Der Cholesterin- und Fettstoffwechsel als neues Ziel in der Behandlung der Alzheimer-Krankheit
Projektdetails:
| Thematik: | Ursachenforschung |
|---|---|
| Förderstatus: | laufend |
| Art der Förderung: | Cross Border |
| Institution: | TU München und Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen und Universität Leiden |
| Projektleitung: | Dr. Stefan Berghoff |
| Laufzeit: | 01. Januar 2026 - 31. Dezember 2027 |
| Fördersumme: | 100.000,00 Euro |

Stefan Berghoff
Was wird erforscht?
Das ApoE4-Risikogen gilt als einer der wichtigsten genetischen Faktoren für die Entwicklung der Alzheimer Krankheit. ApoE steht für Apolipoprotein E. Es handelt sich dabei um ein Transportprotein, das Cholesterin und Fette im Körper zwischen Organen und Zellen bewegt. Es gibt drei verschiedene Varianten des Proteins: ApoE2, ApoE3 und ApoE4, die unterschiedliche Risiken für eine Alzheimer-Erkrankung bedeuten. Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass Störungen im Cholesterin und Fettstoffwechsel eine zentrale Rolle im Verlauf der Erkrankung spielen könnten. Ein besonderes Augenmerk gilt hier dem Enzym DHCR24. Dieses Enzym ermöglicht die letzte Stufe der Cholesterinproduktion und ist für die Versorgung des Gehirns mit selbst produziertem Cholesterin essenziell. Interessanterweise ist DHCR24 in bestimmten Hirnregionen von Menschen mit Alzheimer vermindert, vor allem in Bereichen, in denen typischerweise Amyloid-Plaques zu finden sind.
In früheren Arbeiten konnten Dr. Stefan Berghoff von der TU München (TUM) und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) sowie Prof. Dr. Martin Giera von der Universität Leiden (LUMC) mithilfe von Mausmodellen zeigen, dass eine gezielte Beeinflussung von DHCR24 zu deutlichen Veränderungen im Cholesterinstoffwechsel führt und Reparatur-Mechanismen im Gehirn beeinflusst. Wenn das Enzym gehemmt wird, kommt es zu einer verstärkten Anhäufung von Vorläufermolekülen von Cholesterin. Diese verändern wiederum die Wechselwirkung verschiedener Hirnzelltypen mit Fetten. Mikroglia, die Immunzellen des Gehirns, scheiden vermehrt Cholesterin und Fettspezies aus, während die Stützzellen des Gehirns, die Astrozyten, offenbar anders reagieren.
Aus diesen Beobachtungen ergibt sich folgende Hypothese: Bei gestörter Cholesterinproduktion bestimmen sowohl der jeweilige Zelltyp als auch welche ApoE-Variante man hat darüber, ob der Fettstoffwechsel die Plaque-Bildung verstärken oder abmildern. Genau diesen Zusammenhang möchten die beiden Wissenschaftler in ihrem neuen Projekt untersuchen.
Wie gehen Dr. Stefan Berghoff und Prof. Dr. Martin Giera dabei vor?
Das Forscherduo wird mithilfe eines speziellen Mausmodells verschiedene Analysen zum Cholesterin- und Fettstoffwechsel durchführen. Dazu gehört, die unterschiedlichen Cholesterin- und Fettstoffwechselmuster in verschiedenen Zelltypen zu untersuchen.
Was ist das Ziel des Forschungsprojekts?
Das Projekt zielt darauf ab, die Rolle des gestörten Fettstoffwechsels bei der Entstehung von Alzheimer grundlegend neu zu bewerten. Da aktuelle Therapien, insbesondere für ApoE4-Träger*innen bislang nur begrenzt wirksam sind, könnte ein besseres Verständnis dieser Stoffwechselwege neue therapeutische Ansätze eröffnen.
Warum ist dieses Projekt besonders aussichtsreich?
"Weil der Fettstoffwechsel eine zentrale Rolle in der Entstehung und dem Fortschreiten von Demenzen spielt und damit neue therapeutische Angriffspunkte eröffnet."
Wofür werden die Fördermittel verwendet?
Die Fördermittel entfallen auf Personalkosten (50.000 Euro) und Labormaterialien (50.000 Euro). Prof. Dr. Martin Giera wird mit weiteren 100.000 Euro von Alzheimer Nederland unterstützt.
Schauen Sie sich hier die Videobotschaft von Dr. Berghoff an.
Steckbrief:
Dr. Stefan Berghoff
1989
München
2021
Hobbys:
Musik (Gittarist)

Stefan Berghoff
Ich bin in der Demenzforschung tätig, weil…
die biologischen Mechanismen der Erkrankung noch unzureichend verstanden sind und ich helfen möchte, diese Wissenslücken zu schließen.
Ich hoffe, dass die Alzheimer-Forschung in 10 Jahren…
in deutlich breiteres und spezifischeres Portfolio an wirksamen Behandlungsmöglichkeiten bietet.
Persönliche Nachricht:
Liebe Spender*innen,
ich möchte Ihnen von Herzen danken. Ihre Unterstützung gibt mir bereits zu einem frühen Zeitpunkt meiner wissenschaftlichen Laufbahn die Möglichkeit, eine eigenständige und innovative Forschungsidee zu verfolgen. Diese Freiheit ist nicht selbstverständlich. Sie schafft Raum für mutige und kreative Ansätze, die in klassischen Förderstrukturen oft zu wenig Platz finden. Private Forschungsförderung ist von unschätzbarem Wert. Sie ermöglicht es, neue und risikoreiche Konzepte auszuprobieren, die das Potenzial haben, gesamte Forschungsfelder zu verändern.
Gerade in der Grundlagenforschung, in der viele Erkenntnisse erst nach Jahren sichtbar werden, sind flexible und vertrauensbasierte Mittel wie die Ihren entscheidend. Sie helfen uns, Fragen nachzugehen, die sonst möglicherweise unbeantwortet blieben, und sie eröffnen Wege zu neuen Therapien und wissenschaftlichen Durchbrüchen.
Für dieses Vertrauen in unsere Arbeit danke ich Ihnen sehr. Ihre Unterstützung macht einen echten Unterschied.



