MELODIC – Ein musikgestütztes Bewegungssystem für die Demenzbegleitung
Projektdetails:
| Thematik: | Therapie |
|---|---|
| Förderstatus: | laufend |
| Art der Förderung: | Care Research |
| Institution: | Universität Siegen |
| Projektleitung: | Dr. David Unbehaun |
| Laufzeit: | 01. Juli 2026 - 30. Juni 2029 |
| Fördersumme: | 199.000,00 Euro |

Dr. David Unbehaun
Was wird erforscht?
In den vergangenen Jahren hat sich der Blick auf die Behandlung von Menschen mit Demenz von einer rein medikamentösen zu einer ganzheitlichen Betrachtungsweise gewandelt. Zur Unterstützung der körperlichen Aktivität, sozialen Teilhabe und Lebensqualität der Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen möchte Dr. David Unbehaun von der Universität Siegen ein musikgestütztes Bewegungssystem entwickeln. Grundlage ist ein elastisches Fitnessband, wie es in der Physiotherapie genutzt wird mit eingearbeiteten Sensoren in Form von Fasern. Bei Benutzung des Fitnessbandes entsteht Musik. Wie die musikalische Interaktion im Detail gestaltet sein muss, um die Lebensqualität der Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen zu erhöhen, ist eine der zentralen Forschungsfragen des Projektes.
Wie geht Dr. David Unbehaun dabei vor?
Zu Beginn begleitet Dr. David Unbehaun den Alltag von Menschen mit Demenz, ihren Angehörigen und Pflegekräften, um zu verstehen, welche Gewohnheiten, biographischen Erfahrungen und Bedürfnisse für sie bedeutsam sind. Auf dieser Grundlage wird das musikgestützte Bewegungssystem gemeinsam mit allen Beteiligten schrittweise entwickelt und erprobt. Ergänzend zum musikgestützten Fitnessband entsteht eine digitale Anwendung, die Bewegungs- und Musikangebote an die individuellen Fähigkeiten anpasst und über eine zusätzliche Visualisierung unterstützt. In mehreren kooperierenden Einrichtungen werden sogenannte Living Labs eingerichtet - Orte, an denen Forschung und Pflegepraxis unmittelbar zusammenarbeiten und das entwickelte System unter realen Alltagsbedingungen erprobt wird.
Was ist das Ziel des Forschungsprojekts?
Das Ziel ist ein alltagstaugliches musikbasiertes System, das Menschen mit Demenz zu Bewegung, gemeinsamem Erleben und Freude einlädt und dass ihre Pflegepersonen dauerhaft entlastet und unterstützt werden. Wichtig ist hierbei die Nachhaltigkeit: Das Projekt soll über die Projektlaufzeit hinaus nutzbar bleiben. Dafür werden Pflegekräfte gezielt geschult und als Multiplikatoren befähigt, die Intervention eigenständig weiterzuführen.
Warum ist dieses Projekt besonders aussichtsreich?
"Weil es einen interdisziplinären und konsequent nutzerzentrierten Ansatz verfolgt. Durch die enge Einbindung von Menschen mit Demenz, ihren Angehörigen und Pflegekräften entwickeln wir alltagsnahe, bedarfsgerechte und biografieorientierte Technologien, die soziale Teilhabe, Wohlbefinden und Lebensqualität fördern. Einen besonderen Schwerpunkt bildet dabei der Einsatz musikalischer Interventionen: Musik besitzt das Potenzial, Erinnerungen zu aktivieren, Aktivität zu unterstützen und soziale Interaktionen zu fördern – selbst im fortgeschrittenen Stadium einer Demenz. Die Verbindung von ethnografischer Forschung, partizipativem-Design, innovativen sensorbasierten Anwendungen und Forschung in realen Pflegekontexten ermöglicht es, dieses Potenzial in praxisrelevante und nachhaltig wirksame Lösungen für die Demenzversorgung zu überführen."
Wofür werden die Fördermittel verwendet?
Die Fördermittel entfallen auf Personalkosten (150.000 €), Technologie und Software (32.500 €), Workshops mit den Einrichtungen und Reisekosten (16.500 €).
Steckbrief:
Dr. David Unbehaun
1985
Emmerich am Rhein
2015
Hobbys:
Lesen, Schreiben, Musik, Austausch und Dialog, Reisen

Dr. David Unbehaun
Ich bin in der Pflegeforschung tätig, weil...
ich überzeugt bin, dass das Potenzial innovativer Assistenztechnologien in der Pflege nur dann ausgeschöpft werden kann, wenn die individuellen Ressourcen von Pflegebedürftigen sowie die sozialen Praktiken und beruflichen Prozesse von Pflegenden und Angehörigen berücksichtigt werden. Ich setze mich daher für eine sozial eingebettete Design- und Technologieperspektive ein, in der technologische Innovationen zu sozialen Innovationen werden und bedarfsgerechte, praxisorientierte Lösungen für die professionelle und private Versorgung ermöglichen.
Ich hoffe, dass die Alzheimer-Forschung in 10 Jahren...
Langfristige, vertrauensvolle und partizipative Beziehungen zu Menschen mit Demenz, ihren Angehörigen und professionell Pflegenden sind eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiche angewandte Demenzforschung. Technologische Innovationen können nur dann nachhaltig wirksam werden, wenn sie als soziotechnische Lösungen verstanden und eng in bestehende soziale Praktiken und Versorgungsstrukturen eingebettet sind. Dabei nehmen Angehörige und Pflegekräfte eine Schlüsselrolle als Mitgestaltende, Vermittler und Integratoren neuer Technologien ein und sollten als gleichberechtigte Forschungspartner betrachtet werden. Zugleich zeigt sich, dass praxisnahe Forschungsansätze zwar zeit- und ressourcenintensiv sind, aber entscheidend dazu beitragen, bedarfsgerechte und alltagstaugliche Lösungen zu entwickeln. Besonders Reallabore und langfristige Forschungskooperationen schaffen Räume, in denen Wissenschaft und Praxis gemeinsam Innovationen entwickeln, erproben und nachhaltig verankern können. Gerade diese enge Verbindung von Forschung, Versorgungspraxis und sozialer Teilhabe macht das besondere Potenzial der partizipativen angewandten Demenzforschung aus.
Ich hoffe daher, dass die angewandte Demenzforschung in 10 Jahren noch stärker in der Versorgungspraxis verankert ist und innovative, alltagsnahe Technologien selbstverständlich zur Unterstützung von Menschen mit Demenz und ihren Sorgegemeinschaften beitragen. Angewandte und praxisorientierte Forschungsvorhaben sollten einen deutlich höheren Stellenwert erhalten, sodass wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in nachhaltige Versorgungsangebote überführt werden können. Gleichzeitig wünsche ich mir langfristige und flexible Förderstrukturen, die nicht nur die Entwicklung, sondern auch die Implementierung, Evaluation und nachhaltige Verstetigung solcher Lösungen in realen Pflegearrangements ermöglichen.
Persönliche Nachricht:
Ich möchte mich herzlich für Ihre Unterstützung bedanken. Ihre private Forschungsförderung ist von besonderer Bedeutung, weil sie mutige, anwendungsnahe und interdisziplinäre Forschungsansätze ermöglicht, die im klassischen Fördersystem oft nur schwer Raum finden.
Gerade in der angwandten Demenzforschung brauchen wir eine starke Ausrichtung auf soziotechnische Innovationen, in denen technologische Entwicklungen konsequent mit sozialen Praktiken, Versorgungskontexten und den Bedürfnissen der Menschen verbunden werden. Ihre Förderung trägt dazu bei, dass solche innovativen und praxisorientierten Forschungsparadigmen nicht nur gedacht, sondern auch konkret umgesetzt und weiterentwickelt werden können.
Besonders wertvoll ist dabei, dass durch Ihre Unterstützung auch Forschende aus der angewandten Mensch-Technik-Interaktion gezielt gefördert werden. Dies unterstreicht den hohen Stellenwert interdisziplinärer Zusammenarbeit, in der Expertise aus Pflegewissenschaft, Informatik, Design und Sozialwissenschaften zusammenkommt, um gemeinsam tragfähige Lösungen für die Versorgungspraxis zu entwickeln.
Ohne private Forschungsförderung wären viele dieser experimentellen, partizipativen und langfristig angelegten Projekte kaum realisierbar. Sie ermöglicht uns Freiräume, in denen wir gemeinsam mit Menschen mit Demenz, Angehörigen und Pflegekräften neue Wege erproben und innovative Versorgungslösungen entwickeln können.
Dafür danke ich Ihnen sehr herzlich.



