Fragen und Antworten (Stand: 3.11.2021)

Parodontose: Der aktuelle Stand zum Wirkstoff Atuzaginstat

Bisher ist die Alzheimer-Krankheit nicht heilbar. Nicht alle Krankheitsmechanismen sind bislang restlos verstanden. Zum Beispiel ist unklar, warum sich in den Gehirnen von Menschen mit Alzheimer eher Spuren von Parodontose-Bakterien finden als bei kognitiv gesunden Menschen. Bedingt also Parodontose die Alzheimer-Krankheit? Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengetragen.

Parodontose: Fragen und Antworten

Was ist Parodontose?

Bei der Parodontose handelt es sich um eine bakteriell bedingte Entzündung, die zu einer Zerstörung des so genannten Zahnhalteapparates (Parodontium) führt. Risikofaktor für die Entstehung einer Parodontose ist unter anderem Zahnbelag. Vorbeugend wirkt neben dem eigentlichen Zähneputzen die Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten. Zudem wird eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung empfohlen.

Warum wird ein Zusammenhang zwischen Parodontose und Alzheimer diskutiert?

Menschen mit Alzheimer haben oft auch Probleme mit der Zahngesundheit. Studien zeigen, dass Alzheimer-Patienten besonders oft an Parodontose leiden. Das könnte damit zusammenhängen, dass Menschen mit Alzheimer häufig die Zahnhygiene vernachlässigen. In diesem Fall wäre die Alzheimer-Krankheit die Ursache und die Parodontose die Auswirkung. Es könnte aber auch andersherum sein: Forscher fanden in den Gehirnen von Alzheimer-Patienten eine höhere Menge von Spuren des Parodontose-Bakteriums. Hierbei handelt es sich zumeist um die von Parodontose-Bakterien gebildeten Gingipain-Enzyme. Bei Menschen, die nicht an Alzheimer leiden, sind dagegen nur wenige Spuren des Bakteriums zu finden.

Wie hängen die Gingipain-Enyzme mit der Alzheimer-Krankheit zusammen?

Diese Frage ist zurzeit Gegenstand der Forschung. Offenbar scheint es eine Verbindung zwischen den Gingipain-Enzymen und den für die Alzheimer-Krankheit typischen Protein-Ablagerungen aus Beta-Amyloid und Tau zu geben. So scheinen die Konzentrationen von Gingipain und Tau zu korrelieren.

Könnte mit einer Blockade der Gingipain-Enzyme die Alzheimer-Krankheit therapiert werden?

Dies ist eine Vermutung, die durch Mausmodelle gestützt wird. Behandelten Forscher Alzheimer-Mäuse mit einem Gingipain-Blocker (Atuzaginstat) und weiteren Antibiotika, hatten die Nager zugleich weniger Eiweißablagerungen im Gehirn. Das Biotechunternehmen Cortexyme testet zurzeit in einer Studie mit dem Wirkstoff Atuzaginstat, ob sich die Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen.

Wie stehen die Chancen für eine Zulassung von Atuzaginstat?

Erste Ergebnisse der Phase 2/3-Studie zeigen, dass Atuzaginstat die beiden primären Endpunkte der Studie nicht erreicht hat. Der Wirkstoff verbesserte weder die kognitiven Fähigkeiten noch die Alltagsfunktionen der insgesamt rund 650 Proband*innen. In einer Untergruppe von 242 Teilnehmer*innen, die nachweislich Paradontose-Bakterien im Speichel hatten, konnte bei der Höchstdosierung eine Verlangsamung der Kognition um 57 Prozent nachgewiesen werden. Wie der Hersteller Cortexyme mit den Ergebnissen umgehen wird, ist noch nicht bekannt.

Kann Atuzaginstat die Alzheimer-Krankheit heilen?

Nein, Atuzaginstat kann Alzheimer nicht heilen. Im besten Fall könnte eine Verlangsamung des Krankheitsfortschritts möglich sein.

Kann ich Atuzaginstat kaufen oder mir vom Arzt verschreiben lassen?

Nein, Atuzaginstat ist bislang ein experimenteller Wirkstoff, der ausschließlich in wissenschaftlichen Studien verwendet wird. Deshalb ist Atuzaginstat auch nicht erhältlich.

*Alle Fakten wurden gründlich recherchiert, dennoch kann keine Gewähr übernommen werden. Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist nicht an der Entwicklung von Atuzaginstat beteiligt.

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