Fragen und Antworten (Stand: 28.09.2022)

Neuer Alzheimer-Wirkstoff Lecanamab (BAN2401): Der aktuelle Stand

Verschiedene neue Wirkstoffe werden momentan zur medikamentösen Behandlung der Alzheimer-Krankheit getestet. Einer von ihnen ist der Antikörper Lecanemab, auch bekannt unter dem Namen BAN2401. Voraussetzung für eine Zulassung ist aber ein Erfolg in Studien mit mehreren tausend Probanden. In einer solchen Studie hat Lecanemab jetzt zu vielversprechenden Ergebnissen geführt. Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

Lecanemab: Fragen und Antworten

Was ist Lecanemab?

Bei Lecanemab (BAN2401) handelt es sich um einen Wirkstoff, der in wissenschaftlichen Studien zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit getestet wird.

Wer entwickelt den Wirkstoff?

Lecanemab wird durch die Pharmaunternehmen Eisai (Japan) und Biogen (USA) getestet.

Wie wirkt Lecanemab?

Lecanemab wirkt auf Grundlage einer passiven Immunisierung. Es handelt sich also um einen Antikörper, der sich gegen ein Ziel richtet – in diesem Fall das für die Alzheimer-Krankheit charakteristische Eiweiß Beta-Amyloid. Aus diesem bestehen die Ablagerungen im Gehirn, die mit der Zerstörung der Nervenzellen in Verbindung gebracht werden.

Wie ist Lecanemab im Vergleich zu bereits erhältlichen Alzheimer-Medikamenten zu bewerten?

Bislang gibt es in der medikamentösen Therapie der Alzheimer-Erkrankung keine Medikamente, die auf die grundlegenden Mechanismen der Erkrankung einwirken. Die bisherigen Medikamente stimulieren die Hirnleistung, darüber hinaus können Begleiterscheinungen der Erkrankung, zum Beispiel eine Depression, behandelt werden. Lecanemab setzt dagegen an den für die Alzheimer-Krankheit charakteristischen Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn an.

An welche Patienten richtet sich Lecanemab?

Der Wirkstoff richtet sich ausschließlich an Patienten in einem frühen Krankheitsstadium, die bislang nur geringe Einbußen ihrer geistigen Leistungsfähigkeit haben.

Wie weit ist die Entwicklung vorangeschritten?

Kleinere Studien, in denen es hauptsächlich um die optimale Dosierung und das Aufspüren von Nebenwirkungen ging, zeigten auch positive Auswirkungen auf die Gedächtnisleistung. Allerdings war die Auswertung der Daten sehr umstritten. Eine Phase-3-Studie, deren wichtigste Resultate Ende September 2022 veröffentlicht wurden, hatte ein positives Ergebnis. Die Kognition der mit Lecanemab behandelten Probandinnen und Probanden verschlechterte sich weniger als die der Placebogruppe. Allerdings ist der Effekt von Lecanemab mit 27 Prozent weniger Verschlechterung nach 18 Monaten als eher moderat einzustufen. Positiv ist zu vermerken, dass Nebenwirkungen wie zum Beispiel Hirnschwellungen weniger oft auftraten als in Studien zuvor mit vergleichbaren Wirkstoffen. Für eine umfassende Einschätzung ist ein tieferer Blick in die Studienergebnisse nötig. Weitere Daten werden für Ende November 2022 erwartet.

Hat Lecanemab Nebenwirkungen?

In den bisherigen Studien wurde als Nebenwirkung eine leichte Schwellung des Gehirns beobachtet. Diese trat bei hoher Dosierung bei etwa 20 Prozent der Probanden auf, verlief aber bei den meisten Probanden ohne Symptome. Allerdings müssen Hirnschwellungen engmaschig kontrolliert werden, damit es nicht zu gefährlichen Komplikationen wie einer Hirnblutung kommt.

Wie stehen die Chancen für eine Zulassung?

Die Chance auf eine Zulassung ist nach dem positiven Ergebnis der Phase-3-Studie deutlich gestiegen. Ob ein Zulassungsantrag bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA gestellt werden darf, entscheidet sich bis Januar 2023. Es gilt als sicher, dass die Hersteller auch ein beschleunigtes Zulassungsverfahren in Europa anstreben. Bis der Wirkstoff in Europa auf den Markt kommen könnte, wird aber voraussichtlich noch ein Jahr vergehen.

Kann Lecanemab die Alzheimer-Krankheit heilen?

Nein, Lecanemab kann Alzheimer weder heilen noch den Krankheitsverlauf stoppen. Ziel ist eine Verzögerung der kognitiven Einbußen. Diese belief sich einer großen Phase-3-Studie auf 27 Prozent nach 18 Monaten.

Kann ich Lecanemab kaufen oder mir vom Arzt verschreiben lassen?

Nein, Lecanemab ist bislang ein experimenteller Wirkstoff, der ausschließlich in wissenschaftlichen Studien verwendet wird. Deshalb ist Lecanemab auch nicht erhältlich.

*Alle Fakten wurden gründlich recherchiert, dennoch kann keine Gewähr übernommen werden. Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) unterhält keine Beziehungen zu den Pharmakonzernen Eisai und Biogen.

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