Schützt die Gürtelrose-Impfung vor Demenz?
In den vergangenen Jahren haben mehrere große Studien Hinweise darauf geliefert, dass Menschen nach einer Impfung gegen Gürtelrose seltener an einer Demenz erkranken als ungeimpfte Personen.
Neue Auswertungen deuten zudem darauf hin, dass die Impfung nicht nur mit einem geringeren Erkrankungsrisiko, sondern auch mit einem günstigeren Krankheitsverlauf in Zusammenhang stehen könnte.
Die Ergebnisse gelten als vielversprechend, müssen jedoch im Kontext der bisherigen Forschung sorgfältig eingeordnet werden. Auf dieser Seite informieren wir über den aktuellen Stand.

MarkGillow/Canva
Warum wird der Zusammenhang zwischen Gürtelrose und Demenz erforscht?
Infektionen und Entzündungsprozesse werden seit einigen Jahren als mögliche Einflussfaktoren bei der Entstehung von Demenzerkrankungen erforscht. Dabei stehen auch bestimmte Viren im Fokus, darunter das Varizella-Zoster-Virus. Es verursacht als Erstinfektion die Windpocken und verbleibt danach lebenslang im Körper. Jahre später kann es erneut aktiv werden und Gürtelrose (Herpes Zoster) auslösen.
Vor diesem Hintergrund untersuchen Forschende auch die Effekte von Impfungen gegen solche Viren, zum Beispiel gegen Herpes Zoster. Dabei geht es um die Frage, ob diese Impfung nicht nur vor Gürtelrose schützt, sondern möglicherweise auch das Demenzrisiko beeinflussen oder den Krankheitsverlauf verändern kann.
Welche Hinweise gibt es, dass eine Gürtelrose-Impfung das Demenzrisiko senkt?
Insbesondere zwei große Studien aus Wales und Australien liefern Hinweise darauf, dass eine Impfung gegen Gürtelrose mit einem geringeren Risiko für Demenzerkrankungen verbunden sein könnte:
In beiden Ländern wurde die Gürtelrose-Impfung im Rahmen staatlicher Impfprogramme eingeführt. Dabei galten feste Altersgrenzen. In Wales konnten sich ab dem Jahr 2013 zum Beispiel nur Menschen impfen lassen, die zum 1. September 79 Jahre alt waren. Jüngere Jahrgänge wurden in den folgenden Jahren nach und nach zugelassen. Wer zu diesem Zeitpunkt bereits 80 Jahre oder älter war, hatte keinen Anspruch mehr auf die Impfung.
Diese Altersgrenzen waren für die Forschung besonders hilfreich. So konnten Gruppen von Menschen verglichen werden, die fast gleich alt waren und sich in vielen Punkten ähnelten. Verglichen wurden impfberechtigte und nicht impfberechtigte Jahrgänge; der beobachtete Effekt wird darauf zurückgeführt, dass in den impfberechtigten Gruppen mehr Menschen tatsächlich geimpft waren.
Über einen Zeitraum von etwa sieben Jahren zeigte sich in beiden Ländern: In den Gruppen, die Anspruch auf die Impfung hatten, wurde seltener neu eine Demenz festgestellt als in den Vergleichsgruppen. In der Studie aus Wales zeigte sich bei tatsächlich geimpften Personen ein um etwa 20 Prozent geringeres Demenzrisiko, wobei bei Frauen der Schutzeffekt stärker zu sein scheint als bei Männern.
Dass ähnliche Ergebnisse in zwei verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Gesundheitssystemen gefunden wurden, gilt als wichtiges Zeichen dafür, dass es sich nicht nur um einen Zufall handelt. Trotzdem ist noch nicht klar, warum die Impfung diesen Effekt haben könnte. Weitere Forschung ist nötig, um die genauen Ursachen zu verstehen.
Welche neuen Erkenntnisse liefert die Studie aus Kanada (Ontario)?
Aktuelle Auswertungen aus Ontario, der einzigen kanadischen Provinz mit einer altersabhängigen Empfehlung zur Gürtelrose-Impfung, ergänzen die bisherigen Ergebnisse. Auch hier nutzten Forschende die Einführung des Impfprogramms ab 2016, um zu vergleichen, wie häufig Demenz bei impfberechtigten Personen und bei nicht impfberechtigten Vergleichsgruppen neu festgestellt wurde. Ein Vorteil dabei war, dass sich Ontario gut mit den anderen kanadischen Provinzen vergleichen ließ, in denen es keine altersabhängige Impfempfehlung gab.
Die Ergebnisse fielen ähnlich aus wie in Wales und Australien: Geimpfte Personen erhielten seltener eine Demenzdiagnose. In den übrigen kanadischen Provinzen blieb das Demenzrisiko im gleichen Zeitraum weitgehend gleich. Darüber hinaus zeigte sich, dass unter ungeimpften Personen etwa 10 Prozent eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) entwickelten, während es unter geimpften Personen rund 7 Prozent waren.
Zudem deuteten die Daten darauf hin, dass geimpfte Menschen auch bei bereits bestehender Demenz länger lebten. Die beobachteten Effekte zeigten sich über verschiedene Demenzformen hinweg.
Wie ordnen Fachgremien die Ergebnisse ein?
Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) verweist inzwischen ebenfalls auf Studien, die neben dem Schutz vor Gürtelrose weitere gesundheitliche Vorteile der Impfung nahelegen. Man sollte sich auch gegen Gürtelrose impfen lassen, wenn man bereits eine Gürtelroseinfektion hatte. Eine ausgestandene Infektion schützt nicht vor erneutem Ausbruch. Dazu zählen neben dem geringeren Demenzrisiko auch ein reduziertes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Die STIKO empfiehlt die Gürtelrose-Impfung in Deutschland weiterhin ab 60 Jahren. Die möglichen zusätzlichen Effekte auf das Demenzrisiko werden derzeit wissenschaftlich weiter untersucht.
Weitere Informationen:
Alzheimer- und Demenzforschung aktuell: Neue Studien und Erkenntnisse
Quellen
Bright, Anna. “CTAD: More Hints That Shingles Shot Staves Off Dementia” . Alzforum, 7 Dec. 2025.
Bright, Anna. “Shingles Vaccine Deflects Dementia in Aussies, Too” . Alzforum, 1 May 2025.
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Pomirchy, Michael, Christian Bommer, Fabienne Pradella, Felix Michalik, Ruth Peters, Pascal Geldsetzer, et al. “Effect of Herpes Zoster Vaccination on Dementia Occurrence: A Quasi-Experimental Study in Australia.” JAMA, 2025. Preprint (Volltext, PMCID: PMC11230318): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11230318/ .
Robert Koch-Institut (RKI). Gürtelrose (Herpes zoster): Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Erkrankung und Impfung. Stand: 6 Nov. 2025.
Xie, Mingyang, et al. “The Effect of Shingles Vaccination at Different Stages of the Dementia Disease Course.” Cell, vol. 188, no. 25, 2025, pp. 7049–7064.e20. https://doi.org/10.1016/j.cell.2025.11.007 .
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