Alzheimer, Demenz und Aggression:
Infos & Tipps für Angehörige

Wenn Menschen mit Alzheimer nicht weiterwissen, reagieren sie oft aggressiv - sie schimpfen, schreien, werfen mit Gegenständen. 

Aggressives Verhalten ist eine typische Begleiterscheinung von Demenzerkrankungen, mit der viele Angehörige und Bezugspersonen im Laufe der Erkrankung konfrontiert werden. Das kann sehr herausfordernd sein.

Wir erklären, wie aggressive Verhaltensweisen bei Demenzkranken entstehen und wie Familien lernen können, im Alltag damit umzugehen.

Warum reagieren Menschen mit Demenz häufig aggressiv?

Aggressives Verhalten von Menschen mit Alzheimer-Demenz kann verschiedene Ursachen haben. Im Gegensatz zu anderen typischen Alzheimer-Symptomen wie Vergesslichkeit oder Sprachproblemen sind Wutausbrüche jedoch weniger eine Folge der krankheitsbedingten Veränderungen im Gehirn.

Vielmehr sind Wutausbrüche und Beschimpfungen Ausdruck von Verzweiflung und Hilflosigkeit, zum Beispiel, weil jemand bestimmte Dinge im Alltag nicht (mehr) bewältigen kann, sich unverstanden, beunruhigt oder bedroht fühlt. In diesen Momenten wissen die Betroffenen nicht weiter, und dann brechen plötzlich Wut und Aggression aus ihnen heraus.

Das Wichtigste für Angehörige in dieser Situation: Ruhe bewahren, auch wenn es schwerfällt.

Aggressionen sind nichts Persönliches, sondern Ausdruck dafür, dass der oder die Betroffene gerade mit der Situation nicht zurechtkommt.

Auslöser für Aggression: Das „Warum“ verstehen

Bei Menschen mit Alzheimer können viele Situationen zu Auslösern von Wutausbrüchen werden.

  • Zu Beginn der Erkrankung sind es oft alltägliche Situationen, in denen jemand seine Defizite wahrnimmt, zum Beispiel Vergesslichkeit oder Sprachprobleme. 
  • Auch Gedanken wie „Habe ich etwas Wichtiges vergessen?“ oder Sorgen um die Zukunft können zu aggressiven Reaktionen führen.
  • Sich in der eigenen Wohnung nicht mehr zurechtzufinden, gewohnte Abläufe nicht mehr zu verstehen und das Gefühl zu haben, fremdbestimmt zu werden, sind mögliche Auslöser für plötzliche Ängste und Wut. 
  • Im späteren Stadium können auch fremde Gesichter, Geräusche, Stimmen oder grelles Licht von Erkrankten als bedrohlich empfunden werden. 
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Wie fühlt sich Alzheimer an?

5 Tipps, wie Sie mit belastenden Situationen umgehen

  1. Ist der Stress einmal da, helfen vor allem Geduld, Gleichmut und Einfühlungsvermögen. Versuchen Sie herauszufinden, was die oder den Betroffenen so stresst und beseitigen Sie nach Möglichkeit den Auslöser.
  2. Vermeiden Sie auf jeden Fall, selbst wütend oder vorwurfsvoll zu reagieren. Auch „vernünftige Argumente“ helfen in emotional aufgeladenen Situationen meist nicht weiter. 
  3. Zeigen Sie Verständnis für Ihr Gegenüber und machen Sie sich klar, dass er oder sie Sie braucht, um wieder aus der frustrierenden Situation hinauszukommen. Versuchen Sie, mit sanfter Sprache und beruhigenden Gesten zu trösten.
  4. Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf etwas Positives oder Interessantes. Das kann eine beruhigende Melodie, ein Fotoalbum oder eine angenehme Tätigkeit sein.
  5. Muten Sie sich nicht zu viel zu! Wenn es zu viel wird, verlassen Sie kurz die Situation oder bitten Sie jemanden um Hilfe.

Worauf können Angehörige vorbeugend achten?

Aggressive Reaktionen kommen für Angehörige von Alzheimer-Erkrankten zuweilen unerwartet. Dennoch immer ein Versuch wert: Vorbeugende Maßnahmen, die Struktur in den Alltag bringen und stressige Situationen weitestgehend vermeiden.

  • Geregelter Tagesablauf: Menschen mit Demenz fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, was als Nächstes kommt. Ein gut strukturierter Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten, Ruhephasen und Aktivitäten gibt Sicherheit und Orientierung.
  • Klare Kommunikation: Frustration entsteht oft durch das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Hier finden Sie Tipps für eine gute Kommunikation mit Alzheimer-Erkrankten.
  • Regelmäßige Gesundheitschecks: Auch Schmerzen oder andere gesundheitliche Probleme können zu aggressivem Verhalten führen. Stellen Sie sicher, dass körperliche Beschwerden behandelt werden.
  • Belastende Situationen und Orte vermeiden: Grelles Licht, viele Menschen oder Lärm können Menschen mit Demenz schnell überfordern. Meiden Sie hektische Orte oder planen Sie bei außergewöhnlichen Terminen wie Arztbesuchen genügend Vorbereitungszeit ein. 
  • Training für Angehörige: In speziellen Kursen für pflegende Angehörige von Demenzkranken können Sie lernen, mit schwierigem Verhalten und seelischen Auffälligkeiten umzugehen. Trainings dieser Art verbessern Ihre eigene und auch die Situation der erkrankten Person.

Achten Sie auf Ihre Gesundheit

Wenn Sie einen Menschen mit Demenz betreuen, ist es wichtig, gut auf sich selbst zu achten. Aggressive Vorfälle sind nie einfach, besonders wenn man jemanden liebt und sich täglich um ihn kümmert.

Sprechen Sie über Ihre Gefühle und versuchen Sie, Abstand zu gewinnen, indem Sie sich zum Beispiel mit anderen Angehörigen austauschen, die ähnliche Erfahrungen machen. Wenn sich die Ereignisse häufen, besprechen Sie die Situation mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.  

Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber

Der Ratgeber Leben mit der Diagnose Alzheimer erläutert, was auf Menschen mit Alzheimer und ihre Familien und Freunde zukommen kann. Beleuchtet werden neben medizinischen und therapeutischen Aspekten auch pflegerische, rechtliche und finanzielle Fragestellungen.
72 Seiten, 2024

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