Wie wird eine Demenz diagnostiziert?
Um die Alzheimer-Krankheit oder eine andere Form der Demenz möglichst sicher zu diagnostizieren, sind mehrere Termine und ärztliche Untersuchungen notwendig.
- Im ersten Schritt werden durch unterschiedliche Untersuchungen die Beschwerden und Symptome diagnostiziert, unter anderem mit kognitiven Tests.
- Im zweiten Schritt wird nach den Ursachen der Beschwerden gesucht, wobei bildgebende Verfahren, Blutuntersuchungen und teilweise auch Nervenwasseruntersuchungen zum Einsatz kommen.
Wir zeigen, wie eine Demenzdiagnose im Einzelnen abläuft.

Die wichtigsten Schritte der Demenzdiagnose
Eine Demenzdiagnose besteht in der Regel aus mehreren Bausteinen:
- ärztliches Gespräch und körperliche Untersuchung
- kognitive Tests, zum Beispiel MMST, DemTect oder MoCA
- bildgebende Verfahren wie MRT oder CT
- Laboruntersuchungen und bei Alzheimer-Verdacht eventuell Liquor- oder Bluttests
- Abklärung, welche Demenzform vorliegt
Mehr zu den einzelnen Verfahren finden Sie in den folgenden Abschnitten.
Inhalt
Wie diagnostizieren Ärztinnen und Ärzte eine Demenzerkrankung?
Welche Untersuchungen helfen, Demenzformen zu unterscheiden?
Lebenserwartung nach der Demenzdiagnose
Wie diagnostizieren Ärztinnen und Ärzte eine Demenzerkrankung?
Die meisten Demenzerkrankungen beginnen schleichend und viele bleiben lange unbemerkt. Wenn sich das Gedächtnis oder andere kognitive Fähigkeiten dauerhaft und auffällig verschlechtern, ist die erste Anlaufstelle meist die hausärztliche Praxis. Dort kann bei Bedarf eine Überweisung an spezialisierte Praxen oder eine Gedächtnisambulanz erfolgen.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Zunächst findet ein ärztliches Gespräch statt: Die Ärztin oder der Arzt fragt nach aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und möglichen Risikofaktoren. Im Anschluss folgt eine allgemeine körperliche Untersuchung.
Ausführliche Informationen finden Sie auf unserer Seite Ärztliches Gespräch bei Demenzverdacht.
Kognitive Tests
Kognitive oder neuropsychologische Tests können wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer Demenzerkrankung geben. Typisch für diese Tests ist, dass die Aufgaben für gesunde Menschen oft einfach erscheinen, für Menschen mit Demenz jedoch eine Herausforderung sein können.
Einen Überblick über Demenztests wie Uhrentest, MMST, DemTect oder MoCa finden Sie auf unserer Seite Kognitive Tests bei der Demenzdiagnose.

2020 Gligatron/Shutterstock
Verdacht auf Demenz: Was tun, wenn jemand den Arztbesuch ablehnt?
Es kommt häufig vor, dass Menschen einen Arztbesuch ablehnen – aus Unsicherheit, Angst vor einer unangenehmen Information oder auch weil sie die Veränderungen nicht bemerken.
Welche Strategien in dieser Situation helfen können, lesen Sie auf unserer Themenseite Wenn Menschen mit Demenz keine Hilfe annehmen möchten.
Bildgebende Verfahren und Nervenwasseruntersuchung
Ergeben die Anamnese und die kognitiven Tests Auffälligkeiten, können im nächsten Schritt bildgebende Verfahren wie MRT oder CT eingesetzt werden. Sie helfen unter anderem dabei, andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen, zum Beispiel einen Tumor oder Durchblutungsstörungen.
Mehr dazu lesen Sie auf usnerer Seite Bildgebende Verfahren bei der Demenzdiagnose.
Welche Untersuchungen helfen, Demenzformen zu unterscheiden?
Welche weiteren Untersuchungen sinnvoll sind, hängt von der vermuteten Demenzform ab. Bei der Alzheimer-Diagnostik steht der Nachweis bestimmter Biomarker im Vordergrund – etwa im Nervenwasser (Liquor) oder Blut. Bei anderen Demenzformen kommen teilweise andere Verfahren zum Einsatz.
Einige Beispiele:
- Alzheimer-Krankheit: Der Nachweis bestimmter Biomarker kann die Diagnose unterstützen absichern. Dazu gehören Amyloid-Beta und Tau-Proteine, die im Nervenwasser (Liquor) untersucht werden können. Für eine Behandlung mit Antikörpern wie Leqembi und Kisunla ist der Nachweis von Amyloid-Ablagerungen eine zentrale Voraussetzung.
- Frontotemporale Demenz: Bildgebende Verfahren wie die MRT sind besonders wichtig, um typische Veränderungen im Stirn- oder Schläfenlappen zu erkennen. Bei unklarem Befund können PET- oder SPECT-Untersuchungen sinnvoll sein. Wenn es Hinweise auf eine familiäre Form gibt, kann auch eine genetische Beratung empfohlen werden.
- Lewy-Körperchen-Demenz: Hier achten Ärztinnen und Ärzte besonders auf typische Symptome wie optische Halluzinationen, Schwankungen der Aufmerksamkeit, Bewegungsstörungen oder Schlafstörungen. Zusätzliche Untersuchungen, zum Beispiel zur Beweglichkeit oder zum Schlafverhalten, können helfen. Auch spezielle bildgebende Verfahren wie DAT-SPECT oder MIBG-Szintigrafie können eingesetzt werden.
- Vaskuläre Demenz: MRT- oder CT-Aufnahmen spielen eine wichtige Rolle, weil sie Durchblutungsstörungen, Gefäßveränderungen oder Folgen von Schlaganfällen sichtbar machen können. Entscheidend ist, ob die Veränderungen im Gehirn zu den beobachteten kognitiven Einschränkungen passen. Auch Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes werden bei der Abklärung berücksichtigt.
Auch neuropsychologische Testverfahren können helfen, Demenzformen voneinander zu unterscheiden. Eine möglichst genaue Diagnose ist wichtig, weil sich Behandlung, Verlauf und Unterstützungsbedarf je nach Demenzform unterscheiden können.
Lässt sich Alzheimer im Blut erkennen?
Dank der Fortschritte in der Forschung ist es mittlerweile möglich, die Alzheimer-Krankheit auch per Bluttest zu erkennen. Allerdings können Bluttests die etablierten Diagnoseverfahren bislang noch nicht ersetzen. Sie werden ergänzend zu Liquoruntersuchungen und/oder bildgebenden Verfahren eingesetzt.
Lesen Sie mehr zum aktuellen Stand der Entwicklung von Alzheimer-Bluttests.
Lebenserwartung nach der Demenzdiagnose
Wie lange Menschen nach einer Demenzdiagnose leben, ist individuell sehr unterschiedlich. Alter, Geschlecht, Demenzform, bestehende Erkrankungen und die allgemeine körperliche Verfassung spielen dabei eine wichtige Rolle.
Eine große niederländische Studie kam auf eine durchschnittliche Lebenserwartung von 4,8 Jahren nach der Diagnose. Dieser Wert ist jedoch nur ein Durchschnitt: Manche Menschen leben deutlich kürzer, andere viele Jahre länger.
Die Diagnose kann ein wichtiger Zeitpunkt sein, um die nächsten Jahre zu planen – medizinisch, rechtlich und praktisch. Dazu gehören zum Beispiel Unterstützung im Alltag, rechtliche Vorsorge bei Demenz sowie die Frage, welche Wohn- und Pflegeform später passend sein könnte.

kzenon/Canva
Warum eine frühe Diagnose hilft
Gedächtnisprobleme, Sprachstörungen oder Orientierungsschwierigkeiten verunsichern viele Menschen. Manche verbergen oder überspielen ihre Schwierigkeiten, nicht selten werden sie dabei von engen Angehörigen unterstützt. Dennoch ist es wichtig, Symptome, die auf eine Demenz hindeuten können, immer ärztlich abklären zu lassen.
Zum einen weil Symptome wie Vergesslichkeit oder Orientierungsprobleme auch heilbare Ursachen haben können, zum Beispiel einen Altershirndruck, einen Tumor oder eine Depression.
Zum anderen bringt eine frühe Diagnose auch bei unheilbaren Erkrankungen wie Alzheimer wichtige Vorteile:
- Behandlungsmöglichkeiten prüfen: Nur eine frühe Abklärung ermöglicht es, zu prüfen, ob Medikamente wie Leqembi oder Kisunla infrage kommen. Diese Therapien sind nur im frühen Krankheitsstadium möglich. Auch andere medikamentöse und nicht-medikamentöse Behandlungen sind wirksamer, wenn sie frühzeitig beginnen.
- Selbstbestimmt entscheiden: Menschen mit Demenz können wichtige Fragen noch selbst regeln – etwa zu Finanzen, Vorsorgevollmacht, Betreuung oder der späteren Wohnsituation.
- Den Alltag vorbereiten: Es bleibt mehr Zeit, Routinen aufzubauen, die Wohnung zu sichern und Unterstützung im Alltag zu organisieren.
- Wünsche verwirklichen: Die Zeit nach der Diagnose kann genutzt werden, um persönliche Wünsche, besondere Erlebnisse oder Reisen zu planen und umzusetzen.
Wie es nach einer Diagnose weitergehen kann, lesen Sie auf unserer Seite Nach der Demenz-Diagnose: Was jetzt wichtig ist.

ngampolthongsai/Canva
Die Zukunft der Demenzdiagnostik
Weltweit arbeiten Forschende daran, Demenzerkrankungen wie Alzheimer früher und genauer zu erkennen.
Ein wichtiges Ziel ist es, Alzheimer bereits in einem sehr frühen Stadium nachzuweisen früher zu erkennen – also dann, wenn die Symptome noch mild sind oder noch gar nicht bemerkt werden. So können erkrankte Menschen künftig früher behandelt und besser begleitet werden.
Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld ist die bessere Unterscheidung verschiedener Demenzformen.
Die Alzheimer-Krankheit lässt sich heute mithilfe von Biomarkern deutlich zuverlässiger diagnostizieren als früher. Bei anderen, seltenere Demenzformen bleibt die Diagnose jedoch oft schwierig – zum Beispiel bei der Frontotemporalen Demenz oder der Chronisch Traumatischen Enzephalopathie (CTE), die mit wiederholten Kopfverletzungen in Verbindung steht.
Die Forschung arbeitet daran, auch solche Erkrankungen früher und genauer zu erkennen. Das ist wichtig, weil sich Symptome, Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten je nach Demenzform unterscheiden können. Eine möglichst genaue Diagnose hilft Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen, sich besser auf die Erkrankung einzustellen und passende Unterstützung zu finden.

HEIKO BARG
AFI-Forschung zur Frühdiagnostik:
Ein von der AFI gefördertes Forschungsprojekt am Uniklinikum Aachen untersuchte, wie sich Alzheimer und Frontotemporale Demenz mithilfe von Stoffwechselvorgängen besser unterscheiden lassen.
Mehr dazu lesen Sie im Projekt Analyse von Stoffwechselvorgängen zur verbesserten Differentialdiagnose von Alzheimer und Frontotemporaler Demenz.
Weitere Informationen zum Thema
Behandlung und Therapien
Was hilft bei einer Alzheimer-Erkrankung?
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Alles zu Ursachen, Formen und Therapien
Nach der Diagnose
Wichtige erste Schritte für Angehörige
Quellen
DGN e. V. and DGPPN e. V., editors. “S3-Leitlinie Demenzen, Version 5.1.” AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, 28 Feb. 2025. Accessed 6 June 2025.
“Time to Nursing Home Admission and Death in People with Dementia: Systematic Review and Meta-Analysis.” BMJ, vol. 388, 2025, e080636. Accessed 6 June 2025.

Autorin
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing
hat sich nach ihrem Studium der Biochemie an der Uni Düsseldorf während ihrer Doktorarbeit auf Amyloide spezialisiert. Seit 2024 leitet sie bei der AFI die Abteilung Wissenschaft.






