Stand: 29.07.2025

Bluttest für Alzheimer: Der aktuelle Stand

Die Diagnostik von Demenzerkrankungen wie Alzheimer entwickelt sich rapide weiter.

Verschiedene Forschungsteams haben Bluttests entwickelt, mit denen Alzheimer zuverlässig erkannt werden kann. Die beiden Bluttests „Precivity AD-Bloodtest“ sowie "Elecsy pTau181-Test" haben eine EU-Zulassung und werden nun für den Einsatz in der Praxis vorbereitet. 

Der größte Vorteil von Alzheimer-Bluttests ist ihre einfache und kostengünstige Durchführung. Perspektivisch könnten sie etablierte Diagnoseverfahren wie die Liquoruntersuchung oder bildgebende Verfahren zunächst ergänzen und später möglicherweise ganz ersetzen.

Alles Wissenswerte zum aktuellen Stand der Bluttests hier.

Bluttests zur Alzheimer-Diagnose: Fragen und Antworten

Wie wird die Alzheimer-Krankheit bislang diagnostiziert?

Die Alzheimer-Krankheit kann nur durch eine Ärztin oder einen Arzt festgestellt werden. Es gibt keinen zuverlässigen Test zur Selbstdiagnose. Nach einem ärztlichen Gespräch folgen eine körperliche Untersuchung und psychometrische Tests wie der Mini-Mental-Status-Test (MMST). Auch bildgebende Verfahren wie MRT / CT / PET und eine Liquoruntersuchung, also eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit können zum Einsatz kommen.

Lesen Sie hier, wie die Diagnose bei Verdacht auf Demenzkrankheiten wie Alzheimer abläuft.

Wie helfen Bluttests bei der Diagnose der Alzheimer-Krankheit?

Zwei charakteristische Merkmale der Alzheimer-Krankheit sind Ablagerungen des Peptids Beta-Amyloid außerhalb der Nervenzellen sowie krankhaft veränderte Tau-Proteine innerhalb der Nervenzellen. Es wird vermutet, dass diese beiden Proteinablagerungen die Kommunikation zwischen den Nervenzellen stören und dazu beitragen, dass diese absterben.

Je nach Bluttest können nun unterschiedliche Nachweise im Blut erfolgen:

  • Der US-amerikanische Precivity AD-Bloodtest beispielsweise misst das Verhältnis zweier unterschiedlicher Beta-Amyloid-Peptide namens Beta-Amyloid-40 und Beta-Amyloid-42 im Blut. Das Peptid Beta-Amyloid-42 kommt häufiger in den Plaques und Zusammenlagerungen vor, wodurch sich das lösliche Verhältnis der beiden Peptide bei Menschen mit Alzheimer-Demenz verändert. Dieser Test richtet sich laut Hersteller an Menschen über 55 Jahren mit Anzeichen für eine leichte kognitive Einschränkung.
  • Der Elecsys pTau181-Test der Firma Roche in Zusammenarbeit mit Eli Lilly misst ein chemisch verändertes Tau-Protein, das sogenannte pTau181. Es gilt als Indikator für die Alzheimer-Erkrankung. Mit Hilfe des Tests kann laut Hersteller früh und einfach der Grund für die kognitiven Defizite bestimmt werden. Erhärtet sich der Verdacht durch den Test, werden weitergehende Untersuchungen durch Spezialist*innen durchgeführt. Fällt der Test negativ aus, muss nach anderen Ursachen als Alzheimer für die kognitive Einbuße gesucht werden. Der Test könnte in der Zukunft flächendeckend zum Einsatz kommen.
  • Einen Nachweis weit vor dem Auftreten der ersten Symptome liefert der Bluttest, den Prof. Dr. Gerwert und sein Team der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit dem Forscher Prof. Dr. Scheltens von der Universität Amsterdam entwickelt haben. Der Test misst mit Hilfe des Immuno-Infrarot-Sensor die für Alzheimer charakteristische Fehlfaltung des Peptids Beta-Amyloid, die der Bildung von Plaques vorausgeht und bereits vor dem Auftreten von Symptomen messbar ist. Dieser Test hat allerdings noch keine Zulassung.

Welche Vorteile haben Bluttests?

Zunächst muss einschränkend festgestellt werden, dass Bluttests nur dann einen Vorteil bieten, wenn sie eine ähnliche oder höhere Genauigkeit als etablierte Testverfahren aufweisen.

Bluttests hätten dann den Vorteil, dass sie kostengünstiger durchführbar sind und mit einer geringeren Belastung für die Patientinnen und Patienten einhergehen als die bisherigen Diagnoseverfahren:

  • Für bildgebende Verfahren wie ein MRT muss die Patientin oder der Patient in die „Röhre“.
  • Bei einer Liquoruntersuchung wird Nervenwasser aus dem Rückenmark entnommen, was manchmal mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden ist.

Kann ich in die Arztpraxis gehen und einen Bluttest machen?

In bestimmten Fällen ist das mittlerweile möglich. Bluttests zur Alzheimer-Diagnostik werden ergänzend zu etablierten Verfahren wie der Liquoruntersuchung oder bildgebenden Verfahren eingesetzt. Sie dürfen jedoch nur von ausgewiesenen Expertinnen und Experten der Biomarker-Diagnostik durchgeführt werden. Ein allgemeiner, flächendeckender Einsatz in allen Arztpraxen ist derzeit noch nicht vorgesehen.

Was kostet ein Bluttest zur Alzheimer-Diagnose?

Aktuell gibt es in Deutschland keinen allgemein verfügbaren Bluttest zur Alzheimer-Diagnose. Die hier beschriebenen Verfahren befinden sich noch in der Forschung oder werden nur in spezialisierten Zentren eingesetzt. Daher gibt es noch keine Angaben zu Kosten von Alzheimer-Bluttests.

Perspektivisch könnten solche Tests kostengünstiger sein als aufwendigere Diagnoseverfahren wie Liquoruntersuchung oder MRT – wie hoch die Kosten tatsächlich sein werden, lässt sich aber noch nicht sagen.

Ist ein Bluttest sinnvoll, der das Risiko an Alzheimer zu erkranken voraussagt?

Es befinden sich auch Bluttests in der Entwicklung, die den Erkrankungsbeginn bei symptomfreien Menschen mit Alzheimer über mehr als zehn Jahre vorhersagen können. Diese sind aber aus ethischen Gründen noch nicht für den Einsatz in der Praxis bestimmt, solange es keinen Wirkstoff gibt, der für Erkrankte noch vor den ersten Symptomen zugelassen ist.

Wo können Alzheimer-Bluttests noch eingesetzt werden?

Bluttests, vor allem mit prognostischer Qualität, können eine wichtige Rolle bei der Erforschung neuer Wirkstoffe in klinischen Studien spielen. Zum einen könnten so leichter Probandinnen und Probanden im symptomfreien Stadium gefunden werden. Zum anderen könnte die Wirkung neuer Substanzen im Studienverlauf leichter nachvollzogen werden.

Die AFI fördert Prof. Dr. Klaus Gerwert von der Ruhr-Universität Bochum. Prof. Gerwert hat einen Bluttest entwickelt, der eine spätere Erkrankung bis zu 17 Jahre vor Beginn der klinischen Alzheimer-Symptome prognostiziert. Der Test steht in der Praxis noch nicht zur Verfügung.

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