Wie beeinflusst das Herpes-simplex-Virus 1 das Apolipoprotein E und somit das Risiko für Alzheimer?
Projektdetails:
| Thematik: | Prävention und Therapie |
|---|---|
| Förderstatus: | laufend |
| Art der Förderung: | Research |
| Institution: | Max-Delbrück Centrum für Molekulare Medizin |
| Projektleitung: | Dr. Agnieszka Rybak-Wolf |
| Laufzeit: | 01. Januar 2026 - 31. Dezember 2028 |
| Fördersumme: | 199.966,00 Euro |

Felix Petermann, Max Delbrück Centrum
Was wird erforscht?
Warum erkranken manche Menschen an Alzheimer, während andere verschont bleiben? Etwa 95 Prozent der Alzheimer-Fälle gehören zur sogenannten sporadischen Form, die meist erst im höheren Lebensalter auftritt. Bei ihnen geht man von einem komplexen Zusammenspiel zwischen Genen und Lebensstilfaktoren aus. Obwohl bereits eine Reihe von Risikofaktoren identifiziert wurden, ist noch nicht vollständig verstanden, wie sie zur Entstehung der Krankheit führen. Zwei der Risikofaktoren sind die Genvariante ApoE4 (Apolipoprotein E4) und eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV-1), das unter anderem Lippenherpes auslöst und Jahrzehnte lang im Nervensystem verbleibt. Menschen, die sowohl ApoE4 tragen als auch eine HSV-1-Infektion haben, scheinen ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko zu haben, doch es ist noch nicht verstanden, warum das so ist. Dr. Agnieszka Rybak-Wolf vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin möchte deshalb untersuchen, wie Prozesse in Zellen mit ApoE4 ablaufen, die mit HSV-1 infiziert sind. Außerdem möchte sie die Frage entschlüsseln, wie das Zusammenspiel zwischen Virus und ApoE4-Gen im Gehirn frühe molekulare Veränderungen im Gehirn auslösen kann, die später zur Alzheimer-Erkrankung führen können.
Wie geht Dr. Agnieszka Rybak-Wolf dabei vor?
Mit menschlichen Miniatur-Gehirnmodellen werden die frühen Veränderungen untersucht, die auftreten, wenn Zellen mit ApoE4 oder – zum Vergleich – mit ApoE3 (eine harmlose Variante) mit HSV-1 infiziert sind. Verschiedene Analysetechniken helfen dabei festzustellen, welche Hirnzellen betroffen sind und wie der Schaden entsteht. Die Ergebnisse werden mit den Ergebnissen aus echten Gehirnproben und dem Nervenwasser von Menschen mit Alzheimer verglichen.
Was ist das Ziel des Forschungsprojekts?
Durch die Aufklärung des Zusammenspiels von ApoE4 und HSV-1 können Warnsignale und potenzielle Ansatzpunkte für therapeutische Interventionen gefunden werden. Unterschiede in den Signalwegen der Zelle könnten Hinweise auf neue Behandlungsmöglichkeiten geben.
Warum ist dieses Projekt besonders aussichtsreich?
"Weil es entscheidend ist zu untersuchen, wie zwei bedeutende Risikofaktoren – die APOE4-Genvariante und das Herpes-simplex-Virus HSV-1 – im menschlichen Gehirn zusammenwirken und frühe neurodegenerative Veränderungen auslösen. Dafür verwenden wir komplexe, aus menschlichen Stammzellen abgeleitete Gehirnorganoide, die zentrale Eigenschaften des menschlichen Gehirns realitätsnah nachbilden. Die Kombination dieser hochentwickelten Modelle mit modernsten Multi-Omics-Analysen sowie dem Vergleich mit Proben von Alzheimer-Patient*innen ermöglicht es uns, krankheitsrelevante molekulare Veränderungen zu identifizieren und neue therapeutische Zielstrukturen zu entdecken."
Wofür werden die Fördermittel verwendet?
Die Fördermittel entfallen auf Personalkosten (39.744 Euro), Labormaterialien (76.400 Euro), Reisekosten (7.500 Euro) und Analysen (76.322 Euro).
Schauen SIe sich hier die Videobotschaft von Dr. Rybak-Wolf an.
Steckbrief:
Dr. Agnieszka Rybak-Wolf
1980
Kolbuszowa (Polen)
2021
Hobbys:
Pilates, Bergwandern, Backen

Felix Petermann, Max Delbrück Centrum
Ich bin in der Demenzforschung tätig, weil…
wir noch immer nicht vollständig verstehen, warum einige Menschen an Alzheimer erkranken, während andere trotz ähnlicher Risikofaktoren gesund bleiben. Das Zusammenspiel zwischen unseren Genen und Umweltfaktoren scheint entscheidend zu sein, ist jedoch bislang nicht ausreichend geklärt. Mein Ziel ist es, die genetisch-umweltbedingten Wechselwirkungen aufzudecken, die die frühesten krankheitsassoziierten Prozesse auslösen. So möchten wir Alzheimer früher diagnostizieren können – bevor irreparable Schäden entstehen – und die Krankheit langfristig idealerweise sogar stoppen
Ich hoffe, dass die Alzheimer-Forschung in 10 Jahren…
frühere und präzisere Diagnosen ermöglichen wird – lange bevor erste Symptome auftreten. Und ich hoffe, dass wir bis dahin wirksame, personalisierte Therapien haben werden, die nicht nur Symptome lindern, sondern die Krankheit bei gefährdeten Menschen sogar verhindern können. Mein übergeordnetes Ziel ist ein Paradigmenwechsel hin zur Prävention statt zur Behandlung im Spätstadium.
Persönliche Nachricht:
Liebe Spender*innen, ich möchte Ihnen meinen aufrichtigen Dank für Ihre Unterstützung aussprechen. Ohne private Forschungsförderung wären viele innovative Projekte nicht möglich. Ihre Beiträge geben uns die Freiheit, neue Wege zu gehen, die frühesten Mechanismen der Erkrankung aufzudecken und vielversprechende therapeutische Strategien zu entwickeln. Jede Spende bringt uns unserem gemeinsamen Ziel ein Stück näher: Alzheimer besser zu verstehen, früher zu erkennen und eines Tages verhindern zu können. Vielen Dank, dass Sie diese Arbeit möglich machen!



