09.09.2009Forschungsverbund entdeckt weitere Gene für die Alzheimer-Demenz
(Abb.: Isolierte Nervenzelle, © Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie/Jürgen Berger)
Alzheimer-Risikofaktor ErbanlageEin Teil des Risikos für die späte Form der Alzheimer-Erkrankung wird genetischen Einflussfaktoren zugeschrieben. Bisher kennt man allerdings nur eine einzige Erbanlage, die dabei mit Sicherheit eine wichtige Rolle spielt: das Gen für Apolipoprotein E, dessen Variante ApoE 4 die Erkrankungswahrscheinlichkeit um das zwei- bis vierfache erhöht. Das Gen für ApoE erklärt aber nur einen kleinen Teil der gesamten genetischen Risikos. Es muss also noch mehrere weitere Krankheitsgene geben. Weltweit suchen Forscher daher fieberhaft nach weiteren Erbanlagen - bislang ohne Erfolg: "Zwar gab es viele hoffnungsvolle Kandidaten", sagt Professor Dr. Markus Nöthen von der Universität Bonn. "Bei keinem von ihnen konnte man den Zusammenhang zur Alzheimer-Demenz aber eindeutig nachweisen." Neu entdeckt: Gene Clusterin und PICALMFast 20 Jahre nach der bahnbrechenden Beschreibung des Apolipoprotein e4 Allels als genetischem Risikofaktor der Alzheimer-Krankheit durch Prof. Allen Roses Anfang der 90iger Jahre, sind jetzt neue wichtige Risikogene für die bedeutende Volkserkrankung gefunden worden. Der internationale Forschungsverbund konnte mit einer Genom-weiten Assoziationsstudie zwei weitere Gene identifizieren, das Clusterin (CLU)- und das PICALM-Gen. Diese beiden Gene sind wichtig für die Funktion von Nervenzellen und sind am Stoffwechsel derjenigen Eiweiße beteiligt, die im Gehirn von Patienten mit Alzheimer-Demenz verstärkt abgelagert werden. Wichtige Ansatzpunkte für neue TherapienDie spät beginnende Alzheimer-Krankheit betrifft heute allein in Deutschland etwa eine Million Menschen. Die Demenzerkrankung führt zur fortschreitenden Pflegebedürftigkeit. Die Anzahl Betroffener wird mit steigender Lebenserwartung in naher Zukunft stark zunehmen. Eine wirkliche Therapie der Alzheimer-Krankheit gibt es bisher nicht, da man die Ursachen nicht genau kennt. Die aktuellen Behandlungsstrategien können den Krankheitsverlauf lediglich verzögern. "Aus den jetzt publizierten Ergebnissen ergeben sich neue potenzielle Anhaltspunkte für kausale Therapien", betont Professor Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Bonn. "Angesichts der enormen Bedeutung dieser Erkrankung sind derartige Fortschritte extrem wichtig." |
Unsere AnschriftAlzheimer Forschung Initiative e.V. Initiative für die ForschungSeit 1996 konnte die Alzheimer Forschung Initiative dank zahlreicher privater Spender insgesamt 89 Forschungsprojekte mit 4,75 Millionen € unterstützen. Jährlich werden in einem zweistufigen Bewertungsverfahren die aktuellen Forschungsanträge begutachtet. Jedes Jahr werden bei der AFI mehr ausgezeichnete und förderungswürdige Anträge eingereicht, als der Verein finanziell unterstützen kann. |

In Deutschland leiden derzeit schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen an der Alzheimer-Demenz. Für die nächsten 20 Jahre wird aufgrund der längeren Lebenserwartung mit einer Verdopplung der erkrankten Personen gerechnet. Während nur 2-3 Prozent bei den 70-75-Jährigen betroffen sind, steigt die Häufigkeit der Erkrankung mit zunehmendem Alter an, bei den über 90-Jährigen leidet bereits fast die Hälfte an Demenz.