11.11.2009

Projekte 2009 - Die Praxis im Mittelpunkt: Diagnostik und Behandlung

Eine genaue und vor allem frühe Diagnose der Alzheimer-Krankheit spielt neben der Ursachenforschung eine wichtige Rolle. Im Moment kann die Alzheimer-Krankheit erst im fortgeschrittenen Stadium sicher festgestellt werden.

Laut Professor Förstl vom Klinikum rechts der Isar, München, ist es ein wichtiges Ziel für die kommenden Jahrzehnte, den Zeitpunkt der Diagnosestellung immer weiter nach vorne zu verschieben. So lässt sich in Zukunft der Krankheit bereits frühzeitig entgegenwirken - noch bevor sich die Symptome tatsächlich äußern. Die frühe Diagnose ist für Betroffene wichtig, nicht zuletzt, um eine Behandlung einzuleiten, sondern auch um die Krankheit verstehen zu lernen und die weiteren Schritte langfristig zu planen.

Die AFI fördert Ansätze zur  Diagnostik und Therapie der Alzheimer-Krankheit. Zwei der diesjährigen Preisträger beschäftigen sich in Ihrer Arbeit mit der Diagnosestellung, ein weiteres Projekt konzentriert sich auf die Behandlung der Alzheimer-Krankheit

Diagnostik mit Biomarkern

Zuverlässige Biomarker im Frühstadium der Alzheimer-Demenz sind heute für die Entwicklung von neuen Therapien und Medikamenten essenziell.

Als Biomarker bezeichnet man Substanzen in Körperflüssigkeiten wie die Rückenmarksflüssigkeit (Liquor), Blut oder Urin. Messbare Veränderungen der Biomarker können Indikatoren für Krankheiten sein. Die Liquoranalyse auf Beta-Amyloid und Tau-Protein soll im kommenden Jahr in internationale Leitlinien zur Alzheimer-Diagnostik eingehen. Allerdings erweist sich die Standardisierung der Tests als schwierig. In den letzten Jahren zeigte die Forschung großes Interesse, Biomarker im Urin und Blut zu identifizieren. Mit Hochdruck wird vor allem an verlässlichen und praktikablen Bluttests gearbeitet.

Bildgebende Verfahren

Zu den verschiedenen Methoden der bildhaften Darstellung von Denkprozessen und der Gehirnstruktur zählen die Elektroenzephalografie (EEG), die Magnetenzephalografie (MEG), die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) sowie die funktionelle Magnetresonanztomografie (MRT). Der Blick ins Gehirn zeigt neue Möglichkeiten für die Früherkennung der Alzheimer-Krankheit. Wenn Veränderungen gesichert erkannt werden, eröffnet dieses Wissen frühe Chancen für Patienten.

Neuer Behandlungsansatz: Gentherapie

Ein aktueller und viel versprechender Behandlungsansatz bei Alzheimer ist die Gentherapie. Dabei werden Gene in krankmachende Zellen eingebracht, um den Zellstoffwechsel zu korrigieren. Durch den Einsatz von Genfähren (Vektoren) kann die Gentherapie direkt im Körper erfolgen. Das momentane Ziel der Forschung ist die Entwicklung von viralen Vektoren. Mit ihrer Hilfe sollen  in Zukunft krankmachende Prozesse bei der Alzheimer-Krankheit verhindert werden.

AFI-Forscher, die sich mit neuen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten befassen

Das Projekt von Dr. Edna Grünblatt vom Universitätsklinikum Würzburg ist Teil der VITA-Studie. Die VITA (Vienna-Transdanube-Aging)-Studie ist eine bevölkerungsbezogene Studie über die Häufigkeit und die Risikofaktoren der Alzheimer-Krankheit. Eine große Gruppe von 75-jährigen Wienern wird seit 5 Jahren intensiv untersucht. Anhand der Blutwerte der Probanden sollen Biomarker und Risikofaktoren für die Alzheimer-Krankheit identifiziert werden. Dr. Grünblatts Projekt wird zwei Jahre lang mit insgesamt 80.000 € gefördert.
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Dr. Thomann vom Universitätsklinikum Heidelberg stützt sich in seinem Projekt auf neuropsychologische und bildgebende Testverfahren. Das Projekt wird von 2009 bis 2011 mit 38.550 € gefördert. In frühen Stadien der Alzheimer-Krankheit treten häufig Probleme mit dem autobiografischen Gedächtnis auf. Das bedeutet, dass die Lebensgeschichten der Patienten langsam aus deren Erinnerung schwinden. In der klinischen Studie sollen gesunde Personen mit Personen verglichen werden, die an leichten kognitiven Beeinträchtigungen leiden, sowie mit Personen, die bereits eine milde oder moderate Form der Alzheimer-Krankheit aufweisen.
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Dr. Uwe Ueberham vom Paul-Flechsig Institut für Hirnforschung Leipzig, versucht eine Gentherapie zu entwickeln, die auf eine nachhaltige Behandlung der Alzheimer-Krankheit ausgerichtet ist. Die Leipziger Forscher gehen davon aus, dass bei Alzheimer-Patienten die Zellteilungs- und Vermehrungskontrolle gestört ist. Mit Hilfe von viralen Vektoren soll dieser krankmachende Zellzyklus gehemmt werden. Der Ansatz wurde in Voruntersuchungen bereits erfolgreich an transgenen Mäusen getestet. Jetzt soll die Methode schrittweise für eine Anwendung am Menschen weiterentwickelt werden. Das Projekt wird für zwei Jahre mit 80.000 € gefördert.
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