Trotz Alzheimer den Alltag meistern

  |   Alzheimer

Hugo Dittmar (78) aus Bayreuth pflegt seit fünf Jahren hingebungsvoll seine an Alzheimer erkrankte Frau Heidi (74). Die Alzheimer Forschung Initiative (AFI) sprach mit ihm über den Kampf um Normalität im Alltag und die großen Herausforderungen der häuslichen Pflege. Wir haben mit ihm gesprochen.

 

Lesen Sie hier den ersten Teil des Interviews.

Urlaubsfoto des Ehepaars Dittmar
Trotz Alzheimer auf Reisen – Ehepaar Dittmar in Cornwall/ Großbritannien im Juni 2011.

AFI: Wie geht es Ihrer Frau momentan?

Hugo Dittmar: So weit ganz gut. Sie ist gut zu Fuß, ihre Sprachfähigkeit ist jedoch extrem ein- geschränkt – sie kann also an Gesprächen nicht aktiv teilnehmen. Im Alltag muss ich sie Schritt für Schritt begleiten und bei einfachen Handlungen unterstützen, so wie beim Zähne putzen oder Schuhe anziehen.

AFI: Wann haben Sie erste Anzeichen der Krankheit bemerkt?

Dittmar: Bereits vor etwa sechs bis sieben Jahren ist mir aufgefallen, dass meine Frau Gedächtnislücken hat. Ich habe dem damals keine Bedeutung beigemessen und gedacht, das sei einfach so eine Folge des Älterwerdens. Ich wusste auch nicht viel über Alzheimer. Intensive Aufklärung ist daher so enorm wichtig!

AFI: Wie wurde Alzheimer bei Ihrer Frau festgestellt?

Dittmar: Das war dann 2008 nach einer Knieoperation. Die war sehr gut verlaufen, aber in der Reha war Heidi so angestrengt und unruhig, dass die Ärzte empfohlen hatten, einen Neurologen aufzusuchen. Das haben wir getan und kurz darauf wurde die Diagnose Alzheimer gestellt

AFI: Wie haben Sie gelernt, mit der neuen Lebenssituation umzugehen?

Dittmar: Nach der Diagnose wollte ich sofort gut informiert sein und bin dann über die Bestellung von Ratgebern zur AFI gekommen. Für den Anfang haben diese Broschüren sehr geholfen. Danach ist alles Erfahrungssache – ich lerne jeden Tag Neues hinzu. Manchmal sind das auch schmerzhafte Prozesse.

Die schlimmste Situation haben wir am 15. Januar 2012 erlebt. An dem besagten Tag kamen wir abends mit dem Auto von einem Ausflug nach Hause. Die Garage ist ein kleines Stück vom Haus weg und ich habe davor gehalten, Heidi aussteigen lassen und wollte nur eben einparken und dann gemeinsam mit ihr zum Haus gehen. Als ich 30 Sekunden später aus dem Auto stieg, war sie weg. Und mir stand das Herz still vor Schreck. Nachdem auch das Klingeln bei allen Nachbarn und das Absuchen der Umgebung nichts gebracht hatte, musste ich die Polizei informieren. Ein Suchtrupp hat meine Frau dann gegen 22 Uhr in der Stadt gefunden. Die Arme war fast drei Stunden in der Dunkelheit durch die Kälte geirrt. Sie selbst hat gar nicht verstanden, was da vor sich gegangen war. Für mich waren es die schlimmsten Stunden meines Lebens!


Eine schreckliche Vorstellung, dass einem die eigenen Lieben verloren gehen. Für die Angehörigen von mehr als 1 Million Alzheimerkranker werden diese Momente jedoch allzu oft traurige Realität. Deshalb muss dringend weiter gegen Alzheimer geforscht werden!

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