohl bei der SAD, als auch bei einer normalen Depression vor.
10.000 Lux erzielen spezielle Lampen, während natürliches Tageslicht je nach Jahreszeit und Bewölkung bis zu 100.000 Lux erreicht. Ein Sommertag bei uns bietet durchschnittlich ca. 10.000 Lux, am Äquator sind es rund 80.000 Lux. Eine Zimmerbeleuchtung leuchtet im Vergleich dazu bei ca. 500 Lux, eine Kerze bei 0,25 Lux. Ideal ist natürlich das Sonnenlicht, wobei eine geeignete Sonnenbrille mit entsprechendem UV-Schutz unentbehrlich ist. Lampen mit sonnenanalogem Licht sind im Handel erhältlich und in der Lichttherapie nicht mehr wegzudenken. Sonnenbänke dagegen sind keinesfalls Ersatz für eine Lichttherapie, da diese keinen Schutz vor UV-Strahlen bieten.
Lichttherapie bei Alzheimer-Patienten Schlafstörungen und Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus im hohen Alter gelten als mögliche Ursache für Depressionen, während sie bei Alzheimer-Patienten vermutlich aggressives Verhalten und Unruhe auslösen. Besonders im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf wachen Alzheimer Patienten Nachts häufig auf und laufen umher, so dass Sie tagsüber entsprechend müde und/oder gereizt sein können.
Aktuelle Erkenntnisse gibt es bei der Behandlung von Demenz-Patienten mit Licht und Melatonin. In einer Studie aus dem Jahre 2008, in der Probanden bis zu 3,5 Jahre lang untersucht wurden, wiesen Wissenschaftler der Königlichen Niederländischen Akademie um Rixt Riemersma-van der Lek, die positive Wirkung von Licht auf kognitive und nicht-kognitive Funktionen (wie Stimmung und Schlafrhythmus) nach.
Für die Studie ließen die Forscher in den gemeinschaftlichen Wohnräumen von zwölf Pflegeheimen Plexiglasdiffusoren an den Decken anbringen. In sechs Altenheimen brachte man Leuchtmittel an, die bei einer Stärke von etwa 1.000 Lux zwischen neun Uhr morgens und sechs Uhr abends die Räume erhellten. Das Licht der sechs Pflegeheime der Vergleichsgruppe wurde im gleichen Zeitraum auf rund 300 Lux eingestellt. Zusätzlich wurde die Gabe von Melatonin in das Studiendesign einbezogen. Die 189 Probanden im Alter von durchschnittlich 85,5 Jahren, von denen bei ca. 87% eine Demenzerkrankung diagnostiziert worden war, wurden in vier Gruppen eingeteilt: Nur Licht, nur Melantonin, Licht und Melatonin, weder Licht noch Melatonin.
Ergebnisse der Lichtgruppe Im Mini-Metal-Status-Test (MMST) verringerte sich die Abnahme der kognitiven Leistungen bei der Lichtgruppe mit 0,9 Punkten, was einem Unterschied von 5 Prozent entspricht. Die dem Krankheitsverlauf entsprechende, kontinuierliche Abnahme der kognitiven Funktionen konnte jedoch nicht verzögert werden. Die Lichttherapie verringerte die Zunahme depressiver Symptome der Probanden um 19%. Der Schrittweisen Abnahme in der Bewältigung von Alltagsaktivitäten wurde durch Licht zu 53% entgegengewirkt.
Ergebnisse der Melantoningruppe Die Gabe von Melatonin erfüllte nicht die Erwartungen der Wissenschaftler. Sie schien keine Auswirkungen auf die schwere der depressiven Symptome zu haben. Pflegepersonen berichteten von gesteigertem Rückzugsverhalten und vermindertem Gefühlsausdruck seitens der Probanden. Dieses Verhalten konnte durch Lichttherapie wieder verbessert werden.
Melantonin und Lichttherapie Die Kombination aus Melantonin und Lichttherapie schwächte die Unruhe der Probanden um 9% ab. Im Bezug auf den Tag-Nacht-Rhythmus der Probanden hatte diese Kombination Auswirkungen auf die Zubettgehenszeit. Sie verfrühte sich um ca. 19%. Gleichzeitig konnten eine längere Schlafdauer (6%) , längere ununterbrochene Schlafphasen (25%) und eine allgemein verbesserte Nachtruhe festgestellt werden.
Die Hormontherapie mit Melatonin erfüllte die Erwartungen bezüglich des Schlafverhaltens und Affektverhaltens nur in Kombination mit der Lichttherapie. Eine Verbesserung bezüglich der Unruhe von 9 % rechtfertigt offenbar nicht die Verordnung des Hormons. Die Lichttherapie ist frei von Nebenwirkungen und daher ist ihre Umsetzung in Alten- und Pflegewohnheimen empfehlenswert, so die Forscher.
Link: Originalstudie von Riemersma-van der Lek (in Englisch) auf der Webseite des Journal of the American Medical Association http://jama.ama-assn.org/cgi/reprint/299/22/2642
Quellen: Rixt F. Riemersma-van der Lek, MD; Dick F. Swaab, MD, PhD; Jos Twisk, PhD; Elly M. Hol, PhD; Witte J. G. Hoogendijk, MD, PhD; Eus J. W. Van Someren, PhD. Effect of Bright Light and Melatonin on Cognitive and Noncognitive Function in Elderly Residents of Group Care Facilities. JAMA. 2008;299(22):2642-2655.
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: http://www.akdae.de/35/67-Depression-2006-2Auflage.pdf
Quelle zur Wirkungsweise: http://www.depression-therapie-forschung.de/lichttherapie.html
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