Mit Neurofeedback Alzheimer behandeln?

  |   Forschung

Das Team von Prof. Dr. Kathrin Reetz von der RWTH Aachen und dem Forschungszentrum Jülich untersucht im AFI-geförderten Projekt einen nicht-medikamentösen Ansatz zur Behandlung von Alzheimer-Patienten.

Im Zentrum steht die Frage, ob „Neurofeedback”, also die bewusste Steuerung der eigenen Hirnaktivität in bestimmten Regionen des Gehirns, die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern kann. Wir waren im Gespräch mit AFI-Forscherin Prof. Dr. Kathrin Reetz.

Prof. Dr. Kathrin Reetz und Dr. Michael Lorrain bei der Urkundenübergabe
Dr. Michael Lorrain, Prof. Dr. Kathrin Reetz (Foto: Wolf R. Ussler)

Hintergrund des Interviews

Dabei erlernt der Studienteilnehmer mittels geeigneter kognitiver und mentaler Strategien gedächtnisrelevante Gehirnareale gezielt zu modulieren. Visuelles Feedback erhält der Patient sofort mit Hilfe einer Thermometer-Skala.

Den Zwischenbericht dieses spannenden Projekts erwarten wir im Januar 2015, um die Zeit nicht zu lang zu werden lassen, lesen Sie hier ein Interview mit Kathrin Reetz.

Sieben Fragen an Frau Professor Reetz

1. Frau Professor Reetz, was fasziniert Sie an der Alzheimer-Forschung?

Die Alzheimer-Erkrankung ist eine altersabhängige, bislang nicht heilbare, langsam fortschreitende Erkrankung mit einer hohen Prävalenz in der Bevölkerung, die die Erkrankung zur häufigsten neurodegenerativen Erkrankung macht. Es ist wissenschaftlich zutiefst unbefriedigend, dass wir zwar mit modernen Technologien in der Lage sind, erste pathologische Veränderungen einer Alzheimer-Erkrankung bereits Jahrzehnte vor dem Auftreten ihrer eigentlichen Symptomatik (klinische Manifestation der Demenz) zu diagnostizieren, sie aber nicht durch geeignete klinische Intervention aufschieben oder erfolgreich modifizieren können. Faszinierend ist insoweit auch die Erkenntnis einer beachtlichen Diskrepanz zwischen dem Ausmaß der Alzheimer-Pathologie und dem Auftreten der klinischen Symptomatik.

Wenn wir lernen, diese ersten Veränderungen  besser zu verstehen, werden wir vielleicht zukünftig in der Lage sein, effektive therapeutische Ansätze zu entwickeln, um den Ausbruch der Erkrankung hinaus zu zögern oder zu verhindern. Hierbei werden uns auch Erkenntnisse helfen, warum manche Menschen sehr viel später erkranken als andere, obwohl sie bereits deutliche krankhafte Veränderungen im Gehirn zeigen.

Zum jetzigen Zeitpunkt stehen uns zwar medikamentöse Therapien im Erkrankungsstadium (Alzheimer-Demenz) zur Verfügung, inwieweit aber auch andere nicht-medikamentöse Strategien, z. B. kognitive Ansätze insbesondere in Frühstadien der Erkrankung (Prodromalstadium) Anwendung finden können, ist Gegenstand unserer wissenschaftlichen Arbeit.

2. Haben Sie einen persönlichen Bezug zur Alzheimer-Krankheit?

Glücklicherweise sind in meinem persönlichen Umfeld keine Menschen von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Auch wenn man deshalb nicht von einem direkten persönlichen Bezug, im Sinne von Betroffenheit, sprechen kann, erlebe ich die persönlichen Schicksale durch den intensiven Patientenkontakt in unserer Gedächtnisambulanz an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums der RWTH Aachen alltäglich.

3. Was macht Ihr Projekt aussichtsreich?

In bisher durchgeführten wissenschaftlichen Studien zum Beispiel bei Patienten mit einer Depression, dem Parkinson-Syndrom oder chronischen Schmerzen konnten mithilfe der willentlichen Beeinflussung der eigenen Hirnaktivität, dem so genannten Neurofeedback, bereits erfolgreiche Anwendungen gezeigt werden. Wir glauben, dass sich dies auch auf die Alzheimer-Erkrankung übertragen lässt und wollen dies mit dem von der Alzheimer-Forschung Initiative geförderten Projekt nachweisen.

4. Wie viele Probanden sollen in die Studie eingeschlossen werden?

Insgesamt werden jeweils 20 Patienten/innen mit einer Alzheimer Erkrankung im Prodromalstadium und einer leichtgradigen Alzheimer-Demenz eingeschlossen. Darüber hinaus erhoffen wir uns, Patienten mit einem erhöhten Risiko im präklinischen Stadium einschließen zu können. Die Gruppen der Patienten werden jeweils mit einer alters- und geschlechtsgematchten gesunden Kontrollgruppe verglichen.

5. Können Alzheimer-Patienten die nötigen Fähigkeiten zur Anwendung des Neurofeedback überhaupt erlernen?

Wir gehen davon aus, dass Patienten mit einer Alzheimer-Erkrankung im Prodromalstadium bzw. präklinischen Stadium erfolgreich die Neurofeedback-Trainingseinheiten absolvieren werden. Erste Pilotdaten unterstützen diese Annahme. Bei Patienten mit einer leichtgradigen Alzheimer-Demenz gilt es zu testen, inwiefern das Programm erfolgreich durchgeführt werden kann. Es ist anzunehmen, dass nicht alle in der Lage sein werden, das sehr zeitintensive und anspruchsvolle Test-Programm anzuwenden.

6. Sind Nebenwirkungen zu erwarten?

Nein, es sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. Zu beachten sind allerdings relativ strenge Ausschlusskriterien für die Durchführung der Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) wie zum Beispiel Herzschrittmacher oder Metallimplantate.

7. Welchen Stellenwert hat private Forschungsförderung für Ihre Arbeit und was konnten sie dadurch erreichen?

Da die Einwerbung von öffentlichen Forschungsgeldern aus Bundes- und Landesförderung immer kompetitiver und schwieriger wird, gewinnt deutlich der Stellenwert der privaten Forschungsförderung. Die private Forschungsförderung ermöglicht meinem Team und mir die Durchführung dieses vielversprechenden wissenschaftlichen Projektes.

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Wichtige Erkenntnisse aus den Laboren auf ihren Weg in die Praxis bringen ist das Ziel der Forschungsförderung der Alzheimer Forschung Initiative. Gute Forschung ist kostenintensiv. Indem wir Gelder aus Spenden bereitstellen, tragen wir dazu bei, dass Wissenschaftler wie Prof. Dr. Reetz ihre Arbeit voranbringen können.

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