Gängige Behandlungsformen bei Alzheimer: Tanzen, werken oder einfach nur wohlfühlen?

  |   Alzheimer

Die Alzheimer-Krankheit wirkt sich auf zentrale kognitive Funktionen des Menschen aus. Das Gedächtnis leidet, die Wahrnehmung, die Fähigkeit Probleme zu lösen, die Orientierung und das Einschätzungsvermögen werden nach und nach immer stärker beeinträchtigt. Wenn die Welt aus den Fugen gerät und sich der Mensch nicht mehr auf seinen Geist verlassen kann, werden Emotionen sowie die durch das Umfeld vermittelte Sicherheit, Verlässlichkeit und Stabilität zunehmend wichtige Eckpfeiler für das Selbstwertgefühl und das Wohlbefinden des Patienten. Nicht-medikamentöse Therapien können helfen, die Teilnahme der Patienten am gesellschaftlichen Leben so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, positive Auswirkungen auf die Gemütslage sind ebenfalls dokumentiert. Die Behandlung wird je nach Symptomatik und Grad der Erkrankung durch geschulte Therapeuten eingesetzt.

Gymnastikgruppe auf Sitzbällen in einer Sporthalle

Nicht-medikamentöse Therapieformen und ihre Wirkung

Bei den emotionsorientierten Therapieansätzen wie der Validation stehen die Wertschätzung der Gefühle und der Erlebenswelt des Patienten sowie die Mobilisierung noch vorhandener Ressourcen im Mittelpunkt. Die Kommunikation bezieht sich weniger auf die Faktenerinnerung, sondern zunehmend auf die subjektive Erinnerung, Sichtweise und Wahrnehmung des Patienten. Auch die Umgebung spielt hier eine Rolle, so wird zunehmend die Herkunft der Patienten bei der Gestaltung der Räumlichkeiten und Aktivitäten berücksichtigt. Sinnes- und bewegungsbezogene Ansätze zielen mit Hilfe der multisensorischen Stimulation sowohl auf Veränderungen im Verhalten, in der Interaktion und Kommunikation mit anderen, sowie im Erleben der Betroffenen ab.

Einen besonderen Stellenwert nimmt das Training des Pflegepersonals und der pflegenden Angehörigen ein. Das Verständnis für die Defizite von Demenzpatienten soll hier ebenso geschult werden wie das Fördern noch vorhandener Ressourcen und die Verbesserung kommunikativer Fähigkeiten seitens der Patienten. Durch Angehörigentraining scheint sich die Unterbringung von Demenz-Patienten in einem Pflegeheim deutlich herauszögern zu lassen. In diesem Rahmen werden auch Einzel- und Gruppengespräche eingesetzt, in denen der Informations- und Erfahrungsaustausch im Vordergrund stehen. Als sehr hilfreich für Angehörige erweisen sich Angehörigen-Selbsthilfegruppen, die unter anderem von den Regionalgruppen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft angeboten werden.

Die gängigsten nicht-medikamentösen Therapien im Überblick

  • Verhaltenstherapie: Ein psychotherapeutisches Verfahren für Demenzkranke im Frühstadium. Wird eingesetzt zur Bewältigung von Angst, Wut oder Depressionen. Betreuer werden geschult, selbstständiges Verhalten durch positive Zuwendung zu fördern.
  • Physiotherapie: Die Bewegungstherapie soll körperlichen Beschwerden entgegenwirken und hat Einfluss auf das Verhalten und die Körperwahrnehmung der Patienten. Hausarzt und Physiotherapeut einigen sich vor Beginn einer Therapie auf ein Therapieziel.
  • Ergotherapie: Die Ergotherapie soll durch funktionelle, spielerische, handwerkliche und gestalterische Techniken die praktischen Alltagshandlungen der Patienten wiederherstellen oder so lange wie möglich erhalten. Besonders gute Ergebnisse werden erzielt,  wenn die Therapie im häuslichen Umfeld stattfindet.
  • Gedächtnistraining oder kognitives Training: Für Patienten im leichten bis mittleren Stadium. Hier stehen Konzentrationsübungen, Merkspiele und Übungen zur geistigen Flexibilität auf dem Plan. Vorsicht Frustrationsgefahr! Es muss darauf geachtet werden, dass die Patienten nicht überfordert werden.
  • Realitäts-Orientierungs-Training: Diese Therapieform unterstützt die räumliche und zeitliche Orientierung der Patienten und ist geeignet für alle Stadien. Den Patienten werden aktiv Informationen zu Zeit und Ort angeboten, jedoch ohne sie zu überfordern.
  • Biografiearbeit oder Erinnerungstherapie: Ein strukturiertes Verfahren, bei dem Erinnerungen des Patienten aktiv wiederaufleben sollen und Erlebnisse aus der Vergangenheit verarbeitet werden. Stützt sich auf das Langzeitgedächtnis und ist (mit Hilfsmitteln wie Fotoalben) oft lange möglich.
  • Musiktherapie: Gemeinsames Musizieren, Singen und Tanzen gehören in diese Kategorie. Positive Effekte der Behandlung sind auch in späteren Stadien der Alzheimer-Krankheit spürbar, da sich deren Wirkung auf emotionaler Ebene abspielt.
  • Tiergestützte Therapie: Hier kommen ausgebildete Kleintiere, aber auch Hunde oder Schweine zum Einsatz. Der Kontakt mit Tieren soll Patienten aktivieren und die soziale Interaktion fördern, selbst wenn keine verbale Kommunikation mehr möglich ist.
  • Snoezelen und Aromatherapie: Snoezelen (aus dem Niederländischen, sprich: „snuselen“) bezeichnet eine Reihe von Aktivitäten auf der sensorischen Ebene. Dabei kommen Licht, Klang, Berührung, Geschmack oder Duft zum Einsatz. Diese Therapieform ist für jedes Stadium geeignet.

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