Eine aktuelle Übersichtsarbeit von Forschenden aus Malaysia und Indien untersucht, ob intensive Bildschirmnutzung, häufiges Multitasking und die starke Nutzung digitaler Hilfsmittel Konzentration und Gedächtnis beeinträchtigen können.
Die Autorinnen und Autoren verwenden dafür den Begriff „digitale“ oder „virtuelle Demenz“. Gemeint ist damit jedoch keine Demenzerkrankung wie Alzheimer, sondern eine mögliche Form von Konzentrations- und Gedächtnisproblemen im Zusammenhang mit intensiver digitaler Mediennutzung. Eine anerkannte medizinische Diagnose ist „digitale Demenz“ nicht.
Wenn die Aufmerksamkeit ständig weiterzieht
Wer zwischen Nachrichten, Videos, Apps und anderen digitalen Reizen hin- und herspringt, muss seine Aufmerksamkeit immer wieder neu ausrichten. Die Übersichtsarbeit beschreibt, dass häufiges digitales Multitasking mit Ablenkbarkeit, schwächerem Arbeitsgedächtnis und Schwierigkeiten beim längeren konzentrierten Arbeiten verbunden sein kann.
Das kann sich zum Beispiel darin zeigen, dass man beim Lesen schneller unruhig wird, sich leichter ablenken lässt oder längeren Texten und Vorträgen schwerer folgt.
Besonders Jugendliche und junge Erwachsene stehen im Fokus der Forschung. In dieser Lebensphase entwickeln sich Hirnnetzwerke weiter, die für Aufmerksamkeit, Planung und Selbstkontrolle wichtig sind. Ob intensive digitale Mediennutzung diese Entwicklung langfristig beeinflusst, ist jedoch noch nicht ausreichend geklärt.
Wenn das Smartphone das Gedächtnis entlastet
Ein weiterer Punkt der Übersichtsarbeit ist das sogenannte „kognitive Offloading“. Damit ist gemeint, dass wir Informationen zunehmend an digitale Geräte auslagern – zum Beispiel Telefonnummern, Termine oder Wegbeschreibungen. Das kann praktisch sein und das Gedächtnis kurzfristig entlasten. Die Autorinnen und Autoren diskutieren jedoch, ob eine sehr starke Abhängigkeit von solchen Hilfsmitteln dazu führen könnte, dass Informationen seltener aktiv eingeprägt und abgerufen werden. Welche langfristigen Auswirkungen das hat, ist noch nicht ausreichend geklärt.
Ist „digitale Demenz“ eine echte Demenz?
Nein. Die Forschungsarbeit unterscheidet ausdrücklich zwischen „digitaler Demenz“ und neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer. Bei Alzheimer kommt es zu fortschreitenden Veränderungen und zum Verlust von Nervenzellen. Für die sogenannte digitale Demenz gibt es dagegen bislang keine bestätigten typischen krankhaften Veränderungen im Gehirn. Die bisher beschriebenen Auffälligkeiten betreffen vor allem Aufmerksamkeit, Gedächtnis und andere geistige Funktionen und könnten zumindest teilweise wieder zurückgehen, wenn sich Gewohnheiten ändern.
Weniger Bildschirm, mehr Ausgleich
Als mögliche Gegenmaßnahmen nennen die Autorinnen und Autoren unter anderem bewusste Bildschirmzeiten, weniger Benachrichtigungen, Pausen ohne Smartphone sowie Bewegung, Lesen und persönliche soziale Kontakte. Gleichzeitig betonen sie, dass digitale Technik nicht nur Nachteile hat. Sie kann auch zur Früherkennung, zum Training geistiger Fähigkeiten und zur Unterstützung von Menschen mit kognitiven Problemen eingesetzt werden.
Noch fehlen Langzeitstudien und einheitliche Kriterien, um genau beurteilen zu können, welche Folgen intensive digitale Mediennutzung tatsächlich für das Gehirn hat. Der Begriff „digitale Demenz“ beschreibt deshalb derzeit eher eine Forschungsfrage als eine neue Form von Demenz.
Weitere Informationen
Welche Formen von Demenz gibt es?
Quelle: Subramanian, A., Reddy, R. A. et al. (2026). Virtual Dementia in the Digital Age: Neurocognitive Mechanisms, Behavioural Impact and Public Health Implications of Technology Overuse. doi.org/10.1177/09727531261420601





