Antikörper-Medikamente gegen Alzheimer

Mit Leqembi (Lecanemab) und Kisunla (Donanemab) stehen in Deutschland zwei Antikörper-Medikamente zur Behandlung der frühen Alzheimer-Krankheit zur Verfügung.

Die beiden Wirkstoffe richten sich gezielt gegen Amyloid-beta-Ablagerungen im Gehirn und können deren Menge verringern.

Heilen oder stoppen können sie die Alzheimer-Krankheit nicht. Bei geeigneten Patientinnen und Patienten können sie jedoch das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Wie unterscheiden sich Leqembi und Kisunla?

Die beiden neuen Medikamente Leqembi (Wirkstoff: Lecanemab) und Kisunla (Wirkstoff: Donanemab) haben eine ähnliche Wirkweise. Beide richten sich gegen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn.

Unterschiede gibt es vor allem bei der Behandlung:

  • Infusionsrhythmus: Leqembi wird alle zwei Wochen als Infusion verabreicht. Kisunla wird alle vier Wochen gegeben.
  • Behandlungsdauer: Die Therapie mit Kisunla kann beendet werden, wenn die Amyloid-Plaques ausreichend zurückgegangen sind. Spätestens nach 18 Monaten wird die Therapie beendet. Leqembi wird längerfristig behandelt und nicht nach einer festgelegten Therapiedauer beendet.

Für wen kommt die Antikörpertherapie infrage?

Die Antikörpertherapie kommt ausschließlich für Menschen infrage, die sich im frühen Stadium einer Alzheimer-Erkrankung befinden – also bei leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) oder leichter Alzheimer-Demenz.

Für den Beginn der Behandlung müssen zwei zentrale Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Es muss nachgewiesen sein, dass Amyloid-beta-Ablagerungen im Gehirn vorliegen.
  • Zudem darf die betreffende Person nicht zwei Kopien der Genvariante ApoE4 tragen.

Eine Behandlung kommt nicht infrage, wenn:

  • die Alzheimer-Demenz bereits weiter fortgeschritten ist
  • ausschließlich eine andere Demenzform vorliegt, zum Beispiel eine vaskuläre Demenz
  • im MRT relevante Gefäßveränderungen oder Mikroblutungen sichtbar sind
  • bestimmte Blutverdünner, sogenannte Antikoagulanzien, eingenommen werden.

Wie läuft die Behandlung ab?

Die Behandlung findet in spezialisierten Gedächtnisambulanzen oder neurologischen Zentren statt. Bevor die Infusionen beginnen können, wird mit mehreren Untersuchungen geprüft, ob die Therapie infrage kommt:

  • neuropsychologische Demenztests, um Gedächtnis und Aufmerksamkeit zu prüfen,
  • eine MRT-Untersuchung des Kopfes, um Gefäßveränderungen auszuschließen,
  • eine Liquor- oder PET-Untersuchung, um Amyloid nachzuweisen,
  • eine genetische Analyse (ApoE-Test), um das Nebenwirkungsrisiko einzuschätzen.

Die Behandlung selbst:

  • erfolgt als regelmäßige Infusion des Antikörper-Medikaments,
  • dauert pro Sitzung 30 bis 60 Minuten
  • wird je nach Medikament alle zwei oder vier Wochen durchgeführt
  • findet unter ärztlicher Überwachung statt

Während der gesamten Therapiedauer sind begleitende Kontrollen notwendig. Dazu gehören regelmäßige MRT-Untersuchungen, besonders im ersten Jahr, sowie ärztliche Gespräche, bei denen mögliche Nebenwirkungen und die Wirksamkeit der Behandlung überprüft werden.

Welche Risiken gibt es?

Die Therapie mit Antikörper-Medikamenten kann gut verträglich sein, sie birgt aber auch ernsthafte Risiken. Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen das Gehirn und werden unter dem Begriff ARIA (Amyloid-Related Imaging Abnormalities) zusammengefasst:

  • Hirnschwellungen (ARIA-E), die oft unbemerkt bleiben, manchmal aber Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel auslösen können
  • Mikroblutungen (ARIA-H), die meist symptomlos sind, in seltenen Fällen aber Komplikationen verursachen

Darum sind regelmäßige MRT-Kontrollen vorgeschrieben. Sie helfen, Veränderungen früh zu entdecken – oft bevor Beschwerden auftreten.

Daneben gibt es Infusionsreaktionen, die nicht direkt mit den Veränderungen im Gehirn zusammenhängen, sondern mit der Gabe des Medikaments selbst. Dazu zählen Fieber, Blutdruckschwankungen oder Hautrötungen. Diese treten meist kurz nach der Infusion auf und klingen in der Regel wieder ab.

Wichtig: Bei plötzlichen Symptomen wie Sprachstörungen, Sehstörungen oder starken Kopfschmerzen sollten Patientinnen und Patienten sofort ihr Behandlungsteam kontaktieren.

Welchen Nutzen hat die Therapie?

Antikörper-Medikamente können das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit im frühen Stadium verlangsamen. In Studien verschlechterten sich Gedächtnis, Denkfähigkeit und Alltagsfähigkeiten bei den behandelten Personen im Durchschnitt langsamer als bei Personen, die ein Scheinmedikament erhielten.

Wie stark dieser Unterschied im Alltag spürbar ist, kann von Person zu Person unterschiedlich sein. Die Medikamente können Alzheimer nicht heilen oder stoppen und bereits verlorene Fähigkeiten nicht wiederherstellen.

Ziel der Behandlung ist es, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und vorhandene Fähigkeiten möglichst länger zu erhalten.

Behandlung mit Leqembi und Kisunla in Deutschland

Leqembi und Kisunla können in Deutschland zur Behandlung der frühen Alzheimer-Krankheit eingesetzt werden, wenn die jeweiligen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Behandlung erfolgt in spezialisierten Einrichtungen, die die erforderliche Diagnostik, Infusionen und regelmäßigen MRT-Kontrollen anbieten können.

Wer prüfen möchte, ob eine Behandlung grundsätzlich infrage kommt, kann sich an eine Gedächtnisambulanz oder eine größere neurologische Einrichtung wenden. Die Kontaktdaten zu mehr als 160 Gedächtnissprechstunden in Deutschland finden Sie in unserer Datenbank.

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