Lithium und Alzheimer: Häufige Fragen zur Wirkung
Lithium ist ein chemisches Element, das als sogenanntes Spurenelement natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommt.
Forschende der Harvard Medical School in den USA konnten erstmals zeigen, dass ein Mangel an Lithium im Gehirn eine wichtige Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten einer Alzheimer-Erkrankung spielt.
Lesen Sie hier, welche Zusammenhänge genau bestehen und welche möglichen Folgen diese neuen Erkenntnisse für die Entwicklung neuer Alzheimer-Therapien haben können.

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Was ist Lithium - und welche Rolle spielt es im Gehirn?
Lithium ist ein chemisches Element und gehört zu den so genannten Spurenelementen, die der Körper nur in winzigen Mengen benötigt.
Aufgrund seiner therapeutischen Wirkung, wird Lithium in Form von Lithiumsalzen in der Psychiatrie eingesetzt, um Stimmungsschwankungen bei Depressionen und bipolaren Störungen zu verringern.
Erste Hinweise darauf, dass Lithium möglicherweise auch vor einer Demenzerkrankung schützen kann, gab es bereits in zwei Studien aus Dänemark und Großbritannien:
- 2017 wurde in einer Studie der Universität Kopenhagen beobachtet, dass in Regionen, in denen mehr Lithium im Trinkwasser ist, weniger Menschen an Demenz erkranken.
- 2022 zeigte eine Beobachtungsstudie der Universität Cambridge, dass Menschen, die aufgrund psychischer Störungen über eine längere Zeit Lithium einnahmen, seltener an Alzheimer und anderen Demenzen erkrankten – obwohl sie aufgrund ihrer psychischen Grunderkrankung eigentlich ein höheres Risiko hatten als Menschen ohne solche Erkrankungen.
Die 2025 in Nature veröffentliche Studie lieferte einen möglichen Grund für diese Zusammenhänge: Lithium kommt natürlicherweise im Gehirn vor, schützt es vor Alterung und erhält die Funktion aller wichtigen Zelltypen. Fehlt Lithium, verliert das Gehirn einen wichtigen Schutzfaktor.
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Lithiummangel und Alzheimer?
Noch bevor erste Symptome wie Gedächtnisstörungen auftreten, kann bei Menschen mit einer Alzheimer-Erkrankung ein sinkender Lithiumspiegel gemessen werden.
Der Grund dafür ist, dass das im Gehirn vorhandene Lithium an die Amyloid-beta-Ablagerungen bindet und dadurch nicht mehr frei verfügbar ist. Fehlt das Lithium, altern Nervenzellen schneller und werden anfälliger für Schädigungen. Dies wiederum beschleunigt das Fortschreiten der Krankheit und den Abbau der kognitiven Fähigkeiten.
Kann Lithium Alzheimer vorbeugen oder sogar rückgängig machen?
Die Studienergebnisse mit einem Mausmodell legen nahe, dass Lithium – in einer speziellen Form namens Lithiumorotat, einem Lithiumsalz aus Lithium und Orotsäure – das Fortschreiten von Alzheimer nicht nur verlangsamen, sondern in einigen Fällen umkehren kann.
Diese Verbindung vermeidet die Bindung an Amyloid-Plaques und bleibt so im Gehirn verfügbar. In den Tierversuchen wirkte sie bereits in sehr niedriger Dosis, rund tausendfach geringer als bei den in der Psychiatrie eingesetzten Lithiumsalzen, und zeigte in so geringer Konzentration keine Anzeichen von Toxizität. An Mausmodellen konnten die Forschenden beobachten, dass sich Gedächtnisleistungen selbst bei älteren Tieren mit fortgeschrittener Erkrankung deutlich verbesserten.
Ob Lithiumorotat beim Menschen Alzheimer vorbeugen oder beeinflussen kann, ist bislang nicht geklärt. Ergebnisse aus Tierversuchen lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen. Hierfür sind kontrollierte klinische Studien notwendig.
Erste Daten lieferte im März 2026 eine Untersuchung der Universität Pittsburgh, in der Lithium auch beim Menschen untersucht wurde. Dabei erhielten 41 Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung über zwei Jahre Lithiumcarbonat oder ein Placebo.
- Das Ergebnis: Es zeigte sich kein Vorteil für die Behandlung mit Lithium. Gedächtnis und Denkleistung entwickelten sich ähnlich wie ohne Behandlung. Auch Veränderungen im Gehirn und ein Blutwert blieben unverändert.
- Die Aussagekraft der Studie ist jedoch eingeschränkt. Nur ein Teil der Teilnehmenden hatte typische Alzheimer-Veränderungen im Gehirn. Zudem wurde nicht die in der Grundlagenforschung untersuchte Form Lithiumorotat getestet, sondern Lithiumcarbonat.
Da Lithium in zu hohen Dosen giftig sein kann, sollte es grundsätzlich nicht eigenständig nicht eigenständig zur Vorbeugung oder Behandlung eingenommen werden. Welche Dosis sicher und wirksam wäre, ist derzeit nicht bekannt.
Sollte man Lithium einnehmen, um Alzheimer zu verhindern?
Nein. Bisher gibt es keine klinischen Studien, die belegen, dass Lithium – in welcher Form auch immer – Alzheimer beim Menschen wirksam vorbeugen oder behandeln kann. Einzelne Studien mit Lithiumcarbonat zeigen bislang keinen Nutzen.
Eine falsche Dosierung kann außerdem gesundheitsschädlich sein, insbesondere für ältere Menschen. Unter anderem deswegen ist die Verwendung von Lithium als Nahrungsergänzungsmittel auch in der Europäischen Union verboten. Eine Einnahme von Lithium oder Lithiumorotat sollte deshalb ausschließlich im Rahmen ärztlich begleiteter Therapien erfolgen.
Wer Lithium auf natürlicher Weise zu sich nehmen möchte, kann auf Lebensmittel mit hohem Lithiumgehalt achten. Dieses ist zum Beispiel in Eiern, Nüssen, Getreideprodukten, Fleisch, Fisch und Kartoffeln enthalten.
Welche Lebensmittel ebenfalls zur Vorbeugung von Demenz beitragen können, lesen Sie hier.
Quellen
Aron, L., Z. K. Ngian, C. Qiu, et al. “Lithium Deficiency and the Onset of Alzheimer’s Disease.” Nature, 2025.
Chen, S., B. R. Underwood, P. B. Jones, J. R. Lewis, and R. N. Cardinal. “Association Between Lithium Use and the Incidence of Dementia and Its Subtypes: A Retrospective Cohort Study.” PLOS Medicine, vol. 19, no. 3, 2022, e1003941.
Gildengers, A. G., T. S. Ibrahim, S. J. Anderson, et al. “Low-Dose Lithium for Mild Cognitive Impairment: A Pilot Randomized Clinical Trial.” JAMA Neurology, 2026.
Kessing, L. V., T. A. Gerds, N. N. Knudsen, L. F. Jørgensen, S. M. Kristiansen, D. Voutchkova, V. Ernstsen, J. Schullehner, B. Hansen, P. K. Andersen, and A. K. Ersbøll. “Association of Lithium in Drinking Water With the Incidence of Dementia.” JAMA Psychiatry, vol. 74, no. 10, 2017, pp. 1005–1010. doi:10.1001/jamapsychiatry.2017.2362.
Weitere Informationen:
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