Antikörper-Medikamente gegen Alzheimer
Mit Leqembi und Kisunla gibt es seit 2025 zwei neue Medikamente zur Behandlung der frühen Alzheimer-Krankheit.
Die beiden Antikörper richten sich zum ersten Mal gegen eine mögliche Ursache der Erkrankung. Sie entfernen schädliche Ablagerungen des Proteins Amyloid-beta im Gehirn.
Eine Heilung ist damit zwar nicht möglich. Aber das Fortschreiten der Krankheit kann um einige Monate verlangsamt werden. So kann der geistige Abbau verlangsamt werden und Erkrankte gewinnen wertvolle Zeit.

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Wie unterscheiden sich Leqembi und Kisunla?
Die beiden neuen Medikamente Leqembi (Wirkstoff: Lecanemab) und Kisunla (Wirkstoff: Donanemab) haben eine ähnliche Wirkweise.
Es gibt aber Unterschiede bei der Behandlung:
- Infusionsrhythmus: Leqembi wird zunächst alle zwei Wochen gegeben, später alle vier Wochen. Kisunla wird alle vier Wochen verabreicht.
- Behandlungsdauer: Die Therapie mit Kisunla kann beendet werden, wenn die Amyloid-Plaques messbar zurückgegangen sind, spätestens jedoch nach 18 Monaten. Leqembi wird in der Regel länger fortgeführt.

Wer kann (nicht) behandelt werden?
Die neuen Medikamente kommen ausschließlich für Menschen infrage, die sich im frühen Stadium einer Alzheimer-Erkrankung befinden – also bei leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) oder früher Alzheimer-Demenz.
Für den Beginn der Behandlung müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
- Es muss nachgewiesen sein, dass Amyloid-beta-Ablagerungen im Gehirn vorliegen.
- Zudem darf die getestete Person nicht zwei Kopien des Risikogens ApoE4 tragen.
Eine Behandlung kommt nicht infrage wenn:
- die Alzheimer-Demenz bereits weiter fortgeschritten ist
- ausschließlich eine andere Demenzform vorliegt, zum Beispiel eine vaskuläre Demenz
- relevante Gefäßveränderungen oder Mikroblutungen im MRT sichtbar sind
- oder bestimmte Blutverdünner (Antikoagulanzien) eingenommen werden.
Wie läuft die Behandlung ab?
Die Behandlung ist aufwendig und findet in spezialisierten Gedächtnisambulanzen oder neurologischen Zentren statt. Bevor die Infusionen beginnen können, muss geprüft werden, ob die Therapie wirklich infrage kommt. Dazu gehören mehrere Untersuchungen:
- neuropsychologische Demenztests, um Gedächtnis und Aufmerksamkeit zu prüfen,
- eine MRT-Untersuchung des Kopfes, um Gefäßveränderungen auszuschließen,
- eine Liquor- oder PET-Untersuchung, um Amyloid nachzuweisen,
- eine genetische Analyse (ApoE-Test), um das Nebenwirkungsrisiko einzuschätzen.
Die Behandlung selbst:
- erfolgt als regelmäßige Infusion des Antikörper-Medikaments,
- dauert pro Sitzung 30 bis 60 Minuten
- wird je nach Medikament alle zwei oder vier Wochen durchgeführt
- findet unter ärztlicher Überwachung statt
Insgesamt sollten Patientinnen und Patienten für eine Infusionsbehandlung etwa einen halben Tag einplanen.
Während der gesamten Therapiedauer sind begleitende Kontrollen notwendig. Dazu gehören regelmäßige MRT-Untersuchungen, besonders im ersten Jahr, sowie ärztliche Gespräche, bei denen mögliche Nebenwirkungen und die Wirksamkeit der Behandlung überprüft werden.

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Welche Risiken gibt es?
Die Therapie mit Antikörper-Medikamenten kann gut verträglich sein, sie birgt aber auch ernsthafte Risiken. Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen das Gehirn und werden unter dem Begriff ARIA (Amyloid-Related Imaging Abnormalities) zusammengefasst:
- Hirnschwellungen (ARIA-E), die oft unbemerkt bleiben, manchmal aber Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel auslösen können
- Mikroblutungen (ARIA-H), die meist symptomlos sind, in seltenen Fällen aber Komplikationen verursachen
Darum sind regelmäßige MRT-Kontrollen vorgeschrieben. Sie helfen, Veränderungen früh zu entdecken – oft bevor Beschwerden auftreten.
Daneben gibt es Infusionsreaktionen, die nicht direkt mit den Veränderungen im Gehirn zusammenhängen, sondern mit der Gabe des Medikaments selbst. Dazu zählen Fieber, Blutdruckschwankungen oder Hautrötungen. Diese treten meist kurz nach der Infusion auf und klingen in der Regel wieder ab.
Wichtig: Bei plötzlichen Symptomen wie Sprachstörungen, Sehstörungen oder starken Kopfschmerzen sollten Patientinnen und Patienten sofort ihr Behandlungsteam kontaktieren.

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Welchen Nutzen hat die Therapie?
Antikörper-Medikamente stellen einen wichtigen Fortschritt dar: Sie können den Verlauf der Alzheimer-Krankheit im frühen Stadium spürbar verlangsamen. Studien zeigen, dass die Erkrankung dadurch um mehrere Monate hinausgezögert werden kann.
Das bedeutet: Alltagsfähigkeiten bleiben länger erhalten. Viele Menschen können weiterhin noch gut Gespräche führen oder einkaufen, auch wenn schon erste Einschränkungen bestehen. Angehörige berichten von mehr Stabilität im Alltag und einem spürbar langsameren Abbau.
Gleichzeitig gilt es, die Erwartungen realistisch zu halten:
- Die Medikamente stoppen die Krankheit nicht, eine Heilung gibt es nicht.
- Die Wirkung ist begrenzt. Manche profitieren mehr, andere weniger.
- Ein klar spürbarer Unterschied im Alltag zeigt sich nicht immer sofort.
Trotz allem beschreiben viele Erkrankte und ihre Angehörigen die Therapie als Gewinn: Sie schenkt zusätzliche Monate, in denen Fähigkeiten und Selbstständigkeit länger bewahrt bleiben – und damit wertvolle gemeinsame Zeit.
Eine Patientin im frühen Stadium fasst es so zusammen: „Es geht langsamer bergab. Ich habe das Gefühl, Zeit gewonnen zu haben.“

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Versorgung mit Leqembi und Kisunla in Deutschland: aktueller Stand
Die Versorgungssituation in Deutschland befindet sich derzeit noch im Aufbau. Grundsätzlich können Gedächtnisambulanzen das vollständige diagnostische und therapeutische Vorgehen anbieten: von der ausführlichen Abklärung über den Amyloid-Nachweis bis hin zur Koordination der Infusionen und der notwendigen MRT-Kontrollen.
Aktuell gibt es bereits erste Einrichtungen, die mit der Antikörper-Therapie begonnen haben und einzelne Patientinnen und Patienten behandeln. Andere Zentren bereiten sich derzeit darauf vor, ebenfalls zu starten.
Wer prüfen möchte, ob eine Behandlung grundsätzlich infrage kommt, kann sich an eine Gedächtnisambulanz oder eine größere neurologische Einrichtung wenden. Alle Kontaktdaten zu den mehr als 160 Gedächtnissprechstunden in Deutschland können Sie über unsere Datenbank recherchieren:
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