Alzheimer-Forschung in Zeiten von COVID-19: „Es ist ein Balanceakt“

Laboransicht ohne Forscher
  |   Neuigkeiten

Weltweit sind die Auswirkungen der Lungenerkrankung COVID-19 spürbar. Auch Alzheimer-Forscher sind bei ihrer Arbeit mit bisher unbekannten Herausforderungen konfrontiert. Viele Labore sind geschlossen. „Die derzeitige Situation beeinträchtigt unsere Forschung ganz erheblich“, sagt Prof. Thomas Willnow vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin. „Neben der Sorge um unser aller Gesundheit, welche uns mental belastet, ist auf Grund der derzeitigen Maßnahmen eine aktive Forschungsarbeit nicht möglich.“ Prof. Willnow ist einer von 32 Wissenschaftlern, die derzeit von uns gefördert werden. Vielen seiner Kollegen ergeht es momentan ähnlich.

Wer nicht im Labor arbeiten kann, forscht, wenn möglich vom heimischen Schreibtisch aus. „Ich bin aktuell komplett im Home Office. Wir haben im Januar und Februar Daten gesammelt und jetzt greife ich durch einen gesicherten Zugang auch aus 100 km Entfernung darauf zu. Die Datenanalysen kommen daher weiterhin vorwärts“, berichtet Dr. Matthias Brendel vom Klinikum der Universität München. „Meine ganze Gruppe arbeitet zurzeit von zu Hause“, sagt auch Prof. Gunnar Schröder vom Forschungszentrum Jülich. „Die Kommunikation in der Gruppe ist mit Videokonferenzen zwar möglich, aber doch schwerfälliger und weniger effektiv als der persönliche Kontakt. Der schnelle Austausch von Ideen ist da schon etwas gebremst.“

Helfen, wo es geht

Auch Unterstützung in Sachen COVID-19 wurde bereits angefragt. Bei Bioinformatiker Prof. Martin Hofmann-Apitius vom Fraunhofer Institut in Sankt Augustin arbeitet gerade das halbe Team an COVID-19. „Wir wurden angefragt, ob wir mit unseren Technologien helfen können. Wir setzen eine „knowledge base“ (Wissensdatenbank) zu COVID-19 auf und integrieren die Arbeiten (u.a. COVID-19 Modelle) der Kollegen auf der ganzen Welt.“ Ein Hauptziel sei die Identifizierung von Molekülen, die bereits gegen andere Erkrankungen eingesetzt werden und auch bei der Therapie von COVID-19 wirksam sein könnten. „Wir helfen bei der Abklärung des Wissensstandes im Bereich der Pharmakologie dieser Substanzen“, sagt Prof. Hofmann-Apitius.

Prof. Susanne Funke von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg hilft dem dortigen Krankenhaus aus. „Wir haben einen Teil der Laborgeräte an unser örtliches Klinikum verliehen, damit dort mehr Corona-Tests durchgeführt werden können. Unsere Mitarbeiter könnten dort in die Bresche springen, falls nötig“, sagt die Forscherin. Von einer Anfrage berichtet auch Prof. Gerd Kempermann vom DZNE in Dresden. „Wir könnten unsere PCR-Maschinen zur DNA-Vervielfältigung zur Verfügung stellen, wenn sie abgerufen werden“, so der Forscher.

Erforschung von Alzheimer nicht vernachlässigen

Trotz der Hilfsbereitschaft hinsichtlich COVID-19 sind sich die Forscher einig, dass die Erforschung der Alzheimer-Erkrankung nicht ihre Dringlichkeit verliert. „Grundsätzlich bin ich, trotz aller Gefahr durch die aktuelle Pandemie, allerdings auch der Meinung, dass andere Erkrankungen und deren Erforschung deshalb jetzt nicht vernachlässigt werden dürfen. Es ist ein Balanceakt und dürfte es wohl auch noch für eine ganze Weile bleiben“, fasst Dr. Hermann Altmeppen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zusammen.

Weitere Informationen

Unsere Alzheimer-Forschungsprojekte
Folgen von COVID19 für Senioren: Langeweile muss nicht sein
Forschung fördern – Alzheimer besiegen


Lesen Sie das bewegende Interview!

Zehn Jahre hat Christa Schneider ihre an Alzheimer erkrankte Mutter Trudi begleitet. In einem bewegenden Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen mit der Krankheit. Ihr Fazit: vorbeugen so gut es geht und spenden für die Alzheimer-Forschung.

Interview lesen!

Möchten Sie unseren Newsletter abonnieren?

Haben Sie Fragen?

Vertrauen & Transparenz

Immer gut informiert

Mit unserem E-Newsletter halten wir Sie auf dem Laufenden und informieren Sie regelmäßig über Wichtiges und Wissenswertes rund um die Alzheimer-Krankheit. 

Jetzt Newsletter abonnieren!