Wirkstoffe in der Alzheimer-Forschung
Forschende untersuchen zahlreiche Wirkstoffe, die unterschiedliche Prozesse der Alzheimer-Krankheit beeinflussen sollen.
Manche werden speziell zur Behandlung von Alzheimer entwickelt, andere werden bereits als Medikamente gegen andere Erkrankungen verwendet und für eine mögliche neue Anwendung geprüft.
Nicht jeder Wirkstoff, der im Labor oder in ersten Studien vielversprechend erscheint, wird später auch als Alzheimer-Medikament eingesetzt. Hier geben wir einen Überblick über wichtige Wirkstoffe, ihre Wirkmechanismen und den aktuellen Stand der Forschung.
Sie suchen Medikamente, die bereits zur Behandlung von Alzheimer eingesetzt werden? Zu den Alzheimer-Medikamenten

sturti/Canva
Ausgewählte Wirkstoffe in der Alzheimer-Forschung
Trontinemab
Ein neuer Antikörper soll Amyloid-Ablagerungen besonders gezielt aus dem Gehirn entfernen.
Valiltramiprosat
Der Wirkstoff soll die Bildung schädlicher Amyloid-Ablagerungen im Gehirn verhindern.
Metformin
Das bekannte Diabetes-Medikament wird auf eine mögliche Wirkung zur Vorbeugung von Demenz untersucht.
Antikörper-Wirkstoffe gegen Alzheimer
Antikörper gehören zu den wichtigsten Ansätzen der aktuellen Alzheimer-Forschung. Sie richten sich gegen Amyloid-beta-Ablagerungen im Gehirn und sollen diese gezielt entfernen. Mit Lecanemab und Donanemab sind erste Antikörper bereits zugelassen, weitere Wirkstoffe wie Trontinemab werden noch klinisch erforscht.
Antikörper-Wirkstoffe: Wirkung, Forschung und aktueller Stand
Weitere Forschungsansätze
Neben Wirkstoffen in klinischen Studien werden auch andere Substanzen darauf getestet, ob sie Prozesse der Alzheimer-Krankheit beeinflussen oder bestimmte Demenzsymptome lindern können. Für diese Ansätze ist die Datenlage bislang unterschiedlich und teilweise noch begrenzt.
Lithium
Lithium könnte schützende Effekte bei Alzheimer haben und wird dazu weiter erforscht.
Methylenblau
Der Farbstoff wird vor allem wegen möglicher Effekte auf krankhafte Tau-Proteine untersucht.
Medizinisches Cannabis
Cannabinoide werden auf mögliche Effekte bei Unruhe und anderen Demenzsymptomen geprüft.
Wie wird aus einem Wirkstoff ein Alzheimer-Medikament?
Bevor ein neuer Wirkstoff als Medikament zugelassen werden kann, muss er mehrere Forschungsphasen durchlaufen. Dabei wird schrittweise untersucht, ob er sicher ist, wie er dosiert werden muss und ob er den erhofften Nutzen hat. Dieser Weg dauert meist viele Jahre. Nur wenige Wirkstoffe erreichen schließlich die Zulassung.

Präklinische Forschung
Der Wirkstoff wird zunächst im Labor untersucht, beispielsweise an Zellen oder in Tiermodellen. Erst bei ausreichend guten Ergebnissen folgen Studien mit Menschen.
Phase 1: Ist der Wirkstoff sicher?
In einer kleinen Gruppe wird geprüft, wie gut der Wirkstoff vertragen wird und welche Dosierung geeignet sein könnte.
Phase 2: Zeigt der Wirkstoff eine Wirkung?
Nun wird der Wirkstoff an einer größeren Zahl von Testpersonen untersucht. Dabei geht es um erste Hinweise auf eine Wirkung und um mögliche Nebenwirkungen.
Phase 3: Bestätigt sich der Nutzen?
In großen Studien wird der Wirkstoff meist mit einem Scheinmedikament oder einer bestehenden Behandlung verglichen. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob sein Nutzen die Risiken überwiegt.
Zulassungsprüfung
In der Europäischen Union bewertet die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) die Studiendaten. Bei einer positiven Bewertung kann die Europäische Kommission die Zulassung erteilen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Medikament sofort in Deutschland verfügbar ist.
Dieser Weg dauert meist viele Jahre. Auch Wirkstoffe in Phase 3 können noch scheitern.
Warum scheitern viele Wirkstoffe gegen Alzheimer?
Auch Wirkstoffe, die im Labor oder in frühen Studien gute Ergebnisse zeigen, können später scheitern. Entscheidend ist, ob sie in größeren klinischen Studien einen messbaren Nutzen zeigen und ihre Risiken vertretbar sind.
Gründe für ein Scheitern können sein:
- Der Wirkstoff zeigt keine ausreichende Wirkung.
- Der Nutzen ist zu gering oder nur bei einzelnen Gruppen erkennbar.
- Es treten zu starke Nebenwirkungen auf.
- Der Wirkstoff erreicht sein Ziel im Gehirn nicht ausreichend.
- Die zuvor festgelegten Studienziele werden nicht erreicht.
Dennoch liefert auch eine gescheiterte Studie immer wichtige Erkenntnisse. Sie kann zeigen, welche Krankheitsmechanismen sich nicht wie erwartet beeinflussen lassen und wie zukünftige Wirkstoffe besser entwickelt werden können.
Wie fördert die AFI neue Forschungsansätze?
Die Alzheimer Forschung Initiative fördert Projekte, die unterschiedliche Krankheitsmechanismen untersuchen und neue Ansätze für Diagnose, Vorbeugung und Behandlung entwickeln.
Viele dieser Projekte gehören zur Grundlagenforschung. Sie schaffen wichtiges Wissen darüber, wo neue Therapien ansetzen könnten. Daraus können neue Wirkstoffideen entstehen, die anschließend weiterentwickelt und geprüft werden.
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing
Leiterin Wissenschaft
Director of Scientific Affairs
Tel.: 0211 - 86 20 66 14
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