Vier Fragen an… Dr. Julia Banzhaf-Strathmann

  |   Forschung

Dr. Julia Banzhaf-Strathmann vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in München ist einer ganzen Kette von Ereignissen auf der Spur, welche die Entstehung der Alzheimer-Krankheit begünstigen könnten. Im Zentrum ihres Forschungsprojekts stehen so genannte epigenetische Veränderungen. Diese Veränderungen werden innerhalb des Lebens erworben und können zur Entwicklung verschiedener Krankheiten beitragen.

 

Die Forscherin wird bis 2015 mit 40.000 Euro von der AFI gefördert.

Dr. Michael Lorrain und Dr. Julia Banzhaf-Strathmann bei der Urkundenübergabe
Dr. Michael Lorrain, Dr. Julia Banzhaf-Strathmann (Foto: Wolf R. Ussler)

Epigenetische Einflüsse bei der Alzheimer-Krankheit

Warum haben Sie sich für die Alzheimer-Forschung entschieden? Und was hat es eigentlich mit der Epigenetik auf sich?
Die Untersuchung von Krankheitsursachen stand schon immer im Mittelpunkt meines wissenschaftlichen Interesses. So kann ich mit meiner Arbeit dazu beitragen, dass in Zukunft vielleicht neue Heilungsmethoden entwickelt werden. Daher fiel mir die Entscheidung am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen als Postdoc an der Entstehung von Alzheimer, eine der Volkskrankheiten schlechthin, zu forschen, sehr leicht. Umwelteinflüsse, die dazu beitragen, dass bestimmte Krankheiten, wie z.B. Alzheimer, entstehen, sind bisher noch nicht besonders gut untersucht.

Epigenetische Modifikationen werden direkt durch solche Umwelteinflüsse verändert und sind daher ideale Marker, um die Umwelt-Gen-Interaktion besser zu verstehen. Es fasziniert mich, wie bereits kleine epigenetische Veränderungen einen großen Einfluss auf den Organismus haben und wie diese potenziell therapeutisch genutzt werden können.

Warum ist gerade Ihr Projekt aussichtsreich?
Bereits während meiner Doktorarbeit habe ich an epigenetischen Veränderung während der Krebsentstehung gearbeitet und so fundierte Kenntnisse auf dem Gebiet der epigenetischen Forschung erlangt. Dies, in Kombination mit den exzellenten Forschungsbedingungen am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, ermöglichen mir eine ideale Ausgangssituation, um zielorientiert an meinem Projekt arbeiten zu können.

Warum sind epigenetische Veränderungen umkehrbar? Welche Wirkstoffe bzw. Verfahren gibt es auf diesem Gebiet?

Epigenetische Veränderungen beschreiben chemische Modifikationen der Erbinformation (DNA) oder der Proteine, um die die DNA gewickelt ist. Diese beeinflussen, wie gut die Gene auf der DNA abgelesen werden können. Ein weiterer epigenetischer Regulationsmechanismus sind mikroRNAs, die abhängig von ihrer Menge in der Zelle mehr oder weniger stark Gene regulieren. Die chemischen Modifikationen werden durch bestimmte Enzyme an die DNA bzw. Proteine geheftet bzw. auch wieder entfernt. Diese Enzyme können gezielt therapeutisch gehemmt werden. Auch die Menge der mikroRNAs kann therapeutisch reguliert werden. Somit kann man durch gezielte Gabe von Medikamenten die epigenetischen Veränderungen rückgängig machen und somit den Normalzustand wieder herstellen.

Insbesondere in der Krebsforschung sind bereits mehrere epigenetische Medikamente zur Therapie zugelassen. Diese hemmen sowohl die DNA-Methylierung (DNMT-Inhibitoren) als auch die Entfernung von Modifikationen der Proteine, um die die DNA gewickelt ist (HDAC-Inhibitoren). Beide Medikamentklassen führen dazu, dass Gene, die krankheitsbedingt nicht mehr von der DNA abgelesen werden können, wieder aktiviert werden.

Welchen Stellenwert hat private Forschungsförderung für Ihre Arbeit und was können sie dadurch erreichen?

Die private Forschungsförderung der AFI ermöglicht mir ein unabhängiges, von mir geplantes und durchgeführtes Forschungsprojekt zeitnah zu verwirklichen. Dies ist für junge Nachwuchswissenschaftler von großer Bedeutung. Private Forschungsförderung hat daher einen großen Stellenwert für meine Arbeit, zumal sie auch im Gegensatz zur öffentlichen Forschungsförderung unabhängig von politischen Entscheidungen die Wissenschaft finanziell unterstützt. Ich bin der AFI und ihren Spendern deshalb sehr dankbar, dass sie mich und meine Forschungsarbeit unterstützen. Mit dieser Unterstützung ermöglicht mir die AFI Fragestellungen in meinem Forschungsbereich gezielt zu untersuchen und bietet mir somit eine optimale Ausgangslage für zukünftige Forschungsideen und Projektanträge.

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