Gedächtnistrainerin Dr. Andrea Friese: Vermittlung von Wohlbefinden und Lebensqualität

Dr. Andrea Friese im Portrait
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Der fortschreitende Gedächtnisverlust bei Alzheimer-Patienten kann durch regelmäßiges Gedächtnistraining verlangsamt werden. Was man dabei beachten sollte, haben wir Gedächtnistrainerin Dr. Andrea Friese vom Bundesverband für Gedächtnistrainings gefragt.

Dr. Andrea Friese ist examinierte Lehrerin, freiberufliche Gedächtnistrainerin und Pädagogische Leiterin des Bundesverbandes Gedächtnistraining e. V. Sie ist Autorin von zahlreichen Büchern und Materialien zur Aktivierung von Alzheimer-Patienten.

Frau Dr. Friese, mit welchem Ziel setzen Sie Gedächtnistraining bei Menschen mit Alzheimer ein?

Studien haben gezeigt, dass das Fortschreiten einer Demenz durch Gedächtnistraining deutlich verzögert werden kann. Besonders wichtig dabei ist die Vermittlung von Freude am Leben, von Wohlbefinden und Lebensqualität. Auch wenn wir immer weniger Zugang zur Gedankenwelt von Alzheimer-Patienten haben, so ist doch ihre Gefühlswelt intakt. Wir empfehlen einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem der ganze Mensch mit Körper, Geist und Seele einbezogen wird und nicht nur einzelne Funktionen des Gehirns. Trainingseinheiten können zum Beispiel das Langzeitgedächtnis aktivieren, Sozialkompetenzen erhalten sowie Sinneswahrnehmungen, die Freude am Miteinander und das Selbstwertgefühl stärken.  

Wie kann man das Gedächtnis von Alzheimer-Patienten trainieren?  

Wichtig ist zunächst, dass sich die Übungen gezielt und individuell an den Bedürfnissen und am Alltag der Betroffenen orientieren. Die Aufgaben sollten den Patienten weder überfordern noch unterfordern.
Für Menschen mit leichten bis mittelschweren kognitiven Störungen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Die Wortfindung kann man zum Beispiel mit ABC-Wortsammlungen oder dem Ergänzen von Redensarten trainieren. Als Konzentrationsübungen eignen sich Memory-Spiele oder Puzzles, die Wahrnehmung lässt sich schulen durch Bingo spielen, Bilder erkennen oder Lieder raten. Das Langzeitgedächtnis kann zum Beispiel gefördert werden durch Fragen mit Vergangenheitsbezug oder Rechenaufgaben, wie das kleine Einmaleins oder Summen zusammenzählen. Bilder und Gegenstände haben dabei eine wichtige Funktion: sie regen zum Erinnern und Erzählen an, wecken Assoziationen, auch wenn die richtigen Worte vielleicht gerade fehlen.

Und was kann man machen, wenn die Demenz schon weiter fortgeschritten ist?

Mit zunehmender Demenz geht die Fähigkeit zum abstrakten Denken immer mehr verloren. Deshalb sollte das Übungsmaterial immer konkreter werden. Mit Knöpfen können beispielsweise Muster oder mit Scrabblesteinen Wörter gelegt werden. Das Anschauen von Bildern oder Warenhauskatalogen, das Vorlesen von Gedichten oder das Ergänzen von Reimen hat ebenfalls aktivierende Wirkung. Für das biografische Arbeiten eignen sich Erinnerungsstücke aus alter Zeit, Haushaltsgegenstände, alte Fotos, Kleidungsstücke, Naturmaterialien wie Kork, Stroh, Rinde, Kräuter und Gewürze.

Je ausgeprägter die Demenz ist, desto wichtiger werden Aktivierungsansätze, die die Gefühle oder das Langzeitgedächtnis der Patienten ansprechen, wie die Musik- oder die Erinnerungstherapie. Mit Musik können auch Menschen im fortgeschrittenen Stadium erreicht werden. Wichtig ist, dass Musik eingesetzt wird, die jeweils biographisch von Bedeutung ist. Dadurch werden Erinnerungen „an früher“ geweckt, Gefühle finden Ausdruck und Kreativität wird ermöglicht.

Sollten gezielt die kognitiven Bereiche trainiert werden, die durch die Erkrankung bereits beeinträchtigt sind?  

Jeder Mensch braucht täglich Impulse und Herausforderungen. Es geht aber nicht darum, an den Defiziten anzusetzen, sondern noch vorhandene Kompetenzen zu stärken. Wenn nur das trainiert wird, was aufgrund der Demenz schon beeinträchtigt ist, droht rasch Überforderung. Schon wenige Minuten reichen aus, um das Gehirn aus dem Ruhemodus in Aktion zu bringen.

Macht es einen Unterschied, ob man allein oder in der Gruppe trainiert?

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass gesellige Kontakte mit besseren geistigen Leistungen im Alter einhergehen. Durch ein Training in der Gruppe ergeben sich Gespräche und Diskussionen. Das soziale Miteinander wird so gestärkt. Das macht nicht nur Spaß, sondern fördert auch die geistige Fitness.

Wie wichtig ist Bewegung bei der Behandlung von Alzheimer-Patienten?

Bis ins hohe Alter bleibt das Bedürfnis sich zu bewegen ein Lebenselixier. Allerdings werden die körperlichen Beschwerden häufiger, so dass ältere Menschen regelmäßige Bewegung häufig vernachlässigen. Da sich aber schon durch einfache Koordinationsbewegungen der Hände und Füße die Hirndurchblutung steigert, ist der Einsatz von leichten Bewegungselementen ein Muss bei jedem Gedächtnistraining.

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