Cholesterin und Demenz(risiko)
Hohe Cholesterinwerte im mittleren Lebensalter (40 bis 60 Jahre) erhöhen das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken.
Cholesterin ist an sich nichts Schlechtes – im Gegenteil: Unser Körper braucht es, um Zellen aufzubauen und Hormone oder Vitamin D herzustellen.
Problematisch wird es erst, wenn der Cholesterinspiegel aus dem Gleichgewicht gerät. Dann steigt nicht nur das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern auch für Demenz.
Wann Cholesterin zum Demenzrisiko wird und was Sie dagegen tun können, lesen Sie hier.

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HDL und LDL - das „gute“ und das „schlechte“ Cholesterin
Cholesterin ist ein Fett (Lipid) und ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Körpers. Es steckt in Zellwänden und ist wichtig für viele Stoffwechselprozesse, zum Beispiel für die Bildung von Hormonen und Vitamin D. Der größte Teil (etwa 80 Prozent) wird in der Leber produziert, den Rest nehmen wir aus der Nahrung auf.
Problematisch wird Cholesterin erst, wenn die Balance nicht stimmt. Besonders wichtig ist das Verhältnis zwischen den beiden Hauptformen:
- HDL-Cholesterin gilt als „gutes Cholesterin“. Es transportiert überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber, wo es abgebaut wird. Dies schützt unser Herz und die Blutgefäße.
- LDL-Cholesterin wird oft als „schlechtes Cholesterin“ bezeichnet, weil es sich in den Gefäßwänden ablagern kann. So entstehen Gefäßverkalkungen, die langfristig Herz, Kreislauf und Gehirn belasten.
Der Cholesterinwert ist die Kombination aus HDL und LDL. „Hohes Cholesterin“ bedeutet, dass entweder der Gesamtwert an Cholesterin im Blut zu hoch ist oder nur der LDL-Cholesterin-Wert.

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Wie beeinflusst Cholesterin das Demenzrisiko?
Hohe Cholesterinwerte – besonders in der Lebensmitte (40 bis 60 Jahre) – erhöhen das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken. Fachleute erklären das so:
- Im Gehirn: Ein hoher LDL-Spiegel kann die Ablagerung der Proteine Amyloid-beta und Tau fördern – typische Merkmale der Alzheimer-Krankheit.
- In den Gefäßen: Zu viel LDL-Cholesterin schädigt die Blutgefäße, erhöht das Risiko für Schlaganfälle und damit auch für eine vaskuläre Demenz.
Die Lancet Commission on Dementia bestätigte 2024 diesen Zusammenhang: Menschen mit dauerhaft hohen LDL-Werten in der Lebensmitte haben ein messbar höheres Risiko für Demenz. Gleichzeitig zeigen Studien, dass eine gute Behandlung – durch Lebensstil oder Medikamente – dieses Risiko deutlich senken kann.
Wichtig zu wissen: Ein erhöhter Cholesterinspiegel verursacht keine Beschwerden. Nur ein Bluttest zeigt, ob die Werte im Normbereich liegen. Lassen Sie daher spätestens ab dem 40. Lebensjahr Ihre Werte regelmäßig kontrollieren.

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Was Sie für gesunde Cholesterinwerte tun können
Cholesterin lässt sich beeinflussen – und damit auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz. Schon kleine Schritte im Alltag tragen dazu bei, den LDL-Spiegel zu senken und das HDL-Cholesterin zu stärken:
- Ernährung bewusst auswählen: Weniger gesättigte Fette (z. B. in Wurst, Butter, fettem Käse) und stattdessen häufiger pflanzliche Öle, Nüsse, Hülsenfrüchte und Fisch. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Seite Ernährung zur Demenzvorbeugung.
- Regelmäßig bewegen: Bereits 30 Minuten moderate Bewegung am Tag – etwa Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen – verbessern den Fettstoffwechsel.
- Auf Rauchen und Alkohol verzichten: Dies entlastet Herz und Gefäße.
- Gewicht im Blick behalten: Schon eine moderate Gewichtsabnahme kann LDL senken.
Gut zu wissen: Bei manchen Menschen spielen auch genetische Faktoren eine Rolle. Wenn Lebensstilmaßnahmen allein nicht genügen, können Medikamente – meist Statine – sinnvoll sein. Wichtig bleibt, die Cholesterinwerte regelmäßig überprüfen zu lassen.
So gilt: Je früher man beginnt, desto stärker lässt sich vorbeugen. Aber auch im höheren Alter lohnt es sich, die Gefäße zu schützen – für ein gesundes Herz und ein aktives Gehirn.

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Autorin
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing
hat sich nach ihrem Studium der Biochemie an der Uni Düsseldorf während ihrer Doktorarbeit auf Amyloide spezialisiert. Seit 2024 leitet sie bei der AFI die Abteilung Wissenschaft.







