Heilpflanzenforschung – Altes Wissen neu entdeckt

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Erfolgserlebnisse sind in der Alzheimer-Forschung nicht unbedingt an der Tagesordnung. Forscher verstehen zwar die Grundlagen der häufigsten aller Demenzen immer besser, Ergebnisse von Tests mit möglichen neuen Wirkstoffen lassen die Wissenschaftselite dagegen nicht gerade in Jubelstürme ausbrechen. Ist gegen Alzheimer also wirklich kein Kraut gewachsen? Erfahren Sie mehr über aktuelle Ansätze aus der Heilpflanzenforschung.

Prof. Dr. Dr. Jens Pahnke macht sich Jahrtausende altes Wissen aus verschiedenen Kulturen zunutze. Mit seinem Team an der Universität Magdeburg untersucht er Extrakte von Pflanzen, denen eine Wirkung gegen kognitive Störungen nachgesagt wird.

Blumentbeet mit Pflanzen


Pahnke ist Experte auf dem Gebiet der Funktion von Blut-Hirn-Schranken Transportmolekülen. Klingt kompliziert, ist es aber nicht: Der 41-Jährige erforscht, wie Stoffe aus dem Gehirn abtransportiert werden. Mit Recht. Seine erfolgreichen Studien zeigen, dass die „Reinigung“ des Gehirns von giftigen Stoffwechselprodukten ein großes Potenzial hat. Mit finanzieller Unterstützung der AFI gelang es Pahnke, den entscheidenden Transporter für den Abtransport des Alzheimer-Proteins Beta-Amyloid zu identifizieren. Nun muss diese körpereigene „Müllabfuhr“ noch bestmöglich aktiviert werden. Einige aussichtsreiche Kandidaten hat Pahnke bereits ausgemacht, darunter Eisenkraut und Johanniskraut.

Griechisches Eisenkraut

In Griechenland gilt das Eisenkraut schon seit jeher als Heilmittel und wird zur Stärkung der Geisteskräfte eingesetzt. Zumeist wird es als Bestandteil des griechischen Bergtees getrunken. 2010 zeigten die Laborarbeiten Pahnkes, dass hinter der positiven Wirkung des griechischen Krauts mit dem wohlklingenden botanischen Namen „Sideritis scarica“ tatsächlich mehr steckt. Sein Team behandelte genetisch veränderte Mäuse, die schon nach wenigen Monaten Alzheimer-Symptome bekommen, mit einem Extrakt aus griechischem Eisenkraut. Das Ergebnis: Ein gesteigertes Gedächtnis- und Orientierungsvermögen der Tiere, das durch eine Verringerung der Alzheimer-typischen Ablagerungen erzielt werden konnte. Auch wenn noch nicht ganz klar ist, wie das Eisenkraut seine Wirkung im Gehirn entfaltet, kann eine Tasse des anregenden Kräutertees sicherlich nicht schaden.

Johanniskraut

Johanniskraut dagegen wird seit jeher bei depressiven Verstimmungen eingesetzt. Laut aktuellen Forschungsergebnissen Pahnkes hat die Heilpflanze einen hocherfreulichen Zusatznutzen. Ein ganz spezielles nebenwirkungsarmes Johanniskrautextrakt (das sogenannte Hyperforin/Hyperizinarme 80%ige ethanolische Extrakt) ist demnach in der Lage, Alzheimer-Plaques zu reduzieren und die Gedächtnis- und Orientierungsfunktion zu verbessern. Da Demenzpatienten häufig an Depressionen leiden, ist eine kombinierte Therapie von Depressionen und Demenzen von großem Interesse. Der genaue Wirkmechanismus des Johanniskrauts wird jetzt erforscht. 

Ginkgo biloba

Seit vielen Jahren wichtiger Bestandteil der Heilpflanzenforschung ist Ginkgo. Bekannt geworden ist die aus China stammende Baumart durch Johann Wolfgang von Goethe, der Ende des 18. Jahrhunderts einen Ginkgo-Baum im Botanischen Garten von Jena angepflanzt haben soll, und 1816 ein Gedicht mit dem Titel „Ginkgo biloba“ schrieb. Während es in Goethes Versen um Liebe und Freundschaft geht, bezeichnet Ginkgo biloba in der Naturwissenschaft den Extrakt aus den Blättern des Ginkgo-Baums, der zur Förderung der Durchblutung eingesetzt wird. Er gilt allgemein als gut verträglich.

Die Wirkung von Ginkgo auf Alzheimer-Patienten wurde in verschiedenen Studien untersucht. Auch wenn die Ergebnisse sehr unterschiedlich ausfielen, sieht das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) eine Verbesserung der Alltagsaktivitäten bei einer höheren Dosierung von täglich 240 mg als belegt an. Eine Verbesserung der kognitiven Leistung sowie eine vorbeugende Wirkung konnten hingegen nicht nachgewiesen werden.

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