Liquordiagnostik bei Demenz
Die Liquordiagnostik – die Untersuchung des Nervenwassers – ist ein wichtiger Baustein in der Diagnose einer Alzheimer Erkrankung.
Dabei wird das Nervenwasser durch eine Lumbalpunktion gewonnen und anschließend im Labor auf typische Veränderungen der Proteine Amyloid-Beta und Tau untersucht.
Zusammen mit der Amyloid-PET ist die Liquordiagnostik eines von zwei Verfahren, um die Alzheimer-Biomarker zuverlässig nachzuweisen.
Damit liefert sie eine wesentliche Grundlage für eine gesicherte Diagnose – und ist Voraussetzung für eine Behandlung mit den neuen Antikörper-Medikamenten Leqembi und Kisunla.

Science Photo Library/Canva
Welche Veränderungen zeigen sich im Liquor?
Bei der Liquordiagnostik wird das Nervenwasser auf bestimmte Proteine untersucht, die Hinweise auf die Alzheimer-Krankheit geben können:
- Amyloid-beta
Erniedrigte Werte dieses Proteins im Nervenwasser zeigen an, dass sich Amyloid im Gehirn ablagert – ein zentrales Kennzeichen der Alzheimer-Erkrankung. Mehr zu den Veränderungen im Gehirn bei Alzheimer erfahren Sie hier. - Tau-Proteine
Sie zeigen, ob Nervenzellen geschädigt sind und ob sich Alzheimer-typische Ablagerungen gebildet haben. Vor allem eine bestimmte Form, das sogenannte Phospho-Tau, gilt als besonders aussagekräftig. - Neurofilament light chain (NfL)
Dieser Marker weist auf Nervenzellschädigungen hin, ist aber nicht spezifisch für Alzheimer. Er kann auch bei anderen Demenzformen erhöht sein.
Für die sichere Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung werden die Werte von Amyloid-Beta, Tau und weiteren Markern kombiniert betrachtet.

Selvanegra/Canva
Wie läuft eine Liquorpunktion ab?
Für die Liquordiagnostik wird das Nervenwasser durch eine Lumbalpunktion entnommen. Dabei entnimmt die Ärztin oder der Arzt eine kleine Menge Flüssigkeit aus dem unteren Rücken. Vor dem Eingriff wird die Stelle örtlich betäubt, sodass die Entnahme für die meisten Menschen kaum schmerzhaft ist.
Für die richtige Position liegen Patientinnen und Patienten meist auf der Seite mit angezogenen Knien oder sie sitzen leicht nach vorne gebeugt auf einer stabilen Unterlage. Beide Haltungen machen es leichter, die Flüssigkeit sicher zu entnehmen. Der eigentliche Eingriff dauert nur wenige Minuten.
Nach der Entnahme sollte man sich noch etwas ausruhen, meist im Liegen, um Kopfschmerzen vorzubeugen. Einige Menschen spüren vorübergehend leichte Rückenschmerzen oder ein Druckgefühl. Schwerwiegende Komplikationen sind jedoch sehr selten.
Weil nach der Punktion eine kurze Nachbeobachtung nötig ist, wird die Untersuchung nur selten ambulant durchgeführt.

Media Whale Stock/Canva
Gut zu wissen:
Gedächtnisambulanzen sind darauf spezialisiert, Gedächtnisprobleme genau abzuklären. Dort arbeiten Fachleute verschiedener Bereiche zusammen, führen Gespräche, Tests und Untersuchungen durch und suchen so nach der Ursache der Beschwerden. Besteht der Verdacht auf eine Demenz, kommen auch spezielle Verfahren wie die Liquordiagnostik zum Einsatz. In unserer Datenbank finden Sie Adressen in Ihrer Nähe:
Warum ist die Untersuchung heute so wichtig?
Die Liquordiagnostik liefert Klarheit, wenn es darum geht, Alzheimer sicher von anderen Demenzformen zu unterscheiden. Sie trägt zu einer verlässlichen Diagnose bei und schafft damit die Grundlage für die richtige Behandlung und Beratung.
Gerade seit neue Medikamente zugelassen sind, die nur bei gesicherter Alzheimer-Demenz eingesetzt werden dürfen, ist diese Untersuchung wichtiger denn je. Dazu gehört auch das Antikörper-Medikament Leqembi, das seit 2025 in Deutschland erhältlich ist.
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Die Broschüre Diagnoseverfahren bei Demenz erklärt alle Untersuchungen, die für eine Demenz-Diagnose nötig sind. Neben dem Arztgespräch und den allgemeinen körperlichen Untersuchungen werden auch Gedächtnistests, bildgebende Verfahren sowie die Liquordiagnostik thematisiert.
28 Seiten, Auflage 2024

Autorin
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing
hat sich nach ihrem Studium der Biochemie an der Uni Düsseldorf während ihrer Doktorarbeit auf Amyloide spezialisiert. Seit 2024 leitet sie bei der AFI die Abteilung Wissenschaft.






