Stand: 24.09.2026

Heilpflanzen bei Alzheimer:
Was sagt die Forschung?

Heilpflanzen gehören seit jeher zur Medizin. Heute untersucht die Forschung, ob ihre Inhaltsstoffe auch bei Alzheimer von Nutzen sein könnten.

Viele natürlich vorkommende Stoffe werden bereits medizinisch genutzt. Für einige ihrer Bestandteile gibt es zudem Hinweise darauf, dass sie Nervenzellen schützen oder Entzündungsprozesse beeinflussen könnten.

In der Arzneimittelforschung sind Naturstoffe außerdem häufig als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Wirkstoffe. Wir zeigen, welche Heilpflanzen bei Alzheimer untersucht werden und wie die wissenschaftliche Studienlage dazu aussieht.

Warum Heilpflanzen in der Alzheimer-Forschung untersucht werden

Pflanzen enthalten viele natürliche Stoffe, die unterschiedliche Prozesse im Körper beeinflussen können. Für die Alzheimer-Forschung sind besonders Stoffgruppen wie Polyphenole und Alkaloide interessant. Einige dieser Stoffe können Zellen vor Schäden schützen oder Entzündungen hemmen. Andere beeinflussen, wie Nervenzellen miteinander kommunizieren.

Solche natürlichen Stoffe können auch als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Medikamente dienen. Dafür werden sie in der Forschung gezielt untersucht und teilweise chemisch verändert, damit sie zum Beispiel stabiler sind oder besser vom Körper aufgenommen werden können.

Was bereits eingesetzt wird: Galantamin und Ginkgo biloba

Galantamin

Galantamin ist bislang der einzige etablierte Alzheimer-Arzneiwirkstoff, der ursprünglich aus einer Pflanze isoliert wurde.

Das pflanzliche Alkaloid wurde zunächst aus Schneeglöckchen gewonnen. Heute wird Galantamin aus wirtschaftlichen Gründen überwiegend synthetisch hergestellt.

Der Wirkstoff wird bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz zur symptomatischen Behandlung eingesetzt.

Er hemmt den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin und unterstützt dadurch die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen.

Ginkgo biloba

Ginkgo biloba gehört zu den am besten untersuchten Heilpflanzen bei Demenz. Die S3-Leitlinie Demenzen empfiehlt einen bestimmten standardisierten Ginkgo-Extrakt (EGb 761) bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz.

Studien zeigen, dass dieser Extrakt die geistige Leistungsfähigkeit und die Bewältigung des Alltags verbessern kann. Ein vorbeugender Effekt wurde bislang jedoch nicht nachgewiesen. Ginkgo biloba eignet sich daher nach heutigem Forschungsstand nicht zur Vorbeugung einer Demenz. Bei gleichzeitiger Einnahme blutverdünnender Medikamente sollte die Anwendung von Ginkgo biloba vorsichtshalber ärztlich oder in der Apotheke abgeklärt werden.

Mehr zu Galantamin, Ginkgo biloba und anderen Wirkstoffen finden Sie auf unserer Seite zur medikamentösen Behandlung von Alzheimer.

Welche Heilpflanzen derzeit erforscht werden

Griechischer Bergtee (Sideritis scardica)

Griechischer Bergtee, auch Griechisches Eisenkraut genannt, wird schon länger auf eine mögliche Wirkung bei Alzheimer untersucht. Verwendet werden die getrockneten Pflanzenteile von Sideritis scardica.

In Tierstudien zeigte ein Extrakt aus Griechischem Bergtee interessante Effekte: Bei Mäusen wurden weniger Amyloid-Ablagerungen und eine bessere Gedächtnisleistung beobachtet. Forschende vermuten, dass der Extrakt den Abtransport von Amyloid-beta aus dem Gehirn unterstützen könnte. 

Auch beim Menschen wurde Griechischer Bergtee untersucht. In kleineren Studien zeigten sich positive Effekte auf Gedächtnisleistung und Stimmung. Allerdings nahmen daran überwiegend gesunde Menschen oder Personen mit leichten kognitiven Einschränkungen teil. Für Menschen mit Alzheimer fehlen bislang größere, aussagekräftige Studien. Ob Griechischer Bergtee als Tee bei Demenz einen Nutzen hat, ist daher bislang nicht ausreichend belegt.

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird unter anderem zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Depressionen eingesetzt. Da depressive Symptome auch bei Alzheimer auftreten können, wird erforscht, ob Johanniskraut darüber hinaus einen Nutzen bei der Erkrankung haben könnte.

In einer 2024 veröffentlichten präklinischen Studie wurden speziell hergestellte Johanniskraut-Extrakte in Zellkulturen und im Mausmodell untersucht. Dabei gab es Hinweise darauf, dass die Extrakte die schädliche Wirkung von Amyloid-beta abschwächen könnten. Die behandelten Mäuse zeigten außerdem eine bessere Gedächtnisleistung.

Wichtig: Die dabei verwendeten Extrakte sind nicht mit handelsüblichen Johanniskraut-Präparaten vergleichbar. Für Menschen mit Alzheimer gibt es dazu bisher keine Studien.

Nachtkerze (Oenothera biennis)

Die Nachtkerze (Oenothera biennis) wird vor allem wegen der Gamma-Linolensäure untersucht, die im Nachtkerzenöl enthalten ist. Diese Omega-6-Fettsäure wird mit entzündungshemmenden und antioxidativen Effekten in Verbindung gebracht. Bislang ist jedoch nicht belegt, dass Nachtkerzenöl Menschen mit Alzheimer einen therapeutischen Nutzen bringt.

Medizinisches Cannabis

Medizinisches Cannabis wird bereits zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt, zum Beispiel bei chronischen Schmerzen, Übelkeit oder Appetitlosigkeit.

Auch bei Alzheimer wird untersucht, ob Cannabinoide bestimmte Begleitsymptome wie Unruhe, Schlafprobleme oder Appetitverlust lindern könnten.

Ob Cannabis den Verlauf der Alzheimer-Krankheit beeinflussen kann, ist bislang nicht belegt. Kleinere klinische Studien untersuchen vor allem mögliche Effekte auf Verhaltenssymptome bei Demenz.

Mehr dazu auf unserer Seite Mediznisches Cannabis und Alzheimer

Kurkuma und Curcumin

Curcumin ist ein Pflanzenstoff aus der Kurkuma-Pflanze. In Zellkulturen und Tiermodellen wurden entzündungshemmende, antioxidative und mögliche Effekte auf Amyloid-beta beobachtet. Daher wird erforscht, ob Curcumin Nervenzellen schützen kann.

Bei Menschen ist die Studienlage jedoch widersprüchlich. Einzelne kleinere Untersuchungen berichteten über Verbesserungen der kognitiven Leistung, viele Studien waren aber zu klein oder wurden mit gesunden Teilnehmenden durchgeführt. Ein Nutzen für Menschen mit Alzheimer ist deshalb bisher nicht ausreichend belegt.

Curcumin hat außerdem eine geringe Bioverfügbarkeit. Der Stoff wird im Körper schnell abgebaut und erreicht das Gehirn nur in kleinen Mengen. Deshalb wird auch nach Möglichkeiten gesucht, Curcumin so aufzubereiten, dass der Körper mehr davon aufnehmen kann.

Warum Ergebnisse aus Tierstudien oft nicht übertragbar sind

Was in Zellkulturen oder Tiermodellen wirkt, lässt sich nicht immer auf den Menschen übertragen. Ein möglicher Grund ist, dass die natürlich vorkommende Menge eines Wirkstoffs zu gering ist, um beim Menschen eine messbare Wirkung zu erzielen.

Hinzu kommt, dass manche Stoffe die Blut-Hirn-Schranke nur schlecht überwinden. Andere werden im Körper schnell abgebaut oder sind zu instabil, um in ausreichender Menge im Gehirn anzukommen. Sie haben dann eine geringe Bioverfügbarkeit – dem Körper steht also nur ein kleiner Teil des Wirkstoffs tatsächlich zur Verfügung.

„Natürlich“ heißt nicht automatisch „harmlos“

Auch pflanzliche Mittel können Nebenwirkungen haben oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen. „Natürlich“ bedeutet deshalb nicht automatisch „harmlos“. Gerade bei Menschen mit Alzheimer, die häufig mehrere Medikamente einnehmen, können Wechselwirkungen relevant sein.

Ein Beispiel ist Johanniskraut, das die Wirkung verschiedener Arzneimittel verändern kann. Auch bei Ginkgo sind Wechselwirkungen möglich, etwa mit blutverdünnenden Medikamenten. Pflanzliche Präparate sollten deshalb nicht ohne Rücksprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder in der Apotheke eingenommen werden.

Quellen

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