Lewy-Körperchen-Demenz –
Ursachen, Symptome, Verlauf und Behandlung
Die Lewy-Körperchen-Demenz (auch Lewy-Body-Demenz, kurz LBD) ist eine Form der Demenz, die durch Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuclein in den Nervenzellen des Gehirns gekennzeichnet ist.
Typisch für die Erkrankung sind starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit, visuelle Halluzinationen und Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen.
Im Alltag zeigt sich die Erkrankung häufig dadurch, dass Menschen innerhalb kurzer Zeit zwischen klaren und stark verwirrten Phasen wechseln. Diese ausgeprägten Schwankungen gelten als charakteristisch für die Lewy-Körperchen-Demenz.
Männer erkranken häufiger als Frauen: Rund zwei Drittel der Erkrankten sind männlich.

Joanna Nottebrock/AFI
Kurz & Knapp
- Die Lewy-Körperchen-Demenz gehört zu den häufigeren Demenzformen und tritt meist nach dem 60. Lebensjahr auf.
- Typisch sind starke Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit: Phasen mit klarer Orientierung wechseln sich mit Verwirrtheit oder Schläfrigkeit ab.
- Visuelle Halluzinationen und Bewegungsstörungen sind häufige frühe Anzeichen.
- Im Unterschied zur Alzheimer-Krankheit stehen Gedächtnisstörungen zu Beginn nicht im Vordergrund.
- Die Erkrankung verläuft fortschreitend, häufig jedoch unregelmäßig und in Phasen.
- Eine Heilung ist derzeit nicht möglich, Behandlungen können jedoch Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern.
- Bekannt wurde die Krankheit unter anderem durch den Schauspieler Robin Williams, bei dem Lewy-Body-Demenz erst nach dem Tod festgestellt wurde.
Inhalt
Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz
Verlauf und Lebenserwartung bei Lewy-Körperchen-Demenz
Wie wird Lewy-Körperchen-Demenz diagnostiziert?
Die Unterschiede: Lewy-Körperchen-Demenz vs. Parkinson-Demenz
Symptome der Lewy-Körperchen-Demenz
Typische Symptome der Lewy-Körperchen Demenz sind:
- starke Schwankungen der Aufmerksamkeit und Konzentration
- visuelle Halluzinationen, zum Beispiel Menschen oder Tiere sehen, die nicht da sind
- Parkinson-ähnliche Bewegungsstörungen wie Zittern oder Muskelsteifheit
- verlangsamtes Denken
- Schlafstörungen, insbesondere eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung (Ausagieren von Träumen).
Die Symptome ähneln teilweise denen der Parkinson und der Alzheimer-Krankheit. Zu Beginn stehen meist Probleme mit Aufmerksamkeit, Orientierung und Planung im Vordergrund.
Die geistige Leistungsfähigkeit kann stark schwanken: Phasen mit klarer Orientierung wechseln sich mit Verwirrtheit oder Schläfrigkeit ab. Diese Wechsel können innerhalb weniger Stunden auftreten.
Halluzinationen und Wahrnehmungsstörungen
Halluzinationen treten häufig bereits früh auf. Typisch sind visuelle Halluzinationen, bei denen Menschen, Tiere oder Gegenstände gesehen werden, die nicht vorhanden sind.
Für die erkrankte Person sind diese Wahrnehmungen real, auch wenn sie für Außenstehende schwer nachvollziehbar sind. Sie können Angst auslösen, aber auch neutral oder sogar angenehm erlebt werden. Mehr zu Halluzinationen bei Demenz.
Bewegungsstörungen und körperliche Symptome
Neben den kognitiven Veränderungen treten häufig körperliche Symptome auf, die an die Parkinson-Krankheit erinnern. Dazu gehören Muskelsteifheit, Zittern und ein unsicherer Gang.
Auch die Körperhaltung kann sich verändern, zum Beispiel durch eine nach vorne geneigte Haltung, was mit einer erhöhten Sturzgefahr einhergehen kann.

KI-generiert
Warum sehen Menschen mit Demenz Dinge oder Personen, die nicht da sind?
Menschen mit Demenz sehen Dinge oder Personen, die nicht da sind, weil die Verarbeitung von Sinneseindrücken im Gehirn gestört ist: Bereiche, die für Sehen und Aufmerksamkeit zuständig sind, arbeiten nicht mehr richtig zusammen.
Das Gehirn „füllt“ dann fehlende oder unklare Informationen mit eigenen Bildern auf – ähnlich wie bei sehr lebhaften Vorstellungen oder Träumen im Wachzustand. Dadurch entstehen real wirkende Halluzinationen, obwohl kein entsprechender Reiz von außen vorhanden ist.
Verlauf der Lewy-Körperchen-Demenz
Schwankender Verlauf der Erkrankung
Die Lewy-Körperchen-Demenz verläuft fortschreitend, jedoch oft nicht gleichmäßig. Die Beschwerden können im Tagesverlauf oder von Tag zu Tag deutlich schwanken.
Frühe Phase und erste Anzeichen
Ein typisches frühes Anzeichen ist eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung. Dabei bleibt die normalerweise einsetzende Muskelentspannung aus, sodass Träume motorisch ausgelebt werden: Menschen treten, schlagen oder verändern während des Träumens ihre Position im Bett stark. Häufig kommt es vor, dass sie mit dem Kopf am Fußende aufwachen.
Zu Beginn der eigentlichen Erkrankung zeigen sich häufig unspezifische Veränderungen wie Konzentrationsprobleme, leichte Orientierungsschwierigkeiten oder erste Halluzinationen. Auch körperliche Symptome wie Unsicherheit beim Gehen können früh auftreten. In dieser Phase ist die Erkrankung nicht immer leicht zu erkennen.

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Fortschreitende Symptome
Im weiteren Verlauf nehmen kognitive und körperliche Einschränkungen zu. Aufmerksamkeit und Orientierung lassen nach. Bewegungsstörungen, Sprachprobleme, Gedächtnisstörungen und Schluckstörungen treten häufiger auf. Auch das Verhalten kann sich verändern. Emotionen lassen sich schwerer steuern, was sich in Unruhe, Reizbarkeit oder plötzlichen Gefühlsausbrüchen äußern kann.
Spätes Stadium
Im fortgeschrittenen Stadium der Lewy-Körperchen-Demenz geht die Selbstständigkeit zunehmend verloren. Die erkrankte Person ist auf umfassende Unterstützung angewiesen und reagiert oft weniger auf ihre Umgebung. Häufige Todesursachen sind Infektionen und Lungenentzündungen.
Mehr zur Sterbephase bei Demenz.
Wie wird Lewy-Körperchen-Demenz diagnostiziert?
Wie bei der Diagnostik anderer Demenzformen muss ein fortschreitender Abbau kognitiver Funktionen gegeben sein, die die Alltagsaktivitäten beeinträchtigt. Zur Diagnose werden körperliche und neurolopsychologische Untersuchungen durchgeführt. Dabei wird geprüft, ob die Beschwerden zu einer Lewy-Körperchen-Demenz passen.
Dazu gehören insbesondere:
- wiederkehrende Halluzinationen
- motorische Störungen
- ein oder mehrere typische Parkinson-Symptome wie verlangsamte Bewegungen (Bradykinese), Zittern in Ruhe (Ruhetremor) oder Muskelsteife (Rigor)
Tests und typische Auffälligkeiten
In neuropsychologischen Tests zeigen sich häufig Auffälligkeiten in Aufmerksamkeit, Planung und räumlichem Denken, während das Gedächtnis zu Beginn oft weniger betroffen ist. Als geeignet für die Diagnostik gelten der MoCA-Test sowie der PANDA-Test, der für Parkinson-Erkrankte entwickelt wurde. Für die Verlaufskontrolle wird oft der MMST (Mini-Mental-Status-Test) genutzt.
In frühen Stadien lässt sich die Lewy-Körperchen-Demenz oft gut von Alzheimer unterscheiden: Visuelle Halluzinationen treten häufiger auf, während Gedächtnisstörungen weniger im Vordergrund stehen. Im späteren Verlauf verschwimmen diese Symptome allerdings zwischen den verschiedenen Krankheiten.
Bildgebung und weitere Verfahren
Magnetresonanztomographie und Computertomographie werden genutzt, um andere Erkrankungen als Ursache für die Symptome auszuschließen.
Eine Dopamintransporter-SPECT kann Veränderungen im dopaminergen System sichtbar machen und die Diagnose unterstützen. Dabei wird insbesondere der Funktionszustand der dopaminergen Nervenzellen, zum Beispiel in der Substantia nigra, indirekt abgebildet.
Bei Menschen mit Morbus Parkinson oder Lewy-Körperchen-Demenz ist die Nervenfunktion am Herzen reduziert. Dies kann mithilfe des nuklearmedizinischen Verfahrens MIBG-Szintigraphie nachgewiesen werden.
Eine Amyloid-PET-Untersuchung ist zur Abgrenzung von Alzheimer nur eingeschränkt geeignet, da rund die Hälfte der Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz auch Amyloid-Ablagerungen aufweisen.
Gedächtnisambulanzen helfen weiter
Gedächtnisambulanzen oder -sprechstunden sind spezialisiert auf die Abklärung von Demenzsymptomen.
Sie sind auch bei Verdacht auf seltenere Demenzformen die richtige Anlaufstelle.
Lewy-Körperchen-Demenz vs. Parkinson-Demenz
Die Lewy-Körperchen-Demenz und die Demenz bei Parkinson sind sich in vielerlei Hinsicht ähnlich. Beide Erkrankungen gehen mit kognitiven und motorischen Einschränkungen einher.
Ein wichtiger Unterschied liegt im Zeitpunkt der Symptome:
- Bei der Lewy-Körperchen-Demenz treten kognitive und motorische Beschwerden meist gleichzeitig auf. Dazu gehören zum Beispiel Aufmerksamkeitsschwankungen, Halluzinationen und Bewegungsstörungen.
- Bei der Parkinson-Demenz stehen zunächst die motorischen Symptome im Vordergrund. Erst Jahre später entwickeln sich zusätzlich kognitive Einschränkungen.
Auch die Verteilung der Proteinablagerungen im Gehirn unterscheidet sich. Bei der Parkinson-Demenz sind vor allem Bereiche betroffen, die für die Motorik zuständig sind. Bei der Lewy-Körperchen-Demenz sind zusätzlich Hirnregionen beteiligt, die für Wahrnehmung und Denken wichtig sind.
Wo liegen die Ursachen für die Lewy-Körperchen-Demenz?
Die Lewy-Körperchen-Demenz entsteht durch Ablagerung des Proteins Alpha-Synuclein in den Nervenzellen des Gehirns. Diese Ablagerungen stören die Kommunikation zwischen den Nervenzellen.
Lewy-Körperchen schädigen Nervenzellen
Proteinreste aus Alpha-Synclein werden nicht mehr richtig abgebaut und bilden schädliche Einschlüsse in den Nervenzellen. Diese so genannten Lewy-Körperchen lagern sich in verschiedenen Bereichen des Gehirns ab - unter anderem in der Substantia Nigra - und führen dort zum Absterben von Nervenzellen. Da dieser Teil des Gehirns für Motorik und die Produktion des Hormons Dopamin verantwortlich ist, das eine wichtige Rolle im Belohnungssystem spielt, kommt es bei einer Schädigung zu Bewegungsstörungen sowie häufig zu Veränderungen von Motivation und Stimmung.
Keine eindeutig gesicherten Ursachen
Im Vergleich zur Alzheimer-Krankheit tritt die Lewy-Körperchen-Demenz meist etwas früher auf, häufig ab etwa dem 60. Lebensjahr. Die genauen Ursachen sind bislang nicht vollständig geklärt. Vermutlich wirken mehrere Faktoren zusammen.
Aktuelle Studien zeigen, dass neben genetischen Faktoren auch Alter und verschiedene frühe Veränderungen im Körper eine Rolle spielen können. Dazu gehören zum Beispiel Veränderungen in Bewegung, Schlaf, Stimmung oder Geruchssinn, die schon Jahre vor der Erkrankung auftreten können.
Auch Veränderungen im Verhalten, wie Depressionen oder Halluzinationen, sowie körperliche Symptome wie Schlafstörungen oder Gangunsicherheit können frühe Hinweise auf die Erkrankung sein.

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Ist Lewy-Körperchen-Demenz vererbbar?
Die Lewy-Körperchen-Demenz ist in der Regel keine klassische Erbkrankheit. In den meisten Fällen tritt sie nicht familiär gehäuft auf.
Es gibt auch genetische Faktoren, die das Risiko für die Erkrankung erhöhen können, zum Beispiel bestimmte Genvarianten wie ApoE4, SNCA und GBA. Diese stehen im Zusammenhang mit der Verarbeitung des Proteins Alpha-Synuclein. Sie führen jedoch nicht direkt zur Erkrankung, sondern erhöhen lediglich das Risiko zu erkranken.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Lewy-Körperchen-Demenz ist bislang nicht heilbar. Ziel der Behandlung ist es, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.
Medikamentöse Behandlung
Für die Lewy-Körperchen-Demenz gibt es keine speziell zugelassenen Medikamente. Es werden jedoch Wirkstoffe eingesetzt, die auch bei Alzheimer oder Parkinson verwendet werden.
- Rivastigmin oder Donepezil können zur Behandlung der Demenz eingesetzt werden. Die Wirkung ist in der Regel begrenzt, jedoch können beide Wirkstoffe die geistige Leistungsfähigkeit etwas verbessern und Beschwerden wie Antriebslosigkeit oder Wahnvorstellungen verringern.
- Bewegungsstörungen können mit dem Parkinson-Medikament Levodopa in niedriger Dosierung verbessert werden. Die Wirkung ist jedoch oft geringer als bei der Parkinson-Krankheit. Zudem können sich Halluzinationen dadurch verstärken.
- Bei Halluzinationen oder Wahnvorstellungen ist besondere Vorsicht nötig: Viele Antipsychotika werden von Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz schlecht vertragen. In manchen Fällen können bestimmte Medikamente wie Clozapin oder Quetiapin eingesetzt werden, dies muss jedoch sorgfältig ärztlich abgewogen werden. Dabei ist zu beachten, dass sich die motorischen Symptome verschlechtern können. Die Behandlung muss daher eng ärztlich begleitet werden.
- Depressive Episoden können mit einer Kombination aus spezieller Psychotherapie und Antidepressiva behandelt werden.

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Nicht-medikamentöse Behandlung
Nicht-medikamentöse Maßnahmen spielen eine zentrale Rolle in der Behandlung. Sie können dazu beitragen, Fähigkeiten länger zu erhalten und den Alltag zu erleichtern.
Dazu gehören unter anderem Ergo- und Physiotherapie, Gedächtnistraining sowie Musik- und Kunsttherapie. Im Alltag sollte darauf geachtet werden, dass die erkrankte Person gut schläft, sich sicher in der Wohnung bewegen kann und einen möglichst klar strukturierten Tagesablauf hat.

Unterstützung für Angehörige bei Lewy-Körperchen-Demenz
Die Betreuung von Menschen mit Lewy-Körperchen-Demenz kann herausfordernd sein. Unser kostenloser Ratgeber richtet sich an Angehörige von Menschen mit Demenz und bietet praktische Tipps für den Alltag im Umgang mit der Erkrankung.
kostenfrei
100 Seiten, 2025

Autorin
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing
hat sich nach ihrem Studium der Biochemie an der Uni Düsseldorf während ihrer Doktorarbeit auf Amyloide spezialisiert. Seit 2024 leitet sie bei der AFI die Abteilung Wissenschaft.
Quellen
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), und Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). S3-Leitlinie Demenzen: Living Guideline – Langfassung. Version 6.0, 24. Feb. 2026.
Dodel, Richard, et al. “Demenz mit Lewy-Körpern: alte und neue Erkenntnisse – Teil 1: Klinik und Diagnostik.” Der Nervenarzt, vol. 95, 2024, pp. 353–361. Springer, https://doi.org/10.1007/s00115-023-01576-3 .
Mehraram, Ramtin, et al. “Functional and Structural Brain Network Correlates of Visual Hallucinations in Lewy Body Dementia.” Brain, vol. 145, no. 6, 2022, pp. 2190–2205. Oxford University Press, https://doi.org/10.1093/brain/awac094 .
Ratnavel, A., et al. “Risk Factors and Predictors for Lewy Body Dementia: A Systematic Review.” npj Dementia, vol. 1, 2025, article 20. Nature Publishing Group, https://doi.org/10.1038/s44400-025-00022-2 .
Letzte Aktualisierung: März 2026



