„Private Forschungsförderung wird zunehmend wichtiger“

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PD Dr. Oliver Wirths von der Universitätsmedizin Göttingen wird bereits zum zweiten Mal von der AFI gefördert. Bis 2014 erforscht er den Untergang von Nervenzellfortsätzen bei der Alzheimer-Krankheit und nimmt den Einfluss von Eiweiß-Plaques auf den axonalen Transport unter die Lupe. Im Interview spricht PD Dr. Wirths über sein Forschungsprojekt, einen möglichen Therapieansatz und die Rolle der privaten Forschungsförderung. PD Dr. Oliver Wirths wird zum zweiten Mal von der AFI gefördert.

Portrait der Forschers Dr. Oliver Wirths
Foto: Patrick Lux

Herr PD Dr. Wirths, was reizt Sie an der Alzheimer-Forschung?

Der medizinische Fortschritt der letzten Jahrzehnte hat dazu geführt, dass die Menschen länger leben, aber auch immer häufiger von altersbedingten Krankheiten betroffen sind. Aufgrund unserer demographischen Entwicklung werden daher Demenzerkrankungen in der Zukunft deutlich zunehmen. Ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden pathologischen Prozesse, aber auch der normalen altersabhängigen Veränderungen des Gehirns sind ein faszinierendes Forschungsfeld.

Gibt es andere Krankheiten, bei denen das Eingreifen in axonale bzw. autophagische Prozesse bereits Therapieansatz ist?

Eine Fehlregulation autophagischer Prozesse wird bei Krebserkrankungen, aber auch bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen wie z.B. Parkinson oder frontotemporaler Demenz diskutiert, und spielt damit bei den häufigsten Erkrankungen einer alternden Gesellschaft eine wichtige Rolle. Die Autophagie, das Verdauen zelleigener Organellen und Proteine, stellt ein Programm zur Wiederverwertung von geschädigten Eiweißstoffen und Zellbausteinen dar. Wenn dieser Mechanismus nicht richtig funktioniert, kommt es zur Ansammlung dieser Stoffe und einer Schädigung der Nervenzellen. Es geht also in erster Linie darum, den normalen Stoffwechsel aufrecht zu erhalten oder wiederherzustellen um eine toxische Wirkung auf die Nervenzellen zu verhindern.

Warum könnte dieses Forschungsprojekt gerade einen Therapieansatz in der frühen Krankheitsphase eröffnen?

Eine unserer Arbeitshypothesen besagt, dass es vor der extrazellulären Ablagerung von toxischen Abeta-Peptiden in Form von sogenannten Plaques, zu einer Ansammlung dieser Eiweiss-Fragmente innerhalb von Nervenzellen kommt. Wir konnten in einer Reihe von vorangegangenen tierexperimentellen Studien zeigen, dass eben diese frühen intrazellulären Akkumulationen entscheidend zum Untergang der Nervenzellen beitragen und an einer Degeneration der Nervenfasern beteiligt zu sein scheinen. Daher ist ein besseres Verständnis dieser frühen pathologischen Veränderungen wichtig um therapeutische Strategien entwickeln zu können, die es ermöglichen die Nervenzellen vor dem Untergang zu schützen und die Zell-Zell-Kontakte zu erhalten.

Mit den Fördermitteln finanzieren Sie auch eine Doktorandenstelle. Warum kann diese eben nicht aus den Mitteln der Universität geschaffen werden?

Die finanzielle Ausstattung der Universitäten ist leider in der Regel nicht in dem Maße gegeben, dass damit Doktorandenstellen finanziert werden können. Diese Stellen müssen  dann zumeist über Drittmittelprojekte öffentlicher oder privater Geldgeber gefördert werden.

Sie werden bereits zum zweiten Mal von der AFI gefördert. Welchen Stellenwert hat private Forschungsförderung für Ihre Arbeit und was konnten sie dadurch erreichen?

Leider ist private Forschungsförderung in Deutschland immer noch wenig verbreitet, wird aber aufgrund nicht ausreichender staatlicher Fördermittel zunehmend wichtiger, um auch gerade jüngeren Wissenschaftlern unabhängige Forschung zu ermöglichen. Umso dankbarer bin ich der Alzheimer Forschung Initiative für die erneute Unterstützung unserer Forschungsarbeiten.

PD Dr. Oliver Wirths von der Universitätsmedizin Göttingen wird mit seinem Projekt „Autophagische und axonale Degeneration im Mausmodell“ mit 79.800 Euro von der AFI gefördert.

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