Medikamentöse Therapie

Medikamente bei Alzheimer

Die Alzheimer-Krankheit ist bislang nicht heilbar. Es gibt jedoch Medikamente, die den Krankheitsverlauf verlangsamen und bestimmte Symptome lindern können.

Je nach Stadium und Beschwerden kommen verschiedene Wirkstoffe in Frage. Dazu gehören sowohl Medikamente gegen den geistigen Abbau als auch Mittel gegen psychische oder Verhaltenssymptome.

Ein neuer Ansatz sind Antikörper-Medikamente, die direkt an einer der möglichen Krankheitsursache ansetzen. Seit September 2025 ist Leqembi (Lecanemab) in Deutschland erhältlich, Kisunla (Donanemab) ist ebenfalls bereits in der EU zugelassen.

Im Folgenden finden Sie einen Überblick über die medikamentösen Therapien bei Alzheimer.

Antikörper-Wirkstoffe: Frühzeitig eingreifen

Antikörper-Medikamente richten sich gegen eine mögliche Ursache der Alzheimer-Krankheit: schädliche Proteinablagerungen im Gehirn, sogenannte Amyloid-Plaques. Durch die gezielte Entfernung dieser Ablagerungen soll der geistige Abbau im Frühstadium verlangsamt werden.

Leqembi (Wirkstoff: Lecanemab) war das erste in der EU zugelassene Antikörper-Medikament zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit, kurz darauf wurde auch Kisunla (Wirkstoff: Donanemab) zugelassen. Beide sind seit Herbst 2025 in Deutschland erhältlich.

Leqembi und Kisunla richten sich ausschließlich an Menschen im frühen Alzheimer-Stadium, also bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder beginnender Demenz. Vor Beginn der Behandlung sind ein Gentest sowie der Nachweis von Amyloid-Ablagerungen (Liquoruntersuchung oder PET-Scan) erforderlich.

Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Zentren. Leqembi wird alle zwei Wochen als Infusion verabreicht, Kisunla alle vier Wochen. Zusätzlich gelten Sicherheitsauflagen wie MRT-Kontrollen und die Teilnahme an einem EU-weiten Register.

Alle Infos zu den neuen Antikörper-Medikamenten

Antidementiva: Gegen die Demenzsymptome

Antidementiva können helfen, den geistigen Abbau zu verlangsamen und die Selbstständigkeit länger zu erhalten. Es gibt zwei Wirkstoffgruppen, die je nach Stadium der Erkrankung zur Anwendung kommen: Acetylcholinesterase-Hemmer und Glutamat-Antagonisten.

Acetylcholinesterase-Hemmer

Diese Medikamente verbessern die Signalübertragung im Gehirn, indem sie den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin hemmen. Sie kommen bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz zum Einsatz. Auf dem Markt sind aktuell:

  • Donepezil (z. B. Aricept®)
  • Rivastigmin (z. B. Exelon®) – auch als Pflaster
  • Galantamin (z. B. Reminyl®)

Glutamat-Antagonisten

Memantin wird bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz verordnet. Es schützt Nervenzellen vor einer Überstimulation durch Glutamat, einen wichtigen Botenstoff im Gehirn.

Mögliche Nebenwirkungen von Antidementiva sind unter anderem Übelkeit, Durchfall, Schwindel oder Unruhe. Die Behandlung sollte regelmäßig ärztlich überprüft und individuell angepasst werden.

Ginkgo biloba

Neben Antidementiva kann auch der pflanzliche Wirkstoff Ginkgo biloba zur Unterstützung der kognitiven Funktionen eingesetzt werden. Der Extrakt aus den Blättern des Ginkgo-Baums gilt als gut verträglich, kann aber Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Deshalb sollte die Einnahme immer ärztlich abgeklärt werden.

Laut der aktuellen S3-Leitlinie Demenzen gibt es Hinweise auf eine Wirksamkeit bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz. Eine vorbeugende Wirkung konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Neuroleptika: Verhaltenssymptome lindern

Neuroleptika werden bei bestimmten Begleiterscheinungen der Alzheimer-Krankheit eingesetzt. Dazu gehören herausfordernde Verhaltensweisen wie plötzliche Wutausbrüche sowie Halluzinationen und Wahnvorstellungen.

Wegen möglicher Nebenwirkungen ist der Einsatz von Neuroleptika mit Vorsicht zu bewerten. Die Behandlung sollte sich immer am tatsächlichen Nutzen für die Menschen mit Demenz und sein Umfeld orientieren. Da im Verlauf der Erkrankung die behandelten Symptome wieder abklingen können, muss regelmäßig überprüft werden, ob eine Einnahme noch notwendig ist.

Mehr zu den Symptomen von Alzheimer im Krankheitsverlauf

Antidepressiva: Depressionen behandeln

Depressionen treten bei Menschen mit Demenz häufig auf und sollten behandelt werden, da sie sich negativ auf die Lebensqualität und die geistige Leistungsfähigkeit auswirken können. Eine genaue Diagnose ist wichtig, um eine Depression von einer beginnenden Demenz zu unterscheiden.

Zur Behandlung depressiver Verstimmungen können neben Psychotherapie und anderen nicht-medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten auch Antidepressiva eingesetzt werden.

Empfohlene Antidepressiva

Die S3-Leitlinie Demenzen von Februar 2025 empfiehlt zur Behandlung von Depressionen bei Alzheimer-Demenz den Einsatz von Mirtazapin oder Sertralin.

Die Auswahl des Medikaments sollte individuell erfolgen, da manche Antidepressiva unerwünschte Nebenwirkungen haben können – zum Beispiel ein erhöhtes Sturzrisiko oder eine verstärkte Blutungsneigung. Deshalb wird eine regelmäßige ärztliche Kontrolle empfohlen, um Wirkung und Verträglichkeit zu überprüfen.

Bestimmte Medikamente wie trizyklische Antidepressiva, Venlafaxin oder Paroxetin werden nicht empfohlen, da sie mit ungünstigen Nebenwirkungen verbunden sein können.

Lesen Sie mehr zu Depressionen bei Demenzerkrankungen

Nicht-medikamentöse Unterstützung

Neben Medikamenten können kognitive Verhaltenstherapie, Bewegungstherapie oder Musiktherapie helfen, depressive Symptome zu lindern. Insbesondere Bewegungstherapie in Gruppen wird in den Leitlinien als wirksam empfohlen.

Lesen Sie mehr über nicht-medikamentöse Therapien bei Alzheimer

Medikamente gegen Alzheimer im Überblick

Wirkstoff Krankheitsstadium Mögliche Nebenwirkungen
Lecanemab (Leqembi) Frühstadium (MCI, leichte Demenz) Hirnschwellungen oder Blutungen (ARIA), Kopfschmerzen
Donanemab (Kisunla) Frühstadium (MCI, leichte Demenz) Hirnschwellungen oder Blutungen (ARIA), Kopfschmerzen
Donepezil Leicht bis mittelschwer Durchfall, Übelkeit, Erbrechen
Rivastigmin Leicht bis mittelschwer Appetitlosigkeit, Schwindel, Übelkeit
Galantamin Leicht bis mittelschwer Durchfall, Übelkeit, Erbrechen
Memantin Mittelschwer bis schwer Schwindel, Kopfschmerzen, Bluthochdruck
Ginkgo biloba Leicht bis mittelschwer Magen-Darm-Beschwerden, Hautausschlag

Palliative Versorgung bei Alzheimer

Palliative Versorgung kann Menschen mit Alzheimer in allen Krankheitsphasen entlasten – nicht nur am Lebensende. Seit Februar 2025 wird sie auch offiziell in der S3-Leitlinie Demenzen empfohlen.

Palliativversorgung bedeutet mehr als die Behandlung körperlicher Beschwerden wie Schmerzen, Atemnot oder Unruhe. Sie berücksichtigt auch seelische und soziale Aspekte sowie persönliche Werte und Wünsche. Ziel ist es, Symptome zu lindern und eine möglichst gute Lebensqualität zu ermöglichen - unabhängig vom Krankheitsstadium.

Gerade in fortgeschrittenen Phasen fällt es vielen Menschen mit Alzheimer schwer, ihre Beschwerden mitzuteilen. Daher ist eine aufmerksame Begleitung durch Fachkräfte und Angehörige besonders wichtig.

Palliative Maßnahmen könnten schon früh beginnen, werden aber bisher noch selten in Anspruch genommen.

Neue Medikamente: Fortschritte in der Demenzforschung

Die medikamentöse Behandlung von Demenzerkrankungen wie Alzheimer entwickelt sich stetig weiter.

Neben den bereits erhältlichen Antikörpern werden weitere Wirkstoffe erforscht, zum Beispiel Blarcamesin, der die natürlichen Reinigungsmechanismen der Nervenzellen aktivieren soll. 

Noch gibt es keine Heilung, doch die Forschung macht Fortschritte. Jedes Jahr kommen neue vielversprechende Erkenntnisse hinzu – dank engagierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie der Unterstützung aus der Gesellschaft.

Welche neuen Erkenntnisse die Forschung derzeit liefert, lesen Sie auf unserer Seite Forschung aktuell.

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Quellen

DGN e. V. & DGPPN e. V. (Hrsg.) S3-Leitlinie Demenzen, Version 5.1, 28.02.2025, verfügbar unter: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-013, Zugriff am 08.04.2025

Austria and Germany to become the first markets in the European Union (EU) to launch LEQEMBI® (lecanemab) (August 25, 2025)

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