Alzheimer und Schlaganfall:
Wie hängen die Erkrankungen zusammen?
Alzheimer und Schlaganfall sind unterschiedliche Erkrankungen des Gehirns.
Dennoch gibt es Zusammenhänge: Ein Schlaganfall kann das Risiko für eine spätere Demenz erhöhen. Umgekehrt können bestimmte Gefäßveränderungen, die häufig bei Alzheimer auftreten, das Risiko für Hirnblutungen steigern.
Wie diese Zusammenhänge entstehen und was die Forschung darüber weiß, erklären wir auf dieser Seite.

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Inhalt
Kann ein Schlaganfall Alzheimer oder Demenz auslösen?
Ist das Schlaganfallrisiko bei Alzheimer erhöht?
Amyloid-beta-Ablagerungen in den Blutgefäßen
Kann ein Schlaganfall Alzheimer oder Demenz auslösen?
Ein Schlaganfall kann zwar zu einer Demenz führen, verursacht aber nicht automatisch Alzheimer. Denn Alzheimer und Demenz sind nicht dasselbe: Demenz bezeichnet einen Zustand, in dem Gedächtnis, Denken und andere geistige Fähigkeiten so stark nachlassen, dass der Alltag beeinträchtigt wird. Alzheimer ist die häufigste Ursache einer Demenz, aber nicht die einzige.
Nach einem Schlaganfall haben manche Menschen Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis, der Aufmerksamkeit oder dem Denken. Diese Beschwerden können sich während der Erholungsphase wieder bessern. Bleiben sie bestehen und beeinträchtigen den Alltag deutlich, kann eine Demenz nach Schlaganfall (engl. Post Stroke Dementia) vorliegen. Liegen der Demenz Schäden an den Blutgefäßen des Gehirns zugrunde, spricht man von einer vaskulären Demenz.
Ein Schlaganfall kann außerdem dazu führen, dass sich eine bereits vorhandene Alzheimer-Erkrankung früher bemerkbar macht. Das geschädigte Gehirn kann die Veränderungen durch Alzheimer dann möglicherweise nicht mehr so gut ausgleichen.
Manchmal sind sowohl Alzheimer als auch Schäden an den Blutgefäßen für die Demenz verantwortlich. Fachleute sprechen dann von einer gemischten Demenz.
Was ist ein Schlaganfall?
Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns plötzlich nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt oder es kommt zu einer Blutung im Gehirn.
- Ischämischer Schlaganfall: Ein Blutgefäß ist verschlossen. Das betroffene Hirngewebe erhält zu wenig Sauerstoff.
- Hämorrhagischer Schlaganfall: Ein Blutgefäß reißt, sodass Blut in das Hirngewebe austritt.
Beide Formen können Nervenzellen schädigen und langfristige Folgen für die geistige Leistungsfähigkeit haben.
Ein Schlaganfall ist immer ein medizinischer Notfall. Bei plötzlich auftretenden Lähmungen, Sprachstörungen oder anderen typischen Warnzeichen sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Ist das Schlaganfallrisiko bei Menschen mit Alzheimer erhöht?
Menschen mit Alzheimer haben ein erhöhtes Risiko für bestimmte Formen des Schlaganfalls. Das gilt insbesondere für Hirnblutungen. Für Schlaganfälle, die durch den Verschluss eines Blutgefäßes entstehen, ist ein erhöhtes Risiko dagegen bislang nicht eindeutig nachgewiesen.
Eine mögliche Erklärung sind Veränderungen an den Blutgefäßen im Gehirn, die häufig mit Alzheimer einhergehen. Dazu gehört die sogenannte zerebrale Amyloidangiopathie, bei der sich das Protein Amyloid-beta in den Gefäßwänden ablagert.
Amyloid-beta-Ablagerungen in den Blutgefäßen
Bei der sogenannten zerebralen Amyloidangiopathie (CAA) lagert sich das Protein Amyloid-beta in den Wänden kleiner und mittelgroßer Blutgefäße im Gehirn ab. Dadurch werden die Gefäßwände geschädigt und können brüchig werden. Das erhöht das Risiko für kleine, häufig unbemerkte Blutungen und größere Hirnblutungen.
Die zerebrale Amyloidangiopathie tritt vor allem im höheren Lebensalter auf und kommt häufig gemeinsam mit der Alzheimer-Krankheit vor. Während sich Amyloid-beta bei Alzheimer unter anderem in Form von Plaques im Hirngewebe ablagert, sind bei der zerebralen Amyloidangiopathie die Blutgefäßwände betroffen. Beide Veränderungen können gleichzeitig bestehen.
Neue Alzheimer-Medikamente und das Risiko für Hirnblutungen
Zur Behandlung der frühen Alzheimer-Krankheit stehen inzwischen Antikörper zur Verfügung, die gegen das Protein Amyloid-beta gerichtet sind. Dazu gehören die Wirkstoffe Lecanemab und Donanemab.
Bei diesen Therapien können Veränderungen im Gehirn auftreten, die sich in der Magnetresonanztomographie (MRT) erkennen lassen. Dazu zählen Schwellungen und kleine Blutungen. Fachleute bezeichnen diese Veränderungen als Amyloid-Related Imaging Abnormalities (ARIA). Sie verursachen häufig keine Beschwerden, können in seltenen Fällen aber schwerwiegende Folgen haben.
Deshalb wird vor Beginn einer solchen Therapie sorgfältig geprüft, ob ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht. Vor und während der Behandlung sind MRT-Untersuchungen nach einem festgelegten Kontrollplan erforderlich. Besonders wichtig ist dabei, mögliche Gefäßveränderungen im Gehirn zu berücksichtigen, wie sie bei der zerebralen Amyloidangiopathie vorkommen.
Schlaganfall, Alzheimer und Demenz: Was weiß die Forschung?
Warum können Schlaganfälle das Demenzrisiko erhöhen? Und was bedeuten Gefäßveränderungen für die Alzheimer-Forschung? Darüber spricht Neurowissenschaftlerin Dr. Anna Dewenter vom LMU Klinikum München in unserem Interview über Schlaganfall, Alzheimer und Demenz.
Schlaganfall und Demenz vorbeugen
Einige Risikofaktoren für Schlaganfälle können auch das Risiko für Demenzerkrankungen erhöhen. Dazu gehören insbesondere Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen und Bewegungsmangel. Wer auf seine Herz- und Gefäßgesundheit achtet, kann deshalb auch etwas für sein Gehirn tun.
Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf das Rauchen können helfen, das Schlaganfallrisiko zu senken. Ebenso wichtig ist es, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Auch Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern erhöhen das Schlaganfallrisiko. Dabei können sich im Herzen Blutgerinnsel bilden, die ins Gehirn gelangen und dort ein Blutgefäß verschließen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann helfen, das Risiko zu senken.
Zwar lassen sich Demenzerkrankungen nie vollständig verhindern, doch ein gesunder Lebensstil und die Behandlung von Gefäßrisikofaktoren können das Risiko für kognitive Einschränkungen und Demenz verringern.
Weitere Informationen und praktische Tipps finden Sie auf unserer Seite Demenz vorbeugen.

Elenba / adobestock
Weiterführende Informationen
Vaskuläre Demenz
Ursachen, Symptome, Verlauf
Schlaganfall, Alzheimer und Demenz
Dr. Anna Dewenter im Interview
Was ist Alzheimer?
Alzheimer-Demenz - einfach erklärt
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie und Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde, Hrsg. S3-Leitlinie Demenzen. Version 6.0, 24. Feb. 2026, AWMF-Registernummer 038-013. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-013 .
- Waziry, Reem, et al. “Risk of Hemorrhagic and Ischemic Stroke in Patients with Alzheimer Disease: A Synthesis of the Literature.” Neurology, vol. 94, 2020, pp. 265–272. https://doi.org/10.1212/WNL.0000000000008924 .
- Block, Frank, and Manuel Dafotakis. “Cerebral Amyloid Angiopathy in Stroke Medicine.” Deutsches Ärzteblatt International, vol. 114, 2017, pp. 37–42. https://doi.org/10.3238/arztebl.2017.0037 .
- Cortes-Canteli, Marta, and Costantino Iadecola. “Alzheimer's Disease and Vascular Aging: JACC Focus Seminar.” Journal of the American College of Cardiology, vol. 75, no. 8, 2020, pp. 942–951. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2019.10.062 .

Autorin
Dr. Anne Pfitzer-Bilsing
hat sich nach ihrem Studium der Biochemie an der Uni Düsseldorf während ihrer Doktorarbeit auf Amyloide spezialisiert. Seit 2024 leitet sie bei der AFI die Abteilung Wissenschaft.







