Behandlung der Alzheimer-Krankheit

Bisher gibt es keine Behandlung, mit der die Alzheimer-Krankheit geheilt werden kann. Allerdings betreiben zahlreiche Forschungsprogramme viel versprechende Studien, in deren Mittelpunkt die Bekämpfung der Krankheit oder deren Prävention steht. Menschen, die heute an Alzheimer leiden, stehen Medikamente zur Verfügung, die helfen, die Symptome der Erkrankung zu kontrollieren. Zusätzlich gibt es medikamentöse Behandlungen, die Erregungszustände, Depressionen oder psychotische Symptome (Halluzinationen oder Verwirrung), welche im Laufe der Erkrankung auftreten können, mildern helfen.

Nichtmedikamentöse Therapien sind häufig ebenfalls darauf ausgerichtet, Begleitsymptome der Alzheimer-Krankheit abzumildern oder die Denk- und Merkfähigkeit zu verbessern. Andere nichtmedikamentöse Ansätze wurden entwickelt, um die Alltagskompetenzen der Patienten zu stärken und Angehörige zu unterstützen.

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Kategorien

Medikamente zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit
Nichtmedikamentöse Therapiemöglichkeiten

Schlagworte

Acetylcholinesterase-Hemmer | Aktivierung | a-Liponsäure | Angehörigentraining | Antidepressiva | Antioxidantien | Emotionsorientierte TherapienGingko | Impfung | Kognitive Therapie | Neue Medikamente | Neuroleptika | Nootropica | NMDA-Rezeptorantagonist |  NSAID | Verhaltenstherapie

Medikamente zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit

Generell ist zu bemerken, dass es noch keine Medikamente zur Heilung der Alzheimer-Krankheit gibt. Die Pharmakotherapie der Alzheimer-Krankheit bietet neben speziellen Medikamenten, die den Verlauf der Krankheit verzögern, weitere Substanzen, die für folgende Bereiche eingesetzt werden:

  • Behandlung von Begleitkrankheiten und Verhaltensstabilisierung
  • Hirnleistungsfördernde Maßnahmen
  • Prophylaktische und neuroprotektive (Nerven schützende) Maßnahmen

Alle Behandlungen sollten mit dem behandelnden Arzt gründlich besprochen werden.

1. Spezielle Medikamente zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit

Die heute verfügbaren Medikamente können die Krankheit nicht heilen, aber ihren Verlauf verzögern, bzw. eine gewisse Zeit stabilisieren. Eine Heimeinweisung kann bis zu zwei Jahre hinausgezögert werden. Daher ist es wichtig, frühzeitig zum Arzt gehen, damit der Krankheitsverlauf in einem frühen Stadium aufgehalten werden kann. Alle Medikamente sind verschreibungspflichtig. Die Behandlung mit Alzheimer-Medikamenten sollte unbedingt unter genauer Kontrolle des behandelnden Arztes durchgeführt werden, da eine Reihe von Nebenwirkungen auftreten können.

Spezielle Medikamente zur Behandlung der leichten bis mittelschweren Demenz bei der Alzheimer-Krankheit, die zur Gruppe der Acetylcholinesterase-Hemmer gehören, sind seit 1995 in Deutschland erhältlich. Zu den Acetylcholinesterase-Hemmern zählen Donepezil HCI (Handelsname Aricept® von Eisai/Pfizer) und Rivastigminhydrogentartrat (zugelassen als Exelon® von Novartis Pharma). Ende 2007 wurde ein Rivastigmin-Pflaster zugelassen. Das Pflaster wird einmal täglich aufgeklebt und gibt den Wirkstoff über 24 Stunden ab. Seit Januar 2012 ist  in Deutschland das erste Generikum zu Aricept unter dem Handelsnamen Donepezilhydrochlorid Pfizer® erhältlich.

Seit März 2001 ist Galantamin (Handelsname Reminyl® bei Jansen-Cilag) erhältlich. Es basiert auf einem Wirkstoff aus Schneeglöckchen und wird heute synthetisch hergestellt. Seit Oktober 2011 ist das erste Generikum zu Galantamin mit dem Handelsnamen Galnora® von TAD erhältlich.

Der NMDA-Rezeptorantagonist Memantine (unter dem Handelsnamen Axura® von Merz oder Ebixa® von Lundbeck) ist für die Behandlung von mittelschweren und schweren Formen der Alzheimer-Krankheit zugelassen. Memantine ist seit 1982 auf dem Markt und wurde früher zur Behandlung von leichten und mittelschweren Hirnleistungsstörungen eingesetzt. 2006 wurde die Zulassung auf die moderate Form der Alzheimer-Krankheit erweitert.

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2. Behandlung von Begleiterkrankungen und Verhaltensstabilisierung

Antidepressiva sind Medikamente zur Behandlung depressiver Verstimmungen. Sie eigenen sich bei Demenz-Patienten nicht nur zur Behandlung der Depression, sondern auch zur Behandlung von Schlafstörungen, leichten psychomotorischen Unruhezuständen und Ängsten. Die Auswahl der in Frage kommenden Wirkstoffe ist bei Alzheimer jedoch beschränkt. Das liegt daran, dass einige Antidepressiva aufgrund ihrer Wirkungsweise den bereits bestehenden Acetylcholin-Mangel im Gehirn der Patienten weiter verstärken würden. Diese Antidepressiva scheiden deshalb für die Behandlung aus. Möglich ist jedoch der Einsatz von Wirkstoffen aus der Gruppe der so genannten selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer.

Antipsychotika sind Medikamente zur Behandlung von Wahnerleben, Sinnestäuschungen, psychomotorischen Unruhezuständen und Aggressivität sowie Angstzuständen und Schlafstörungen. Die Behandlung muss stets unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da Nebenwirkungen auftreten können. Meist ist eine mehrmonatige Behandlung nicht erforderlich.
 
Neuere Neuroleptika haben sich bei Wahn, Sinnestäuschungen, Unruhezuständen und aggressivem Verhalten bewährt. Regelmäßige Medikamenteneinnahme und häufige Blutbildkontrollen sind zum Schutz vor Nebenwirkungen erforderlich.

Bei psychomotorischen Unruhezuständen und Aggressivität, zur Verbesserung des Nachtschlafes und des Tag-Nacht-Rhythmus gibt es Risperidon (Handelsname Risperdal®). Dieses Medikament ist zur Behandlung von psychotischen Symptomen bei Demenz zugelassen, durch die Patienten erheblich beeinträchtigt werden. Eine neuere Analyse klinischer Studien zeigte, dass eine Behandlung mit Risperidon bei älteren Patienten mit Demenz mit einem erhöhtem Risiko für Durchblutungsstörungen einer Hirnregion oder Ereignissen wie einem Schlaganfall, auch mit Todesfolge, assoziiert sein könnte.
Daher sollte der Arzt stets Risiko und Nutzen einer Therapie mit Risperidon auf der Grundlage des individuellen Risikoprofils abwägen. Ärzte sollten Ihre Patienten auffordern, Symptome eines möglichen zerebrovaskulären Ereignisses umgehend dem behandelnden Arzt mitzuteilen, so dass sofortige Maßnahmen für Diagnose und Therapie, einschließlich Absetzung des Medikamentes, erfolgen kann.

Zur Linderung von Schlafstörungen, leichter Unruche und leichten psychotischen Zuständen gibt es heute niederpotente Neuroleptika und Anxiolytika.

Antiepileptika können bei psychomotorischen Unruhezuständen, Aggressivität sowie bei Ängsten zur Behandlung angezeigt sein.

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3. Hirnleistungsfördernde Maßnahmen

Arzneimittel aus der Gruppe der Nootropica sind schon lange bekannt und werden zur Verbesserung der Durchblutung des Gehirns eingesetzt. Zu dieser Gruppe gehören Piracetam, Nicergolin und Pyritinol. Eine positive Wirkung bei der Alzheimer-Krankheit konnte nicht nachgewiesen werden.

Für Ginkgo biloba, einem Pflanzenextrakt aus Blättern des Ginkgo-Baumes, bewertet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) seine Wirkung bei Alzheimer-Patienten. Obwohl Studienergebnisse sehr unterschiedliche Ergebnisse brachten, sieht das IQWiG bei einer höheren Dosierung von täglich 240 mg eine Verbesserung der Alltagsaktivitäten als belegt an. Eine vorbeugende Wirkung konnte nicht nachgewiesen werden. Weitere Studien laufen noch.

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4. Prophylaktische und neuroprotektive Maßnahmen

Antioxidantien wirken gegen freie Sauerstoffradikale. Dazu gehören Radikalfänger wie Vitamin E (Alpha-Tocopherol), Vitamin C, Selen, und grüner Tee. Auch von Ginkgo biloba ist diese Eigenschaft bekannt.

Die Gabe von a-Liponsäure in Kombination mit Acetylcholinesterase-Hemmern hat in einer Testreihe die Alltagsfähigkeiten der Patienten verbessert.

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5. Weitere Substanzen, denen ein positiver Effekt zugesprochen wird, deren Wirksamkeit aber nicht hinreichend erwiesen ist

Menschen, die Nicht-Steroidale-Antientzündliche-Medikamente (NSAID) länger als 5 Jahre eingenommen hatten, erkrankten seltener an einer Demenz, laut einer Studie aus dem Jahre 2008 (Neurology, 70, 2008). Besonders stark war die protektive Wirkung bei Ibuprofen. Eine Einnahmedauer von mehr als fünf Jahren war mit einer 44-prozentigen Reduktion des Alzheimerrisikos assoziiert. Für andere NSAIDs wurde hingegen keine präventive Wirkung gefunden. Eine aktuelle Studie aus dem Jahre 2009 (Neurology, E-Pub ahead of print, April 2009) zeigte das Gegenteil. Dort wurde bei einer höheren Altersgruppe nachgewiesen, dass Ibuprofen das Alzheimer-Risiko nicht senkt, sondern sogar erhöht.

Momentan gibt es keine gesicherte Grundlage dafür, dass diese Art von Schmerzmitteln zur Alzheimer-Prävention eingesetzt werden sollte.

Auch zeigte sich, dass Menschen, die gegen ihren hohen Cholesterinspiegel mit Statinen behandelt wurden, seltener an Alzheimer erkrankten. Auch hier müssen weitere Studien abgewartet werden, bevor entschieden werden kann, ob Statine zur Verbeugung oder Behandlung eingesetzt werden können.

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6. Neue Medikamente

Eine Vielzahl von Forschungsvorhaben untersucht neue Ansätze für die Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Des Weiteren werden die verschiedensten Medikamente auf ihre Wirksamkeit bei Alzheimer getestet.

Im Tierversuch konnten die Alzheimer typischen Eiweißablagerungen an den Gehirnzellen durch eine Impfung aufgehalten und teilweise sogar zurückgebildet werden. Eine erste Studie wurde 2001 begonnen, die rund zwei Jahre dauern sollte. Die Studie wurde im Februar 2002 abgebrochen, da 25 Patienten an Gehirnentzündung schwer erkrankt sind. Die Untersuchungen laufen weiter, um eine verträglichere Form der Impfung zu entwickeln.

Antikörper, die sich an die β-Amyloid Plaques binden, können intravenös verabreicht werden. Wenn sich die Antikörper an β-Amyloid-Protein binden und dann abgebaut werden können, könnten solche Infusionen den Verlauf der Alzheimer-Krankheit verlangsamen. Die Daten weisen darauf hin, dass sich die Plaques im Gehirn nach 12 Wochen Behandlungsdauer „auflösen“. Aktuell laufen weitere Studien.

Nichtmedikamentöse Therapiemöglichkeiten

Emotionsorientierter Ansatz

Zu diesem Ansatz gehört unter anderem die bekannte Validationstherapie. Dabei stehen die unbedingte Wertschätzung der Gefühle und der Erlebenswelt des Patienten und die Mobilisierung noch vorhandener Ressourcen im Mittelpunkt. Bei herausforderndem Verhalten soll so zum Beispiel versucht werden, dies als Reaktion auf die Erkrankung vor dem Hintergrund der individuellen Biographie zu verstehen und sie in einen lebensgeschichtlichen Sinnzusammenhang einzubinden.

Die Selbst-Erhaltungs-Therapie und die Biographiearbeit (Erinnerungstherapie) sind weitere emotionsorientierte Behandlungskonzepte. Auch hier soll die subjektive Erinnerung, Sichtweise und Wahrnehmung des Patienten im Mittelpunkt stehen, womit dem Erkrankten ein Gefühl der persönlichen Identität, Kontinuität und Kohärenz vermitteln werden soll.

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Ansätze zur Beruhigung und Aktivierung

Zu den Behandlungen, die auf eine Aktivierung oder Beruhigung ausgerichtet sind, zählen sinnes- und bewegungsbezogene Ansätze wie das Snoezelen. Mit Hilfe dieser Form der multisensorischen Stimulation sollen sowohl Veränderungen im Verhalten, in der Interaktion und Kommunikation mit anderen, sowie im Erleben der Betroffenen erzielt werden.

Weitere Behandlungskonzepte sind unter anderem die Aromatherapie, Lichttherapie, Therapie mit Tieren, sowie die Kunst-, Tanz- und Musiktherapie Zur Behandlung allgemeiner Symptome werden auch Akupunktur, Logopädie und Physiotherapie eingesetzt. Die Ergotherapie scheint bei der Verrichtung von Alltagsaktivitäten und der Steigerung der Lebensqualität von Betroffenen und Angehörigen gute Ergebnisse zu erzielen, besonders wenn die Therapie im häuslichen Umfeld stattfindet.

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Angehörigentraining

Auf der sozialen Ebene lässt sich das Training des Pflegepersonals und der pflegenden Angehörigen einordnen. Ziele des Trainings sind insbesondere das Verständnis für die Defizite von Demenzpatienten, die Unterstützung noch vorhandener Ressourcen und die Verbesserung kommunikativer Fähigkeiten. Durch Angehörigentraining scheint sich die Unterbringung von Demenzkranken in einem Pflegeheim deutlich herauszögern zu lassen. In diesem Rahmen werden auch Einzel- und Gruppengespräche eingesetzt, in denen der Informations- und Erfahrungsaustausch im Vordergrund stehen. Als sehr hilfreich für Angehörige erweisen sich Angehörigen-Selbsthilfegruppen, die unter anderem von den Regionalgruppen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft angeboten werden.

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Zuletzt aktualisiert: 6.3.2012