Prof. Ralf Ihl: „Es hilft nicht, Medikamente zu nehmen und darauf zu warten, dass es besser wird“

  |   Alzheimer

Die Alzheimer-Krankheit ist bisher leider noch nicht heilbar. Welche medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten es gibt und warum es trotzdem wichtig ist, aktiv zu bleiben, erklärt Prof. Dr. Ralf Ihl im Interview.

Prof. Ihl ist Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie und -therapie und Leiter des Demenzforschungszentrums am Alexianer-Krankenhaus Krefeld. Für sein jahrelanges erfolgreiches Engagement in der Erforschung und Behandlung der Alzheimer-Krankheit wurde er 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Prof. Ihl, Alzheimer ist leider noch nicht heilbar. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt zurzeit fünf Präparate. Für Patienten im anfänglichen und mittleren Krankheitsstadium eignen sich Donepezil, Rivastigmin und Galantamin, bei fortgeschrittener Demenz kann Memantin verschrieben werden. Allerdings haben diese Medikamente teilweise sehr starke Nebenwirkungen. Als rein pflanzliches Mittel ist Ginkgo biloba wesentlich besser verträglich. Für alle fünf Präparate gilt: Sie können bei einzelnen Patienten eine moderate Wirkung für eine begrenzte Zeit haben. Heilen können sie die Krankheit nicht.

Was sollte man bei der Einnahme beachten?

Wird das Medikament vertragen, sollte es kontinuierlich eingenommen werden und zwar so lange, wie die Angehörigen es für sinnvoll erachten. Wird die Einnahme unterbrochen, kann eine Verschlechterung nicht mehr aufgeholt werden. Wechselwirkungen mit anderen Tabletten müssen auf jeden Fall berücksichtigt werden. Wichtig ist, dass so wenige Medikamente wie möglich und so viele wie nötig genommen werden. Als Faustregel gilt, dass es nicht mehr als acht Medikamente gleichzeitig sein sollten.

Empfehlen Sie die Einnahme von Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln?

Solche Präparate sind nur dann hilfreich, wenn tatsächlich ein Mangel festgestellt wurde. In der Regel reicht es aus, den Vitamin-B12-Bedarf im Falle eines Mangels entsprechend auszugleichen. 

Welche Rolle spielen nicht-medikamentöse Therapien?

Nicht-medikamentöse Ansätze sind aktuell wirkungsvoller als medikamentöse, zumal Medikamente nicht ohne begleitende Aktivierung wirken können. Es hilft nicht, Medikamente zu nehmen und im Sessel darauf zu warten, dass es besser wird. Man sollte das Gehirn fördern und geistig und körperlich aktiv bleiben. Alles, was das Alzheimer-Risiko senkt, ist auch bei der Behandlung hilfreich. Aber auch nicht-medikamentöse Ansätze können die Krankheit nur verzögern und die Lebensqualität länger erhalten.

Was können Angehörige tun?

Wenn die Diagnose da ist, sollte ein Familienrat einberufen werden, um den Umgang mit der neuen Situation und die vorhandenen Ressourcen abzustimmen. Dem Patienten sollte so lange wie möglich ein aktives Leben und Teilhabe am Alltag ermöglicht werden. Für Angehörige ist es hilfreich, Schulungsangebote wahrzunehmen, um gut über die Krankheit informiert zu sein und besser mit dem Patienten umgehen zu können. Wichtig ist auch, dass sich Angehörige Unterstützung holen.  Welche Reha-Leistungen, Therapie-Möglichkeiten und Hilfeangebote für Angehörige es vor Ort gibt, kann über Gedächtnissprechstunden, Pflegestützpunkte oder die lokalen Alzheimer-Gesellschaften erfragt werden. 

Weitere Informationen:

Behandlung der Alzheimer-Krankheit

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