Mild Cognitive Impairment (MCI)
Mild Cognitive Impairment (MCI, zu Deutsch „Leichte kognitive Störung“) kann eine Vorstufe zu einer Demenz wie Alzheimer sein, muss es aber nicht.
Lesen Sie hier:
- welche Symptome für Mild Cognitive Impairment typisch sind,
- wie MCI diagnostiziert wird
- und wie Menschen mit MCI aktuell behandelt werden können.

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Mild Cognitive Impairment: Was ist das?
Mild Cognitive Impairment ist eine leichte kognitive Beeinträchtigung, die über den normalen geistigen Abbau im Alter hinausgeht, aber noch keine Demenz darstellt:
- Menschen mit MCI haben deutliche, anhaltende und messbare kognitive Defizite, zum Beispiel des Gedächtnisses oder der Konzentration, bleiben jedoch im Alltag weitgehend selbstständig.
- MCI ist ein klinisches Syndrom und keine eigenständige Erkrankung.Es beschreibt das Vorliegen messbarer kognitiver Veränderungen, ohne dass die Kriterien einer Demenz erfüllt sind.
- Der Alzheimer-Krankheit geht in der Regel ein MCI-Stadium voraus, das jedoch nicht immer diagnostiziert wird. Bei anderen Demenzformen kann ein MCI ebenfalls vorkommen, der Verlauf ist dort jedoch weniger eindeutig. Manche Menschen mit MCI bleiben auch dauerhaft in diesem Stadium, ohne dass sich eine Demenz entwickelt.
- Da die Übergänge fließend sind, kann es bei der Diagnose schwierig sein, zwischen MCI und Demenz zu unterscheiden.
Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 10 bis 20 Prozent der über 60-Jährigen von einer leichten kognitiven Beeinträchtigung betroffen. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu.
Symptome: Wie erkennt man MCI?
Menschen mit MCI zeigen verschiedene Symptome kognitiver Beeinträchtigung, die auch in klinischen Tests nachgewiesen werden können. Je nach Form der MCI können unterschiedliche kognitive Bereiche betroffen sein. Dazu gehören:
- Gedächtnisprobleme, zum Beispiel beim Merken von Namen neuer Personen oder gelesener Informationen
- Konzentrations- und Rechenschwierigkeiten
- Schwierigkeiten beim Abrufen von Wörtern oder Namen
- Orientierungsprobleme
- Probleme bei komplexeren Alltagsaufgaben oder anspruchsvollen beruflichen Tätigkeiten.
Typisch für MCI ist, dass Veränderungen im Vergleich zur früheren Leistungsfähigkeit auftreten. Häufig werden sie zunächst vom unmittelbaren Umfeld bemerkt.
Beispiel Orientierungssinn: Es ist normal, dass sich Menschen in fremder Umgebung unterschiedlich gut zurechtfinden. Wenn sich jedoch jemand plötzlich im Urlaub verirrt, der sich bislang an fremden Orten immer gut zurechtgefunden hat, kann dies ein Hinweis auf eine kognitive Veränderung sein – muss aber nicht zwangsläufig auf eine Demenzerkrankung hindeuten.

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Ursachen: Wie entsteht MCI?
Es gibt verschiedene Ursachen, warum ein Mensch ein MCI entwickelt:
- Häufig liegt eine beginnende neurodegenerative Erkrankung zugrunde, insbesondere Alzheimer.
- Andere Ursachen können Schäden an Blutgefäßen sein, Depressionen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder Alkoholmissbrauch bzw. -abhängigkeit.
- Je nach Ursache und individueller Risikokonstellation entwickeln etwa 30 bis 50 Prozent der Menschen mit MCI innerhalb von fünf Jahren eine Demenz. Andere bleiben stabil oder zeigen sogar vorübergehende Verbesserungen, insbesondere wenn behandelbare Ursachen vorliegen.
Diagnose: Wie wird MCI festgestellt?
Die Diagnose von MCI ist durch eine Kombination von Untersuchungen möglich: Zunächst befragen die Ärztinnen und Ärzte die Betroffenen nach ihrer Krankengeschichte und ihren Beschwerden (Anamnese).
Es folgen körperliche Untersuchungen und der Einsatz bildgebender Verfahren wie MRT oder CT. Diese dienen vor allem dazu, andere Ursachen der Beschwerden, wie einen Hirntumor, eine Hirnblutung oder einen Schlaganfall, zu erkennen.
Um festzustellen, ob bereits Alzheimer-typische Amyloid-Ablagerungen im Gehirn vorhanden sind, können eine Nervenwasseruntersuchung (Liquor) oder ein PET-Scan eingesetzt werden.
Zunehmend werden auch Bluttests entwickelt, die solche Veränderungen anzeigen können und perspektivisch eine einfachere Diagnostik ermöglichen könnten. In der Standarddiagnostik werden diese allerdings aktuell noch nicht angewendet.
Neuropsychiatrische Tests dienen dazu, die kognitiven Fähigkeiten der erkrankten Person zu erfassen. In standardisierten Verfahren prüfen Ärztinnen und Ärzte zum Beispiel Gedächtnisleistung, Konzentration oder die Fähigkeit, Probleme zu lösen.
Da persönliche Faktoren wie der Bildungsstand, der soziokulturelle Hintergrund oder besondere Begabungen und Fähigkeiten die Testergebnisse beeinflussen können, ist es wichtig, bei der Beurteilung immer auch die individuellen Voraussetzungen zu berücksichtigen.
Ausführliche Informationen zur Demenzdiagnostik finden Sie hier.

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Therapie: Wie wird MCI behandelt?
Lange Zeit gab es keine spezifische medikamentöse Therapie für Menschen mit MCI. Inzwischen sind in der Europäischen Union Antikörpertherapien zugelassen, die sich gegen das Alzheimer-typische Amyloid-Protein richten, darunter Lecanemab (Leqembi) und Donanemab (Kisunla).
Diese Medikamente sind jedoch nicht allgemein für MCI zugelassen, sondern nur für Personen mit nachgewiesenen Amyloid-Ablagerungen. Dazu gehören Menschen mit:
- leichter kognitiver Beeinträchtigung aufgrund von Alzheimer oder
- einer leichten Alzheimer-Demenz
Der Nachweis von Amyloid-Ablagerungen im Gehirn erfolgt zum Beispiel durch eine Liquoruntersuchung oder eine PET-Bildgebung.
Ein Gentest auf das Risiko-Gen ApoE4 ist ebenfalls zwingende Voraussetzung für die Therapie, da Trägerinnen und Träger dieses Gens ein erhöhtes Risiko für bestimmte Nebenwirkungen (ARIA) haben.
Unabhängig davon empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie Demenzen für Menschen mit MCI vor allem:
- regelmäßige körperliche Aktivität
- soziale und geistige Anregung
- Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Depression
Diese Maßnahmen gelten derzeit als zentrale Bausteine der Prävention und Gesundheitsförderung. Lernen Sie mehr über die 14 Risikofaktoren für Demenz
Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber
MCI und Alzheimer
Nicht jede leichte kognitive Beeinträchtigung führt zu einer Demenz. In einem Teil der Fälle kann MCI jedoch Ausdruck einer beginnenden Alzheimer-Erkrankung sein.
Moderne Forschungsmethoden ermöglichen es heute, Alzheimer-typische Veränderungen im Gehirn bereits in frühen Stadien nachzuweisen. Dadurch kann das individuelle Risiko besser eingeschätzt werden, eine sichere Vorhersage ist jedoch nicht möglich.
Mit der Entwicklung neuer Therapien gegen Alzheimer hat die frühe Diagnostik an Bedeutung gewonnen. Eine Behandlung kommt ausschließlich für Personen infrage, bei denen eine frühe Alzheimer-Erkrankung nachgewiesen wurde – nicht für jedes MCI. Die Alzheimer-Forschung arbeitet intensiv daran, frühe Krankheitsprozesse besser zu verstehen und gezieltere, wirksamere Behandlungsstrategien zu entwickeln.
Quellen
Bai, Wei, et al. “Worldwide Prevalence of Mild Cognitive Impairment Among Community Dwellers Aged 50 Years and Older: A Meta-Analysis and Systematic Review of Epidemiology Studies.” Age and Ageing, vol. 51, no. 8, 2022, afac173, https://doi.org/10.1093/ageing/afac173.
Bherer, Louis. “Effects of Exercise and Multidomain Intervention on Cognition in Mild Cognitive Impairment and People Living with Dementia.” (PDF). World Alzheimer Report 2022, p. 257.
Reisberg, Barry, et al. “The Global Deterioration Scale (GDS).” (PDF). World Alzheimer Report 2022, p. 44.
Tabuas-Pereira, Miguel, et al. “Prognosis of Early-Onset vs. Late-Onset Mild Cognitive Impairment: Comparison of Conversion Rates and Its Predictors.” Geriatrics, 2016.
AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. “S3-Leitlinie Demenzen, Version 5.2.” (PDF). 28 Feb. 2025.
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Autorin
Pia Ellissen, M.Sc.
hat ihren Master in Molekularbiologie am ZMBP Tübingen gemacht und anschließend in der Diagnostik gearbeitet. Seit 2023 arbeitet sie bei der AFI in der Abteilung Wissenschaft.




