„Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand.“

  |   Alzheimer

Halt und Orientierung, danach sucht Jörn Klares Mutter bei ihren Söhnen. „Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand“ lautet der Titel des Buches, das Jörn Klare über seine demente Mutter geschrieben hat. Klares Mutter steht zum Zeitpunkt der Diagnose in ihrem 70. Lebensjahr und die ganze Familie vor einer herausfordernden Krankheit. Jörn Klare schreibt über seine Mutter und ihre Demenz.

„In den Aufzeichnungen der Memory-Clinic, in der meine Mutter untersucht wurde“, berichtet Klare, „ist von einer ängstlichen Patientin die Rede, die orientierungslos sei, die die Pflegekraft für ihre Schwiegertochter hält, sich bevormundet fühlt, mit dem Feuermelder redet, viel Chaos anrichtet und die Behandlung einer Mitpatientin untersagt, weil dies ihr Mann sei.“ Mit den Worten Klares ist es „das Protokoll eines weiteren Albtraums“.

Seniorin sitzt in einem Sessel und ließt ein Buch.

Verblassende Erinnerung

Am Anfang verlegte Klares Mutter ihre Brille bis schließlich ihre Erinnerung an eine PIN-Nummer wie ausgelöscht ist und der Weg zur Küche unmöglich wird. Am Ende steht eine Unterbringung im Heim, der „sicherste“ Ort für Klares Mutter und ihren ebenfalls pflegebedürftigen Partner Egon.

Die Besuche im Heim werfen Fragen auf und Jörn Klares Gedanken kreisen um die Würde des Menschen, den Wert verlorener Erinnerungen und der Suche nach Trost. Klares Mutter erinnert sich zwar noch an miterlebte Kriegsjahre. Die Besorgnis, wann die Erinnerungen an die eigenen Kinder verblassen, sehen ihre Söhne mit gemischten Gefühlen und tapfer zugleich entgegen. Mit Psychiatern, Gerontologen und Pflegewissenschaftlern diskutiert der Autor über das Thema Demenz.

Jörn Klares Buch erschien 2012 im Suhrkamp Verlag.

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