Prof. Weggen: Ist Alzheimer erblich?

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"Unterm Mikroskop...": Nachbericht zum Vortrag von Prof. Weggen. Ist Alzheimer erblich? Mit dieser Frage beschäftigte sich Prof. Dr. Sascha Weggen im zweiten Vortrag des Abends. Der Forscher von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf war im vergangenen Jahr mit 40.000 Euro von der Alzheimer Forschung Initiative e.V. unterstützt worden. „Die Frage, ob Alzheimer erblich ist, ist für viele Menschen mit einer großen Verunsicherung verbunden“, sagte Prof. Weggen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der sporadischen und familiären Alzheimer-Krankheit.

Portrait des Alzheimer-Forschers Prof. Dr. Sascha Weggen


Sporadische und familiäre Alzheimer Erkrankung


Sporadische Alzheimer Erkrankung
•    häufig
•    spätes Erkrankungsalter zwischen 65-80 Jahren
•    Alter ist der wichtigste Risikofaktor
•    geringer Einfluss genetischer Faktoren

Familiäre Alzheimer Erkrankung
•    selten
•    früheres Erkrankungsalter zwischen 30-60 Jahren
•    sehr starker Einfluss genetischer Faktoren

Während über 98 Prozent aller Alzheimer-Fälle auf die sporadische Form zurückgehen, sind weniger als zwei Prozent erblich bedingt. Bei der sporadischen Form der Alzheimer-Krankheit ist das Alter der größte Risikofaktor. Darüber hinaus erhöht das ApoE4-Gen, das den Transport von Fettsäuren reguliert, das Erkrankungsrisiko. Studien zeigen, dass etwa 50 Prozent aller Alzheimer-Patienten Träger dieser Genvariante sind. Prof. Weggen wies allerdings darauf hin, dass nicht jeder Träger der ApoE4-Variante an Alzheimer erkranken wird. Die erblich bedingte Alzheimer-Krankheit ist dagegen wie folgt gekennzeichnet:

Familiäre Alzheimer Erkrankung (FAD)

•    Früher Krankheitsbeginn (30-60 Jahre).
•    Autosomal-dominante Vererbung.
•    Das Erkrankungsrisiko für Mutationsträger beträgt 100%.
•    Das durchschnittliche Erkrankungsalter variiert ± 5 Jahre.
•    Ursächliche Mutationen in drei Genen: APP (Chr. 21), Presenilin-1 (Chr. 14), Presenilin-2 (Chr. 1).
•    Über 200 unterschiedliche Mutationen in  > 500 Familien weltweit

Prof. Weggen führte aus, dass sich bei familiärer und sporadischer Alzheimer-Form die charakteristischen Veränderungen im Gehirn nicht unterscheiden. Zudem sei der klinische Verlauf sehr ähnlich genauso wie die Erkrankungsdauer (im Durchschnitt sieben Jahre zwischen Diagnose und Tod des Patienten).

Auch wenn die Patienten mit der erblich bedingten Form der Alzheimer-Krankheit deutlich in der Unterzahl sind, ist ihre Bedeutung für die Forschung enorm. Prof. Weggen stellte in seinem Vortrag verschiedene Ansatzpunkte vor. Unter anderem ermöglicht die erblich bedingte Form die Entwicklung von neuen Biomarkern und Diagnoseverfahren. Der vorhersagbare Krankheitsbeginn bei Patienten mit der familiären Form erlaubt es Forschern, den Verlauf der Erkrankung mit bildgebenden Verfahren über viele Jahre vor und nach dem Auftreten von Symptomen zu verfolgen. Darüber hinaus hat die erblich bedingte Alzheimer-Krankheit eine große Bedeutung für das Verständnis der molekularen Ursachen, da die Mutationen die Bildung von schädlichen Amyloidpeptiden im Gehirn erhöhen.

Kolumbianische Studie mit Spannung erwartet

Auch bei der Prävention der Alzheimer-Krankheit kommt der erblichen Alzheimer Form eine entscheidende Bedeutung zu. „Die Patienten mit erblicher Alzheimer-Krankheit sind ein Schlüssel für zukünftige Therapien und könnten für einen Durchbruch in der Forschung sorgen“, erklärte Prof. Weggen. Er verwies auf eine groß angelegte Studie in Kolumbien. Dort gibt es 24 Familien mit derselben Mutation. Erste Gedächtnisprobleme treten in diesen Familien mit 40 Jahren auf, das durchschnittliche Erkrankungsalter ist 47. Eine erste Präventionsstudie mit einem neuen Wirkstoff beginnt in diesem Jahr und dauert bis 2018. Sollte das durchschnittliche Erkrankungsalter steigen oder die Erkrankung komplett verhindert werden, wäre die Wirksamkeit des Therapieansatzes bewiesen.

Mutationen können schützen

Prof. Weggen verdeutlichte aber auch, dass Mutationen vor Alzheimer schützen können. Bei einer Untersuchung der isländischen Bevölkerung wurde eine Mutation im APP-Gen entdeckt, die einen Schutz vor der sporadischen Alzheimer-Erkrankung bietet. Diese Mutation vermindert die Bildung von schädlichen Amyloidpeptiden um ca. 20 Prozent.

Auf Nachfrage sprach sich Prof. Weggen gegen Genanalysen potentieller Mutationsträger aus, da es bislang keine Therapiemöglichkeit gebe. Auch könne die Frage, ob ein erhöhtes Risiko vorliege, an der familiären Alzheimer-Form zu erkranken, nicht allein durch einen Blick auf den Stammbaum geklärt werden. Sicherheit biete nur eine Gensquenzierung.   

Abschließend ein Blick auf die Zusammenfassung von Prof. Weggen:

Zusammenfassung:  ist Alzheimer erblich?

Der wichtigste Risikofaktor für die häufigste sporadische Alzheimer Erkrankung ist das Alter. Genetische Faktoren spielen nur eine untergeordnete Rolle.
•    Die familiären Formen haben einen unschätzbaren Beitrag zum Verständnis der Alzheimer Erkrankung geliefert.
•    Kürzlich wurde eine schützende APP Mutation entdeckt.
•    Genetische Erkenntnisse unterstützen die in der Entwicklung befindlichen Therapiestrategien für die Alzheimer Erkrankung.

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