Sechs Fragen an... Prof. Dr. Michael Brand

  |   Forschung

Der erste der zehn Forscher, die die AFI seit dem 1. November für zwei Jahre unterstützt und den wir an dieser Stelle vorstellen möchten, ist Prof. Dr. Michael Brand. Der Gehirn-Regenerations-Forscher von der Technischen Universität Dresden arbeitet mit dem Zebrafisch. Dieser ist im Aquarium schön anzuschauen und besitzt zudem eine beeindruckenden Fähigkeit: Er kann den Verlust von Nervenzellen im Gehirn durch die Bildung neuer Nervenzellen ausgleichen. Nun möchte das Team um Michael Brand diese Fähigkeit verstehen und auf den Menschen übertragen.

Das sind unsere Fragen an Prof. Brand: Warum der Zebrafisch? Sind Sie begeisterter Angler? Was macht Ihr Projekt so aussichtsreich?

Zebrafisch
Foto Zebrafisch: CRTD

Regenerative Plastizität von neuronalen Stammzellen

 

1. Essen Sie gerne Fisch oder sind Sie begeisterter Angler? Was hat ihr Interesse für den Zebrafisch als Untersuchungsobjekt geweckt?

Fisch mag ich sehr gern, und angeln war ich vor allem als Jugendlicher auch schon. Aber die Faszination für Zebrafische stammt aus einer anderen Quelle: Zebrafische sind als relativ leicht haltbare Tiere mit schneller Generationszeit ein hervorragendes Modell für biologische Prozesse in Wirbeltieren allgemein, inkl. des Menschen.

Von 1992 bis 1996 konnte ich in Tübingen im Labor von Frau Prof. Nüsslein-Volhard (Nobelpreis für Medizin 1996) mitarbeiten an der Etablierung des Zebrafischs als Modellorganismus zur systematischen genetischen Analyse von (entwicklungs-)biologischen Prozessen. Schon damals haben mich vor allem die transparenten Gehirne der kleinen Fischembryonen begeistert. In meinem eigenen Labor habe ich mich dann ganz auf die Entwicklung und Regenerationsfähigkeit auch der adulten Gehirne der Zebrafische konzentriert.

2. Warum ist Ihr Projekt aussichtsreich?

Genetische bzw. biochemische Mechanismen, genauso wie viele Aspekte des Körperbaus, sind generell zwischen verschiedenen Wirbeltieren konserviert – bis hin zu den Genen, die wir immer noch zu ca. 80 Prozent mit Zebrafischen teilen. Aber es gibt kleine, wichtige Unterschiede vor allem in der Regulation der Gene -‚genetische Schalter’-, in denen sich einzelne Wirbeltiere unterscheiden. Diese ‚genetischen Schalter’ gilt es zu entdecken – welcher Schalter ist im Zebrafisch Gehirn anders gestellt, so dass er regenerieren kann? Könnte man diesen Schalter im menschlichen Gehirn wieder aktivieren? Wir haben nach solchen möglichen Schaltern im Zebrafisch Gehirn systematisch mit molekularbiologischen und neurobiologischen Methoden gesucht. Wir konnten die ersten ,Schalter’-Mechanismen identifizieren, die für den Fisch für diese Eigenschaft notwendig sind, und arbeiten an weiteren. Und wir arbeiten hart daran zu verstehen, ob und wie diese Mechanismen auch in Säugerzellen funktionieren könnten.

3. Wie könnte man dem menschlichen Gehirn beibringen, sich selbst zu heilen?

Wenn wir die biochemischen Mechanismen – die ‚Schalter’ – verstehen, können wir versuchen, sie durch Medikamente, Injektion von regulierenden Proteinen, oder andere Maßnahmen, von der Verhaltenstherapie bis hin zur Gentherapie, zu beeinflussen. Auch eine genauere, und möglicherweise frühere, Diagnose wäre dann eventuell möglich. Mit Hilfe von Zebrafischen kann man zudem sehr erfolgreich nach Medikamenten im Hochdurchsatzverfahren suchen, die dann ggf. auch im Menschen eingesetzt werden könnten.

4. Haben Sie einen persönlichen Bezug zur Alzheimer-Krankheit?

Ja. Allerdings erst seit Anfang diesen Jahres (2013), als meine 89-jährige Mutter mit Alzheimer diagnostiziert wurde. Ich konnte mit Hilfe eines Magnetresonanzscanners in ihr Gehirn hineinblicken – ein beklemmendes Gefühl, bei dem mir noch einmal sehr direkt sehr deutlich wurde, dass wir immer noch viel zu wenig tun, um neurodegenerative Erkrankungen besser in den Griff zu bekommen.

5. Welchen Stellenwert hat private Forschungsförderung für Ihre Arbeit und was konnten Sie dadurch erreichen?

Für meine Arbeit hat, trotz guter Erfolge, bisher die private Forschungsförderung erst noch eine geringe Rolle gespielt: aber ich freue mich, dass sich das nun zu ändern beginnt. Mit den mir bisher zur Verfügung stehenden öffentlichen Mitteln der Forschungsförderung konnten wir zwar die bisherigen, wichtigen Erfolge erzielen - aber es ist alles viel langsamer... – und wir befinden uns in unserer alternden Gesellschaft in einem Wettlauf mit der Zeit, um diese Erkrankungen besser bekämpfen zu können. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, ob ich statt eines Forschungsinstituts (wie das CRTD) nicht besser eine Bank gegründet hätte... bei denen ist wenigstens eine „Systemrelevanz“ anerkannt – und finanziert!

6. Formulieren Sie bitte einen Dank an unsere Spender.

Liebe Spender, ihr Engagement hilft uns sehr bei unserer Arbeit, und ich möchte Ihnen dafür sehr danken – auch gern persönlich, wenn Sie uns mal in Dresden im CRTD besuchen wollen! Forschung ist leider nicht billig, aber dafür preiswert – und vor allem unsere einzige langfristige Chance, die Geißel der neurodegenerativen Erkrankungen wie die Alzheimer-Erkrankung in den Griff zu bekommen. Gleichzeitig gibt es wenige Länder auf der Welt, wo diese Hochtechnologieforschung gemacht werden kann – und Deutschland gehört mit dazu. Mit den wichtigen Erfolgen in der Grundlagen- und Translationsforschung auf diesem Gebiet bauen wir gleichzeitig mit auch an den wirtschaftlichen Perspektiven unseres Landes, denn wir werden künftig die verstärkte Zusammenarbeit auch mit der Industrie brauchen, um die Forschungsergebnisse den Patienten – weltweit – zugänglich machen zu können.

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