23.02.2010Als die Krankheit sichtbar wurde…
Neben Gedächtnis oder Wahrnehmung wird beispielsweise erforscht, wie wir eine Situation bewerten, wie wir Entscheidungen treffen oder wie es kommt, dass wir Mitgefühl empfinden. In diesem Jahr feiert die AFI ihr 15-jähriges Jubiläum. Und bereits 2007 haben zehn international anerkannte Neurowissenschaftler im Fachblatt „Science“ das Jahrzehnt des Geistes ausgerufen, das ebenfalls in diesem Jahr seinen Anfang nehmen soll. Geist und Gehirn verstehen, heißt Krankheiten des Geistes verstehen und somit auch die Krankheiten des Erinnerns und Vergessens. Das Gedächtnis zählt zu den wichtigsten kognitiven Funktionen des Menschen. Gedächtnisleistungen ermöglichen den Erwerb eines dauerhaften, flexiblen und veränderbaren Verhaltensrepertoires und Wissensbestandes. Während man früher das Gedächtnis als einheitliches Gebilde ansah, das entlang einer chronologischen Achse in Kurz- und Langzeitgedächtnis unterteilt ist, so ist man aufgrund zahlreicher Studien dazu übergegangen, das Gedächtnis als Oberbegriff zu definieren. Unter diesem Begriff verbergen sich eine Vielzahl zeitlich und inhaltlich voneinander unterscheidbaren Lern- und Abrufleistungen. Demenz und GedächtnisDemenz heißt übersetzt soviel wie „ohne Verstand“. Die meisten Demenz-Patienten leiden an der Alzheimer-Krankheit, wobei eine Nervenzellschädigung die wichtigste Ursache darstellt. Über Jahre hinweg verlieren Betroffene ihre geistigen Fähigkeiten, vor allem ihre Gedächtnisfähigkeiten. Zuerst ist das Erinnerungsvermögen an kürzlich Erlebtes beeinträchtigt, später werden die Gedächtnisstörungen so stark, dass der Alltag immer schlechter alleine bewältigt werden kann. Häufig wird eine Demenz erst im mittleren Stadium der Erkrankung diagnostiziert. Erst dann sind die Symptome und Gedächtnisprobleme so deutlich und der Leidensdruck beim Patienten oder Angehörigen so groß, dass ein Arzt aufgesucht wird. Und das obwohl eine frühe Diagnose wichtig ist. Die Gewissheit im frühen Stadium einer Demenz-Erkrankung bietet die Möglichkeit, die Zeit intensiver zu leben und für Aktivitäten zu nutzen, die wirklich wichtig sind im Leben. Diagnose von DemenzerkrankungenDie Diagnostik von Demenzerkrankungen und ihren Vorstadien ist in der Regel eine klinische Aufgabe. In spezialisierten Ambulanzen und Praxen wird die Verdachtsdiagnose im Idealfall im Rahmen einer Teamdiagnose formuliert. Sie stützt sich auf fünf Elemente. (1) Im Gespräch ermittelte Vorgeschichte eines Patienten (Anamnese), (2) neurologischer und psychischer Befund, (3) neuropsychologisches Profil, bestehend aus Anamnese, Verhaltensbeobachtung und Testuntersuchung. Das Ziel der Testuntersuchung ist die Feststellung eines Profils, welches dann diagnostische Schlüsse zulässt. In der nächsten unserer 12 Sonderausgaben informieren wir Sie über die gängigsten neuropsychologischen Tests. Neben der Ermittlung des neuropsychologischen Pofils kommen im Rahmen der Diagnosestellung (4) bildgebende Verfahren und (5) Laboruntersuchungen zur Ausschlussdiagnostik dazu. Bildgebende Verfahren - Der faszinierende Blick ins GehirnBildgebende Verfahren werden heute bei der Diagnose von Hirnleistungsstörungen vorwiegend zum Ausschluss anderer Ursachen eingesetzt. Für Routineuntersuchungen sind sie noch nicht geeignet. Computertomographie (CT) und Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) Die Entwicklung der Computertomographie in den 60-er Jahren durch Allen M. Commack und Godfrey N. Hounsfield wurde 1979 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. Ab 1973 wurde die Magnet-Resonanz-Tomographie von Paul Christian Lauterbur mit wesentlichen Beiträgen von Sir Peter Mansfield entwickelt. 2003 erhielten Sie dafür ebenfalls den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
Der Magnet-Resonanz-Tomograph erzeugt das Bild vom Körperinnern mit Hilfe eines starken Magnetfeldes und Radiowellen. Dabei werden Wasserstoffmoleküle in zweidimensionalen Bildern dargestellt. Bild: Schnitt durch den Kopf eines Menschen. Animierte Version mehrerer sagittaler MRT-Schnittebenen. Bildquelle: Wikipedia / Christian R. Linder. Die MRT wird unter anderem in der Abbildung und Beurteilung von Nerven- und Hirngewebe eingesetzt. Dabei sind sehr detaillierte Einblicke in die Organe möglich. Eine zerebrale MRT dauert je nach Auflösung zwischen 10 und 30 Minuten. Bei der Alzheimer-Krankheit zeigen sich bei der Untersuchung mit CT und MRT im häufigsten Fall Zeichen einer allgemeinen Abnahme des Hirnvolumens (zerebrale Atophie). Moderne Analysemethoden der Neuroimaging-Daten ermöglichen eine Verbesserung der Diagnosegenauigkeit. Die Schrumpfung des Hippokampus bei der Alzheimer-Krankheit ist bekannt und kann mittels MRT entdeckt und quantifiziert werden. Dafür sind allerdings spezielle Untersuchungssequenzen und eine aufwändige Datenanalyse notwendig. Die Genauigkeit der Bilder, die MRT und CT liefern, ist abhängig von den untersuchten Geweben. Der Vorteil der MRT liegt in der differenzierten Darstellung von Weichteilgewebe mit einer sehr hohen Auflösung. Die CT eignet sich wegen der Röntgenstrahlentechnik besonders für die Darstellung von festem Gewebe, etwa von Knochengewebe und ist Teil der Basisdiagnostik bei Schlaganfällen und Schädel-Hirn-Traumata. Da beide Techniken weiterentwickelt werden, kommt es hierbei zu Überschneidungen. Bild: Prof. Dr. Hauenstein (l.), Direktor des Instituts für Interventionelle und Diagnostische Radiologie und Prof. Dr. Teipel, von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Rostock, mit dem neuen MRT-Scanner. Siehe Artikel
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Unsere AnschriftAlzheimer Forschung Initiative e.V. Initiative für die ForschungSeit 1996 konnte die Alzheimer Forschung Initiative dank zahlreicher privater Spender insgesamt 89 Forschungsprojekte mit 4,75 Millionen € unterstützen. Jährlich werden in einem zweistufigen Bewertungsverfahren die aktuellen Forschungsanträge begutachtet. Jedes Jahr werden bei der AFI mehr ausgezeichnete und förderungswürdige Anträge eingereicht, als der Verein finanziell unterstützen kann. |

In den letzten Jahrzehnten hat die Neurowissenschaft einen beispiellosen Aufschwung erlebt. Mittlerweile wird selbst höchsten geistigen Leistungen auf den Grund gegangen.
Bei der Computertomographie wird der Körper mit Röntgenstrahlung durchleuchtet. Zwei und dreidimensionale Darstellungen von Gewebe und Organen sind möglich. Bei vielen Untersuchungen mit Computertomografie werden jodhaltige Kontrastmittel intravenös verabreicht. Die hohe Strahlenbelastung durch das Verfahren erweist sich als nachteilig.