Kisunla (Donanemab) - Alzheimer-Medikament
Kisunla (Wirkstoff: Donanemab) ist das zweite in der EU zugelassene Antikörper-Medikament gegen Alzheimer.
Es kann bei Menschen im Frühstadium eingesetzt werden, also bei Personen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder leichter Alzheimer-Demenz, bei denen Amyloid-Plaques im Gehirn nachgewiesen wurden.
Kisunla kann die Alzheimer-Krankheit nicht heilen oder stoppen, aber das Fortschreiten verlangsamen. Die Entwicklung des Wirkstoffs gilt als weiterer wichtiger Schritt in der Alzheimer-Forschung.

Martin Lopez/pexels
Kisunla/Donanemab: Fragen und Antworten
Was ist Kisunla (Donanemab) und wie wirkt es?
Kisunla enthält den Wirkstoff Donanemab, einen monoklonalen Antikörper, der vom Pharmaunternehmen Eli Lilly entwickelt wurde. Der Wirkstoff bindet gezielt an Amyloid-beta, ein Protein, das sich bei der Alzheimer-Krankheit im Gehirn zu Plaques ablagert und die normale Funktion der Nervenzellen beeinträchtigt.
Durch diese Bindung werden die Mikrogliazellen, also die Immunzellen des Gehirns, aktiviert. Sie übernehmen den Abbau der Amyloid-Plaques, sodass deren Menge im Gehirn verringert wird. Ziel ist es, den geistigen Abbau bei Menschen im Frühstadium von Alzheimer zu verzögern.
Donanemab wurde im Juli 2024 erstmals in den USA zugelassen und ist seit November 2025 auch in Deutschland erhältlich.
Für wen kommt Kisunla (nicht) infrage?
Kisunla ist nur für Menschen im frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit zugelassen – also bei leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) oder beginnender Alzheimer-Demenz.
- Als Voraussetzung für die Behandlung müssen die für Alzheimer typischen Amyloid-beta-Ablagerungen im Gehirn nachgewiesen werden. Dies kann durch eine Nervenwasseruntersuchung oder einen Amyloid-PET erfolgen.
- Zudem darf höchstens eine Kopie des ApoE4-Gens vorliegen.
Kisunla darf nicht eingesetzt werden:
- wenn im MRT vor der Behandlung Blutungen oder andere Veränderungen im Gehirn sichtbar sind; dazu zählen zum Beispiel mehr als vier Mikroblutungen, Ablagerungen durch alte Blutungen (sogenannte Siderose) oder Schwellungen im Gehirn.
- wenn eine unbehandelte Blutgerinnungsstörung, ein schlecht eingestellter Bluthochdruck oder eine ausgeprägte Schädigung der weißen Hirnsubstanz vorliegt.
- bei Menschen, die Arzneimittel zur Vorbeugung von Blutgerinnseln einnehmen (Antikoagulanzien, „Blutverdünner“).
Kisunla darf außerdem nicht angewendet werden bei Menschen, die sich keiner MRT-Untersuchung unterziehen können, etwa wegen Angst in geschlossenen Räumen oder metallischen Implantaten beziehungsweise Herzschrittmachern.
Da mehrere Untersuchungen und regelmäßige Kontrollen erforderlich sind, kommt die Behandlung nur für Menschen infrage, die mobil und gesundheitlich belastbar sind.
Ist ein Gentest vor der Behandlung mit Kisunla notwendig?
Ja, ein Gentest ist erforderlich. Vor dem Beginn der Behandlung mit Kisunla wird geprüft, ob die Patientin oder der Patient das so genannte ApoE4-Gen trägt.
Menschen mit einer doppelten Kopie dieses Gens (ApoE4-Homozygote) haben ein erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen und können deshalb nicht behandelt werden. Der Gentest macht die Therapie sicherer. Vor der Durchführung des Tests erhalten die Patientinnen und Patienten eine ausführliche Beratung und müssen ausdrücklich zustimmen.
Wie läuft die Behandlung mit Kisunla ab?
Die Behandlung mit Antikörper-Medikamenten wie Kisunla stellt neue Anforderungen an die ärztliche Versorgung. Sie erfordert eine frühzeitige Diagnose sowie spezialisierte Einrichtungen mit ausreichender personeller und technischer Ausstattung.
Verabreichung des Medikaments:
- Kisunla wird als Infusion (Tropf) alle vier Wochen direkt in die Vene verabreicht. Die Behandlung dauert jeweils etwa eine Stunde.
- Insgesamt sollte für die Behandlung etwa ein halber Tag eingeplant werden.
Kontrolle auf Nebenwirkungen:
- Vor und während der Behandlung sind MRT-Untersuchungen notwendig, um mögliche Nebenwirkungen wie Hirnschwellungen oder kleine Blutungen frühzeitig zu erkennen.
- Diese Kontrollen erfolgen vor der 5., 7. und 14. Infusion. Werden sie nicht durchgeführt, muss die Behandlung beendet werden.
- Treten Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Übelkeit auf, entscheiden die behandelnden Ärztinnen und Ärzte über weitere Untersuchungen.
Wann ist die Therapie mit Kisunla beendet?
Die Behandlung kann beendet werden, wenn keine Amyloid-Ablalgerungen mehr im Gehirn nachweisbar sind. Das kann über eine Nervenwasseruntersuchung oder ein Amyloid-PET erfolgen. Da das allerdings mit Kosten und Aufwand verbunden ist, wird die Laufzeit in der Praxis sehr wahrscheinlich 18 Monate betragen
Hat Kisunla Nebenwirkungen?
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Kopfschmerzen sowie allergische Reaktionen während oder kurz nach der Infusion. Eine wichtige Nebenwirkung sind außerdem die sogenannten ARIA, also Veränderungen, die im MRT sichtbar werden können. Dazu zählen Hirnschwellungen (ARIA-E) und kleine Blutungen im oder auf dem Gehirn (ARIA-H).
Diese ARIA treten meist zu Beginn der Behandlung auf, häufig in den ersten Wochen. In den meisten Fällen bleiben sie symptomlos. Treten Beschwerden auf, können sie sich zum Beispiel als Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Schwindel, Übelkeit oder Sehstörungen äußern.
In den Studien traten ARIA bei 37 Prozent der behandelten Personen auf – meist ohne Symptome. Schließt man Menschen mit zwei Kopien des ApoE4-Gens aus, sinkt die Wahrscheinlichkeiten auf Nebenwirkungen auf 33 Prozent.
Damit solche Veränderungen früh erkannt werden, sind regelmäßige MRT-Kontrollen fester Bestandteil der Behandlung. Wenn auffällige Veränderungen auftreten, kann die Therapie vorübergehend oder dauerhaft unterbrochen werden.
Wirkt Kisunla bei Männern und Frauen unterschiedlich?
Bei Leqembi gibt es Hinweise aus Studien, dass die Wirksamkeit bei Männern höher sein könnte als bei Frauen. Für Kisunla liegen solche Hinweise bislang nicht vor.
Es ist noch nicht abschließend erforscht, ob das Geschlecht bei der Wahl einer Therapie künftig eine Rolle spielt. Entscheidungen über eine Behandlung werden immer individuell und gemeinsam mit erfahrenen Ärztinnen und Ärzten getroffen.
Kann Kisunla die Alzheimer-Krankheit heilen?
Nein, Kisunla kann Alzheimer weder heilen noch den Krankheitsverlauf stoppen. Es kann helfen, das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit zu verlangsamen, so dass die Selbstständigkeit länger bewahrt werden kann. Bestehende Gedächtnis- oder Denkprobleme können nicht rückgängig gemacht werden.
Wie ist Kisunla im Vergleich zu anderen Alzheimer-Medikamenten zu bewerten?
Lange Zeit gab es in Deutschland kein Medikament, das auf die grundlegenden Mechanismen der Erkrankung einwirkte. Die verfügbaren Medikamente stimulierten lediglich die Hirnleistung und konnten so den Krankheitsverlauf etwas verzögern. Zudem konnten Begleiterscheinungen der Erkrankung wie Depressionen behandelt werden.
Mit den Antikörpern Leqembi und Kisunla sind erstmals Medikamente verfügbar, die an einer der möglichen Hauptursachen von Alzheimer ansetzen: den Amyloid-Plaques, wobei sich Leqembi an lösliche Formen von Beta-Amyloid bindet, während Kisunla spezifisch an eine Form von Beta-Amyloid bindet, die sich bereits in Form von Plaques an den Zellen angelagert hat. Durch diese Bindung wird das körpereigene Immunsystem aktiviert, welches die Plaques gezielt abbauen und aus dem Gehirn entfernen kann.
Von der Wirkweise sind sich Leqembi und Kisunla somit sehr ähnlich, es gibt jedoch auch Unterschiede:
- Kisunla wird alle vier Wochen verabreicht, das Ende der Therapie ist nach spätestens 18 Monaten.
- Leqembi wird alle zwei Wochen gegeben und ist als Dauertherapie angelegt.
- Leqembi weist eine geringere Rate an symptomatischen ARIAs auf, zeigt aber in Studien geschlechtsspezifische Unterschiede (geringere Wirksamkeit bei Frauen). Für Kisunla gibt es diese Beobachtung bislang nicht.
Was haben bisherige Studien ergeben und welche Studien laufen zurzeit noch?
Von zentraler Bedeutung für die Entwicklung von Donanemab war die Durchführung der TRAILBLAZER-ALZ-2 Studie, einer Phase-3-Studie, deren Ergebnisse am 3. Mai 2023 von Eli Lilly veröffentlicht wurden. Die Publikation im Journal of the American Medical Association (JAMA) folgte am 17. Juli 2023.
- Die Ergebnisse zeigten, dass Donanemab die schädlichen Amyloid-Ablagerungen effektiv abbauen und den geistigen Abbau um 35 Prozent verlangsamen konnte.
- Eine wichtige Erkenntnis: Nach Entfernung der Amyloid-Ablagerungen konnte die Behandlung beendet werden, was die Therapiedauer verkürzt und Kosten reduziert.
TRAILBLAZER-ALZ-6-Studie zeigte, dass ein vorsichtiges, langsames Steigern der Dosis zu Beginn das Risiko für Nebenwirkungen im Gehirn verringern kann – ohne dass die Wirksamkeit darunter leidet.
Derzeit untersucht Eli Lilly Donanemab in weiteren klinischen Studien. In der Studie TRAILBLAZER-ALZ 3 werden Patientinnen und Patienten untersucht, die bisher noch keine Alzheimer-Symptome aufweisen. TRAILBLAZER-ALZ 5 ist eine Zulassungsstudie in China, in der die frühe Alzheimer-Krankheit untersucht wird.
Kann ich an einer Studie zu Kisunla teilnehmen?
In den USA und anderen beteiligten Ländern sucht das Pharmaunternehmen Eli Lilly zurzeit nach Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmern. Forschungszentren in Deutschland sind an den laufenden Studien nicht beteiligt.
Entwicklung und Zulassung von Kisunla: Wichtige Meilensteine
Die Entwicklung und Zulassung von Medikamenten ist ein mehrstufiger Prozess. Hier finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Meilensteine für Kisunla:
Juli 2024: Erste Zulassung von Kisunla in den USA
März 2025: EMA-Ausschuss spricht sich gegen die Zulassung von Kisunla aus
*Alle Fakten wurden gründlich recherchiert, dennoch kann keine Gewähr übernommen werden. Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) steht in keinerlei Beziehung zum Pharmaunternehmen Eli Lilly.
Weitere Informationen:
Alzheimer- und Demenzforschung aktuell: Neue Studien und Erkenntnisse
Quellen
Wissenschaftliche Studien
- “A Study of Donanemab (LY3002813) in Participants With Early Alzheimer's Disease (TRAILBLAZER-ALZ 2).”ClinicalTrials.gov.
- “Donanemab in Early Symptomatic Alzheimer Disease: The TRAILBLAZER-ALZ 2 Randomized Clinical Trial.” JAMA, 2023.
- “Lilly’s Donanemab Significantly Slowed Cognitive and Functional Decline in Phase 3 Study of Early Alzheimer’s Disease.”PR Newswire, 3 May 2023.
Regulatorische Entscheidungen
- Eli Lilly. “Lilly’s Kisunla (donanemab) Receives Marketing Authorization by European Commission for the Treatment of Early Symptomatic Alzheimer’s Disease.” 25 July 2024.
- UK Government. “Donanemab Licensed for Early Stages of Alzheimer’s Disease in Adult Patients Who Have One or No Copies of Apolipoprotein E4 Gene.” 17 Oct. 2024.
Hintergrundinformationen
- European Medicines Agency. “Kisunla.”European Medicines Agency.
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