Trotz Alzheimer den Alltag meistern (Teil 2)

  |   Alzheimer

Hugo Dittmar (78) aus Bayreuth pflegt seit fünf Jahren hingebungsvoll seine an Alzheimer erkrankte Frau Heidi (74). Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) sprach mit ihm über den Kampf um Normalität im Alltag und die großen Herausforderungen der häuslichen Pflege.

 

Lesen Sie hier den zweiten Teil unseres Gesprächs mit Hugo Dittmar.

Foto des Ehepaars Dittmar


AFI: Was ist wichtig, um den Alltag mit einem kranken Angehörigen zu bewältigen?

Hugo Dittmar: Für den Alltag zählt Geduld. Immer liebevoll auf sie eingehen und sie bei allem, was sie selbst noch kann, bestätigen. Das ist 24 Stunden am Tag nicht immer einfach. Neben der Pflege bin ich ja auch für den Haushalt, Kochen und überhaupt für alles verantwortlich, was so organisiert werden muss.

AFI: Welche Hilfe nehmen Sie in Anspruch?

Dittmar: Meine Frau geht jetzt drei Tage die Woche in eine Tagespflege, die von der örtlichen Kirchengemeinde organisiert wird. Dort sind professionelle Kräfte, die sich wirklich rührend um Heidi kümmern. Sie ist von 8-16 Uhr dort und ich kann in der Zeit Dinge erledigen, eigene Arztbesuche wahrnehmen und auch ab und zu mal meine alten Kollegen treffen. Meine Frau ist in Pflegestufe 2 und die Krankenkasse übernimmt diese Tagespflege. Ich kann nur jedem anderen Angehörigen empfehlen, sich solche Hilfe zu holen.

AFI: Haben Sie weitere Ratschläge für Angehörige, die diesen im Alltag helfen können?

Dittmar: Wichtig ist vor allem, Stress zu vermeiden. Es darf nichts unter Zeitdruck passieren und bestimmte Aktivitäten dürfen nicht zu lange dauern, sonst sind sie zu anstrengend. Wenn wir Freunde treffen, dann sollte das nicht länger als eine halbe Stunde sein. Und grundsätzlich finde ich es extrem wichtig, im Leben zu bleiben, also eben auch Kontakte zu pflegen und sich nicht abzukapseln. Ein offener Umgang mit der Krankheit und der Austausch mit anderen Betroffenen gehören unbedingt dazu. Meine Frau und ich gehen deshalb immer gern auf die Veranstaltungen der AFI – sie geben uns Kraft für unseren Alltag.

AFI: Wie sind Sie auf uns gekommen?

Dittmar: Zuerst durch die hilfreichen Ratgeber. Außerdem ist mir die Alzheimer-Forschung ein Herzensanliegen. Denn mehrere Angehörige unserer Familie sind von dieser grausamen Krankheit betroffen. Im März ist gerade Heidis Schwester an den Folgen von Alzheimer verstorben. Was die AFI hier an Forschungsförderung leistet, ist unendlich wertvoll und ich hoffe auf viele weitere Menschen, die durch ihre Spenden Alzheimer-Forschung ermöglichen.

AFI: Gibt es noch etwas, das Sie anderen pflegenden Angehörigen mit auf den Weg geben möchten?

Dittmar: Ich habe noch einen konkreten Tipp: Unterwegs ist es immer wieder eine Herausforderung, die Toilettengänge zu organisieren. Heidi braucht dabei Begleitung und die normalen Toiletten sind fast immer sehr eng. Am besten ist es also, eine Behindertentoilette zu nutzen und dafür gibt es einen bundesweit einheitlichen sogenannten Euroschlüssel. Den habe ich mir gegen Vorlage des Behindertenausweises meiner Frau und einer Gebühr von 18 Euro beim Verband der Körperbehinderten besorgt. Er passt für fast alle öffentlichen Behindertentoiletten und ist eine riesige Hilfe unterwegs.

AFI: Vor drei Monaten haben Sie ein Abenteuer gewagt – eine Reise nach Malta.

Dittmar: Wir sind bei Schnee aus München abgeflogen und hatten zehn sehr schöne warme Tage auf Malta. Es hat wirklich alles gut geklappt. Meine Frau hat sich wohl gefühlt – Tapetenwechsel tun Heidi immer gut. Außerdem stand Malta noch auf unserer Liste der Hauptstädte Europas, die wir noch nicht gesehen hatten. Vor etwa 15 Jahren hatten wir uns über- legt, dass es schön wäre, alle Hauptstädte Europas einmal besucht zu haben – und wir haben es trotz Alzheimer fast geschafft.

AFI: Wie lange kennen Sie sich?

Dittmar: Wir sind seit 47 Jahren verheiratet und ich fühle mich bis heute sehr an meine Frau gebunden. Ich bin der wichtigste Mensch für sie und mir ist wichtig, dass sie weiß: Auf mich kann sie sich verlassen. Ich bin an ihrer Seite, wie ich es ihr damals versprochen habe – in guten wie in schlechten Tagen.

AFI: Wir danken Ihnen für das offene Gespräch und wünschen Ihnen und Ihrer Frau Heidi alles Gute.


Jeder, der sich wie Hugo Dittmar aufopfernd kümmert, verdient Respekt und Bewunderung. Zeigen jetzt auch Sie, dass Ihnen das Schicksal von Menschen wie Hugo und Heidi Dittmar am Herzen liegt –

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