Demenz behandeln ohne Medikamente

Nicht-medikamentöse Therapien bei Alzheimer & Demenz

Die nicht-medikamentöse Behandlung von Demenzerkrankungen wie Alzheimer umfasst verschiedene Therapien und Maßnahmen, die ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sind.

Sie können dazu beitragen, Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu unterstützen.

Je nach individueller Situation können sie allein oder ergänzend zu einer medikamentösen Behandlung eingesetzt werden.


Wie nicht-medikamentöse Therapien unterstützen können

Kognitives Training

Was wird gemacht:
Gezielte Übungen für einzelne geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder Problemlösen, zum Beispiel Wort- und Zahlenaufgaben, Puzzles oder andere Denkübungen.

Wirkungen:
Kann die kognitiven Fähigkeiten bei leichter bis mittelschwerer Demenz unterstützen.

Emotionsorientierte Behandlung

Was wird gemacht:
Wertschätzender, verständnisvoller, liebevoller Umgang ohne Beurteilung der Verhaltensweisen

Erinnerungstherapie: bewusste Beschäftigung mit persönlichen Erinnerungen in der Gruppe oder im Einzelgespräch

Wirkungen:
Verbesserung der Lebensqualität, Schaffen von Sicherheit und Geborgenheit

Körperliche und soziale Aktivierung

Was wird gemacht:
Bewegungsangebote zuhause oder in der Physiotherapie: Spaziergänge, Gehübungen, Gymnastik, Kräftigungs- und Konditionstraining

Angebote für Aktivitäten (auch in der Gruppe): Gespräche, Kochen, Singen, Musizieren und Tanzen

Wirkungen:
Körperliches Training kann dazu beitragen, die Selbstständigkeit im Alltag und die körperliche Fitness zu unterstützen. Bewegungstherapie kann außerdem bei depressiven Symptomen helfen. Bei Unruhe können individuell passende Aktivitäten sinnvoll sein.


Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber

Leben mit der Diagnose Alzheimer

kostenfrei
72 Seiten, 2025

Bestellen


Nicht-medikamentöse Therapien bei Alzheimer und Demenz im Überblick

Biographiearbeit oder Erinnerungstherapie

Durch die Biographiearbeit werden gezielt Erinnerungen und Erfahrungen geweckt, beispielsweise durch Fotos, Geschichten, Musik oder Gerüche. 

Auch für Angehörige kann es hilfreich sein, die Lebensgeschichte der erkrankten Person gut zu kennen. So lassen sich manche Reaktionen besser verstehen und Situationen im Alltag besser bewältigen. Ziel ist die geistige Anregung und die Verbesserung der Stimmung der oder des Erkrankten. Da Erinnerungen an länger zurückliegende Erlebnisse bei Alzheimer oft länger zugänglich bleiben, kann Biographiearbeit auch im weiteren Krankheitsverlauf eingesetzt werden.

Ergotherapie

Ergotherapie unterstützt Menschen mit Demenz dabei, alltägliche Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten und selbstständig zu bleiben. Dabei werden Tätigkeiten aufgegriffen und geübt, die für die erkrankte Person im Alltag wichtig sind.

Besonders sinnvoll kann Ergotherapie im vertrauten Zuhause sein. Dort können Therapeutinnen und Therapeuten direkt an gewohnten Abläufen ansetzen, die Umgebung einbeziehen und gemeinsam nach Lösungen für konkrete Schwierigkeiten im Alltag suchen. Auch Angehörige können dabei praktische Tipps für den täglichen Umgang bekommen.

Kognitives Training und kognitive Stimulation

Beim kognitiven Training werden einzelne geistige Fähigkeiten gezielt geübt, zum Beispiel Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder Problemlösen. Dafür eignen sich unter anderem Wort-, Zahlen- oder Ratespiele.

Die kognitive Stimulation ist breiter angelegt. Hier stehen abwechslungsreiche und anregende Aktivitäten im Mittelpunkt – zum Beispiel Gespräche über frühere Erlebnisse, persönliche Gegenstände oder gemeinsame Spiele. Wichtig ist, dass die Übungen zu den Fähigkeiten und Interessen der erkrankten Person passen und nicht überfordern. Kognitives Training und kognitive Stimulation können bei Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz die kognitiven Fähigkeiten unterstützen.

Musiktherapie

Musik kann Menschen mit Demenz auf besondere Weise erreichen. In der Musiktherapie wird sie gezielt eingesetzt – aktiv, zum Beispiel beim Singen oder Musizieren, oder rezeptiv durch bewusstes Zuhören. Vertraute und persönlich bedeutsame Musik kann Erinnerungen und Gefühle ansprechen.

Musiktherapie kann die kognitiven Fähigkeiten unterstützen und auch bei depressiven Symptomen oder Unruhe hilfreich sein. Welche Musik als angenehm erlebt wird, hängt dabei stark von den persönlichen Vorlieben und Erfahrungen ab.

Tanztherapie

Tanzen verbindet Bewegung, Musik und Ausdruck. In der Tanztherapie werden diese Elemente gezielt eingesetzt und an die Möglichkeiten der erkrankten Person angepasst. Das gemeinsame Bewegen zur Musik kann Freude machen und neue Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen. Besonders bei depressiver Stimmung kann Tanztherapie eine unterstützende Möglichkeit sein.

Mal- und Kunsttherapie

Malen und Gestalten bieten Menschen mit Demenz eine Möglichkeit, sich auszudrücken – auch wenn Worte zunehmend schwerfallen. In der Kunsttherapie steht nicht das Ergebnis im Mittelpunkt, sondern das kreative Erleben. Farben, Formen und Materialien können Erinnerungen und Gefühle anregen und Begegnung ermöglichen.

Snoezelen

Beim Snoezelen (aus dem Niederländischen, sprich: „snuselen“) werden verschiedene Sinne angesprochen, zum Beispiel durch Licht, vertraute Klänge, Düfte, unterschiedliche Materialien oder Berührungen. Die einzelnen Reize werden möglichst an die Vorlieben und Bedürfnisse der erkrankten Person angepasst. Ziel ist es, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen und Wohlbefinden zu fördern.

Tiergestützte Therapie

Tiere können Menschen mit Demenz auf eine besondere Weise ansprechen. Streicheln, Beobachten oder der gemeinsame Kontakt können Nähe schaffen, Erinnerungen anregen und zu Aktivität einladen. Gerade wenn Gespräche zunehmend schwerfallen, kann die Begegnung mit einem Tier eine andere Form des Kontakts ermöglichen. Bei tiergestützten Angeboten kommen zum Beispiel Hunde oder andere geeignete Tiere gemeinsam mit ihren Begleitpersonen zu den Erkrankten – etwa nach Hause oder in eine Pflegeeinrichtung.

Realitätsorientierung

Bei der Realitätsorientierung bekommen Menschen mit Demenz Hilfen, die ihnen die Orientierung im Alltag erleichtern können.

Gut sichtbare Uhren und Kalender, eine übersichtliche Beschilderung von Räumen oder andere vertraute Orientierungshilfen können dabei unterstützen, sich zeitlich und räumlich besser zurechtzufinden.

Realitätsorientierung kann auch Bestandteil einer kognitiven Stimulation sein. Wichtig ist, die Hilfen an die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der erkrankten Person anzupassen.

Physiotherapie

Physiotherapie unterstützt Menschen mit Demenz dabei, in Bewegung zu bleiben und alltägliche Dinge möglichst lange selbstständig zu bewältigen. Je nach Fähigkeiten und Bedürfnissen können zum Beispiel Kraft, Ausdauer, Gleichgewicht und Beweglichkeit trainiert werden. Wichtig ist, dass die Übungen zur erkrankten Person passen und Freude an Bewegung ermöglichen.

Warum körperliche Aktivität bei Demenz wichtig ist, lesen Sie hier Bewegung und Demenz

Logopädie

Im Verlauf einer Demenz können sich Sprache, Sprechen und Kommunikation verändern. Logopädinnen und Logopäden unterstützen Menschen mit Demenz dabei, vorhandene Fähigkeiten möglichst gut zu nutzen und die Verständigung im Alltag zu erleichtern.

Schluckstörungen (Dysphagien) treten bei Demenz häufiger auf, besonders im fortgeschrittenen Stadium. Bei einem Verdacht sollte das Schlucken fachlich untersucht werden. Je nach Beschwerden können gezielte Übungen für Kopf, Lippen, Zunge, Wangen und das Sprechen eingesetzt werden.

Kognitive Verhaltenstherapie

Eine kognitive Verhaltenstherapie kann Menschen mit leichter Demenz und depressiven Symptomen unterstützen. Gemeinsam mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten werden belastende Gedanken und Verhaltensweisen betrachtet und Strategien entwickelt, die im Alltag helfen können. Die Therapie wird dabei an die Fähigkeiten und Bedürfnisse der erkrankten Person angepasst.

Gartentherapie

Bei der Gartentherapie beschäftigen sich Menschen mit Demenz auf unterschiedliche Weise mit Pflanzen und Natur. Das reicht von klassischen Gartenarbeiten wie Gießen oder Jäten bis hin zu sinnlichen Erfahrungen mit Farben, Düften und unterschiedlichen Materialien. Die Beschäftigung mit Pflanzen kann zu Aktivität und Bewegung anregen, Erinnerungen wecken und das Wohlbefinden fördern.


Wie finde ich passende Therapieangebote?

Nicht alle nicht-medikamentösen Therapien werden automatisch angeboten. Deshalb kann es sinnvoll sein, selbst nachzufragen und sich über Angebote in der eigenen Region zu informieren. Erste Ansprechpartner können die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, eine Gedächtnisambulanz, eine Beratungsstelle oder die Krankenkasse sein.

Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie können bei medizinischer Notwendigkeit ärztlich verordnet werden. Bei anderen Angeboten, zum Beispiel Musik-, Kunst- oder tiergestützter Therapie, unterscheiden sich Verfügbarkeit und Finanzierung. Es lohnt sich deshalb, vorab nach Kosten und möglichen Zuschüssen zu fragen.

Informationen zu finanziellen Hilfen finden Sie auf unserer Seite Pflegegrade und Leistungen

Was im Alltag zusätzlich helfen kann

Auch außerhalb von Therapien gibt es vieles, was Menschen mit Demenz im Alltag guttun kann. Wichtig ist, dass die Aktivitäten zu den Interessen, Fähigkeiten und Gewohnheiten der erkrankten Person passen und Freude machen, statt zu überfordern.

  • In Bewegung bleiben: Spaziergänge, Tanzen, Gymnastik oder Gartenarbeit bringen Bewegung in den Alltag. Körperliche Aktivität kann die Fitness fördern und dabei helfen, alltägliche Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten. Die S3-Leitlinie empfiehlt körperliches Training auch zur Unterstützung der kognitiven Leistungsfähigkeit.
  • Den Kopf anregen: Brettspiele, Puzzles, Handarbeiten, Musik oder Gespräche über vertraute Themen können geistig anregen. Entscheidend ist nicht die Leistung, sondern dass die Beschäftigung zur Person passt und Spaß macht.
  • Gemeinsam aktiv sein: Treffen mit Familie, Freunden oder Nachbarn, gemeinsame Mahlzeiten oder der Besuch einer Tagespflege fördern soziale Kontakte und bringen Abwechslung. Auch Bewegung in der Gruppe kann zusätzlich motivieren. Die S3-Leitlinie weist darauf hin, dass Bewegung und soziale Kontakte über die Behandlung depressiver Symptome hinaus einen Nutzen haben können.

Was gut funktioniert, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Vertraute Tätigkeiten und gemeinsame Erlebnisse sind oft wertvoller als ein möglichst umfangreiches „Trainingsprogramm“.

Weitere praktische Anregungen finden Angehörige auf unserer Seite Umgang mit Demenz im Alltag.


Weitere Informationen zum Thema

Pflegegrade und Leistungen

So beantragen Sie einen Pflegegrad

Mehr

Verlauf einer (Alzheimer)-Demenz

Was ist typisch für die vier Stadien?

Mehr

Betreuungsangebote bei Demenz

Können schon früh sinnvoll sein

Mehr


Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Haben Sie Fragen?

Vertrauen & Transparenz