Zurück zur Übersicht

Das Prion-Protein als Ziel von Antikörpern in der Alzheimer-Therapie

Projektdetails:

Thematik: Therapie
Förderstatus:laufend
Art der Förderung:Research
Institution:Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Projektleitung:Dr. Hermann Clemens Altmeppen
Laufzeit:01. Januar 2026 - 31. Dezember 2028
Fördersumme:174.000,00 Euro

Was wird erforscht?

Bei der Alzheimer-Krankheit lagert sich das Protein Amyloid-beta außerhalb der Hirnzellen ab. Ist zu viel Amyloid-beta vorhanden, verbinden sich die einzelnen Moleküle miteinander und bilden größere Ablagerungen, die sogenannten Plaques. Noch bevor Plaques entstehen, gibt es jedoch kleine, umherschwirrende Proteinzusammenlagerungen, sogenannte Oligomere, die für die Zellen besonders schädlich sind. Auf den Oberflächen der Zellen sitzen Rezeptoren, quasi die Pförtner der Zellen. Wenn ein bestimmter Rezeptor, das sogenannte Prion-Protein (PrP), die Oligomere bindet, wird eine Kaskade von Signalen in Gang gesetzt und es treten Schädigungen in der Zelle auf. Das körpereigene Enzym ADAM10, eine Art molekulare Schere, wirkt diesem Prozess entgegen: Es stört die Bildung von Amyloid-beta und schneidet außerdem PrP von der Zelloberfläche ab, sodass weniger Oligomere an die Nervenzellen binden. Dr. Hermann Altmeppens Gruppe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat einen Antikörper entdeckt, der an PrP bindet und dadurch zu einer erhöhten Freisetzung des PrP durch ADAM10 führt. Gleichzeitig bewirkt der Antikörper, dass große quervernetzte PrP-Ansammlungen auf der Zelloberfläche entstehen, die anschließend schnell von den Zellen aufgenommen und abgebaut werden. Die Gruppe geht davon aus, dass dieser doppelte Effekt die Zellen schützt: Es ist weniger PrP an der Zelloberfläche vorhanden, sodass Oligomere dort schwerer Schaden anrichten können und gleichzeitig werden frei herumschwirrende Oligomere durch das von ADAM10 freigesetzte PrP außerhalb der Zellen abgefangen und unschädlich gemacht. In ihrem Projekt möchten Dr. Hermann Altmeppen und sein Team diesen Antikörper sowie einen zweiten Antikörper mit einem vermutlich anderen Wirkprinzip untersuchen, um zu ermitteln, wie therapeutisch wirksam und verträglich sie sind.

Wie geht Dr. Hermann Altmeppen dabei vor?

Es werden moderne Methoden aus den Bereichen Biochemie, Molekular- und Zellbiologie, Neuropathologie/Mikroskopie und Strukturbiologie angewendet. Untersucht wird sowohl an Zell- und Gewebekulturen als auch am Alzheimer-Mausmodell.

Was ist das Ziel des Forschungsprojekts?

Ziel des Forschungsprojektes ist es, neue wichtige Erkenntnisse für bessere Optionen zur Behandlung von Alzheimer zu finden. Die Gruppe geht davon aus, dass künftig Kombinationstherapien, die verschiedene Prozesse dieser komplexen Erkrankung in Angriff nehmen, die größte Aussicht auf nennenswerte Erfolge haben.

Warum ist dieses Projekt besonders aussichtsreich? 

"Weil wir uns ein sehr konkretes, bislang aber wenig bearbeitetes „Puzzlestück“ dieser komplexen Krankheit vorgenommen haben. Dabei zielen wir auf einen bereits von der Evolution „bereitgestellten“ zellulären Vorgang, der bei uns allen ständig abläuft und mit schützenden Funktionen in Verbindung gebracht wird. Diesen Prozess in einem verträglichen Maße mittels z.B. pharmakologischer Manipulation weiter zu steigern, ist unser langfristiges Ziel. Wir sind überzeugt, dass vor allem Kombinationstherapien, die gleichzeitig auf verschiedene Krankheitsprozesse einwirken, letztlich die größte Aussicht auf Erfolg haben werden. Dazu benötigen wir dringend ein noch viel besseres Verständnis relevanter Mechanismen, und hier wollen wir einen Beitrag leisten."

Wofür werden die Fördermittel verwendet?

Die Fördermittel entfallen auf Personalkosten (90.000 Euro), Labormaterialien (71.500 Euro), Tierhaltungskosten (5.000 Euro) und Reisekosten (7.500 Euro).

 

Schauen Sie sich hier die Videobotschaft von Dr. Altmeppen an. 


Steckbrief:

Dr. Hermann Clemens Altmeppen

Geburtsjahr:
1981
Geburtsort:
Meppen (Emsland)
In der Demenz-Forschung seit:
2009

Hobbys:
Lesen, Reisen, Angeln, Wissenschaftskommunikation

Ich bin in der Demenzforschung tätig, weil…

über die im Vergleich und Gegensatz zu Alzheimer seltenen Prionenerkrankungen (wie z.B. Creutzfeldt-Jakob), welche in mancherlei Hinsicht als „Prototypen“ neurodegenerativer Demenzen angesehen werden können, auf dieses sehr herausfordernde und medizinisch wie gesellschaftlich extrem relevante Themenfeld gestoßen bin, in dem es noch so viel zu erforschen gibt. Zwischen all diesen Erkrankungen gibt es nicht nur mechanistische Ähnlichkeiten, sondern bisweilen sind auch dieselben Moleküle als Schlüsselspieler beteiligt. Hier setzt unsere Forschung an

Ich hoffe, dass die Alzheimer-Forschung in 10 Jahren…

weitere entscheidende Beiträge für eine weitreichende (und dann auch politisch, gesellschaftlich sowie individuell tatsächlich realisierte) Prävention, eine frühere Diagnostik und eine für alle Patienten wirksame und verfügbare Therapie geleistet haben wird. Neben den jüngsten Fortschritten mit Antikörpertherapien gegen das Amyloid-beta wird es sicherlich auch darauf ankommen, weitere relevante Krankheitsprozesse und Schlüsselmoleküle zu identifizieren, die dann kombiniert therapeutisch in Angriff genommen werden können.

Persönliche Nachricht:

Liebe Spender*innen,
meine Kollegen und ich danken Ihnen für diese großzügige Unterstützung unseres Forschungsprojektes, dessen Umsetzung andernfalls nicht möglich wäre. Mit Ihrer finanziellen Hilfe sind wir in der Lage, einen detaillierten Blick auf eines der zahlreichen noch unzulänglich verstandenen Puzzlestücke der Alzheimer-Krankheit zu werfen. Wir denken, dass das Projekt nicht nur einen Beitrag zum besseren Verständnis der molekularen und zellulären Prozesse liefern wird, sondern perspektivisch auch ein therapeutisch interessantes Ziel offenbaren könnte. Durch Ihre Förderung vieler solcher Projekte, die in der öffentlichen/staatlichen Forschungsförderung leider sehr oft leer ausgehen, helfen Sie mit, das Puzzle bzw. Gesamtbild „Alzheimer“ zu vervollständigen. Letzteres ist entscheidend für neuartige, wirksame Therapieoptionen. Eine multifaktorielle Erkrankung wie diese „zu knacken“ erfordert immer auch multidisziplinäre Forschungsansätze und wissenschaftliche Zusammenarbeit. Mit Ihrer großzügigen Spende und daher in hohem Maße wertschätzenden Förderung dieses Projektes ermöglichen Sie zudem einem jungen Menschen im Rahmen der Doktorarbeit eine wissenschaftliche Ausbildung und intensive Auseinandersetzung mit diesem Thema – die Basis für eine neue „Generation“ kluger und motivierter Köpfe sowie für zukünftige Innovation in der Demenzforschung. Für all dies danke ich Ihnen ganz herzlich.

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Haben Sie Fragen?

Vertrauen & Transparenz