Demenz- und Alzheimer-Forschung aktuell
Die Forschung zu Alzheimer und anderen Demenzen entwickelt sich rasant.
Weltweit arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, die Ursachen der Erkrankung besser zu verstehen, neue Diagnostikverfahren zu entwickeln und Therapien zu finden, die den Verlauf der Krankheit beeinflussen können.
Noch gibt es keine Heilung, aber für einige Formen der Demenz gibt es bereits zuverlässige Diagnostikverfahren, Präventionsmaßnahmen und erste Therapien, die den Krankheitsverlauf verlangsamen können.
Wohin führt die Forschung? Hier erfahren Sie den aktuellen Stand.

Shutterprince/shutterstock
Warum gibt es bisher kein Heilmittel gegen Alzheimer?
Alzheimer ist eine äußerst komplexe Krankheit. Viele der Prozesse, die im Gehirn ablaufen, sind noch immer nicht vollständig verstanden. Proteinablagerungen, Entzündungen, Umwelteinflüsse und genetische Faktoren sind nur einige der möglichen Ursachen, die zur Entstehung der Alzheimer-Krankheit beitragen.
Hinzu kommt: Alzheimer beginnt lange bevor die ersten Symptome sichtbar werden. Wenn das Gedächtnis nachlässt, sind die Schäden im Gehirn meist bereits weit fortgeschritten und der Krankheitsprozess nicht mehr umkehrbar.
Doch es gibt Hoffnung. Erste Medikamente greifen gezielt in den Krankheitsverlauf ein, und Therapien können das Leben von Menschen mit Demenz bereits heute spürbar verbessern, indem sie den Alltag erleichtern, Fähigkeiten länger erhalten und die Lebensqualität steigern.
Forschende weltweit arbeiten daran, Alzheimer eines Tages zu stoppen oder zu heilen und dadurch das Leben künftiger Generationen entscheidend zu verändern.

MAK/Fotolia
Was sind die wichtigsten Schwerpunkte in der Demenzforschung?
Die Demenzforschung betrachtet heute viele verschiedene Mechanismen und verfolgt unterschiedliche Ansätze – von der Diagnostik bis zur Therapie:
1. Früherkennung und Diagnostik
Alzheimer und andere Demenzerkrankungen beginnen oft viele Jahre, bevor erste Symptome auftreten. Neue Bluttests, bildgebende Verfahren und digitale Methoden sollen es ermöglichen, die Krankheiten deutlich früher und zuverlässiger zu erkennen. Gerade weil Medikamente im frühen Stadium am besten wirken, wird die Früherkennung zu einem entscheidenden Schlüssel in der Versorgung.
Mehr zur aktuellen Forschung zu Bluttests bei Alzheimer
2. Antikörper-Medikamente
Mit den Antikörpern Leqembi und Kisunla gibt es erstmals Medikamente, die den Verlauf von Alzheimer verlangsamen können. Sie richten sich an Menschen in einem frühen Krankheitsstadium und greifen gezielt in die Prozesse im Gehirn ein. Noch ist offen, wie groß ihr Nutzen langfristig ist und wie Nebenwirkungen am besten kontrolliert werden können.
Parallel dazu arbeiten Forschungsteams an der Weiterentwicklung von Antikörper-Therapien, etwa an neuen Wirkstoffen wie Trontinemab, die derzeit noch in klinischen Studien untersucht werden. Außerdem wird erforscht, ob sich Antikörper künftig mit anderen Wirkstoffen kombinieren lassen.
Mehr über Antikörper-Medikamente gegen Alzheimer
3. Krankheitsmechanismen verstehen
Was genau passiert im Gehirn von Menschen mit Alzheimer? Forschende untersuchen zentrale Prozesse wie die Ablagerung der Proteine Amyloid-beta und Tau, entzündliche Vorgänge, die Bedeutung von Umwelteinflüssen und genetische Aspekte. Ziel ist es, die Entstehung der Erkrankungen besser zu verstehen und neue Ansatzpunkte für Therapien zu finden.
Wie verändert sich das Gehirn bei Alzheimer?
4. Vorbeugung von Demenzerkrankungen
Rund 45 Prozent aller Demenzerkrankungen ließen sich nach aktuellem Stand der Wissenscahft durch die Reduktion bestimmter Risikofaktoren verzögern oder sogar verhindern. Dazu gehören Bluthochdruck, Diabetes, Hörverlust, Depressionen oder soziale Isolation. Die Forschung versucht, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und Menschen dabei zu unterstützen, ihr persönliches Risiko zu senken.
Jetzt mehr über die 14 wissenschaftlich belegten Risikofaktoren erfahren
5. Pflege und Lebensqualität
Neben der medizinischen Forschung rückt auch der Alltag von Menschen mit Demenz in den Mittelpunkt. Studien befassen sich damit, wie die Versorgung individueller, die Belastung für Angehörige geringer und die Selbstständigkeit der Erkrankten länger erhalten werden kann. Technische Hilfen, soziale Teilhabe und neue Versorgungsmodelle spielen eine zentrale Rolle.
Seit 2025 fördert die AFI mit dem Care Research Grant gezielt Projekte aus der Pflegeforschung, die die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren pflegenden Angehörigen stärken. Das erste geförderte Projekt ist CogStim24, das kognitive Stimulation alltagsbegleitend in die Pflege integriert und neue Unterstützungsmöglichkeiten erprobt.
Forschung im Fokus - neue Studien, neue Fragen
Die Alzheimer Forschung Initiative fördert nicht nur konkrete Forschungsprojekte, sondern beobachtet auch wissenschaftliche Debatten und neue Studienergebnisse und ordnet sie für Interessierte ein. Während einige Forschungsansätze noch sehr experimentell sind, sind andere schon näher an einer möglichen Therapie. Hier finden Sie Themen, die aktuell besonders diskutiert werden.
Lithium
Könnte eine extrem niedrige Dosierung von Lithium das Alzheimer-Risiko verringern oder Alzheimer stoppen? Studien geben Anlass zur Hoffnung.
Metformin
Das bekannte Diabetes-Medikament wird auf seine Wirkung bei Alzheimer getestet. Könnte es eine neue Einsatzmöglichkeit geben?
Blarcamesin
Ein experimenteller Wirkstoff, der die Selbstreinigung von Nervenzellen unterstützen sollte. Die Wirksamkeit ist allerdings nicht belegt.
Spermidin
Forschende prüfen, ob Spermidin das Gehirn schützen kann. Der natürliche Stoff kommt in Weizenkeimen, Soja oder Pilzen vor.
Valiltramiprosat

Cass-is/Canva
Ein weiterer experimenteller Wirkstoff, speziell für Menschen mit zwei Allelen des Risikogens ApoE4. Noch in der Entwicklung.
Gürtelrose-Impfung
Kann eine Gürtelrose-Impfung möglicherweise vor Demenz schützen? Alles Wissenswerte zur aktuellen Studienlage.
Ausblick: Zusammenspiel verschiedener Ansätze
Die Forschung entwickelt sich zunehmend weg von Einzelstrategien: Statt nur auf ein Ziel zu setzen, rücken unterschiedliche Ansätze in den Vordergrund, die sich gegenseitig ergänzen. Künftige Therapien werden voraussichtlich individueller zugeschnitten sein – abhängig vom Krankheitsstadium und dem biologischen Profil der Patientinnen und Patienten.
- Besonders wichtig ist dabei der frühe Einsatz von Medikamenten: Denn je eher die Krankheit erkannt und behandelt wird, desto höher die Chancen, den Verlauf zu verlangsamen. Studien deuten darauf hin, dass Kombinationen verschiedener Behandlungsansätze langfristig den entscheidenden Fortschritt bringen können.
- Auch Lebensstilfaktoren rücken stärker ins Blickfeld: Ernährung, Bewegung und der gesunde Umgang mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes werden eine wichtige Rolle spielen.
Die Demenzforschung ist heute vielfältiger und dynamischer denn je. Auch wenn eine Heilung noch nicht in Reichweite ist, wächst die Zuversicht, Krankheiten wie Alzheimer immer besser zu verstehen und wirksamer zu behandeln.

Science Photo/Canva
Meilensteine der Alzheimer-Forschung seit 1906
Unser Überblick zeigt, wie sich die Alzheimer-Forschung seit der Erstbeschreibung durch Alois Alzheimer entwickelt hat – und welche Fortschritte durch die von AFI geförderten Projekte möglich wurden.

designer491/Canva
Unterstützen Sie die Alzheimer-Forschung
Noch gibt es keine Heilung für Alzheimer. Doch mit Ihrer Spende kann die Forschung weiter an besseren Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten arbeiten - für eine Zukunft ohne Alzheimer.
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing
Leiterin Wissenschaft
Director of Scientific Affairs
Tel.: 0211 - 86 20 66 14
E-Mail schreiben









