Stand: 16.07.2026

Medizinisches Cannabis bei Alzheimer und Demenz

Medizinisches Cannabis wird bereits seit Längerem zur Behandlung bestimmter Beschwerden wie Schmerzen oder Appetitlosigkeit eingesetzt, vor allem bei Krebserkrankungen und Multipler Sklerose.

Auch in der Alzheimer-Forschung wird untersucht, ob es bei Demenz helfen könnte, zum Beispiel zur Linderung von Beschwerden wie Unruhe, Reizbarkeit oder starke Rastlosigkeit. Ob Cannabis darüber hinaus Einfluss auf Krankheitsprozesse bei Alzheimer hat, ist bisher nicht ausreichend geklärt.

Hinweis: Auf dieser Seite geht es um medizinische Cannabispräparate, die ärztlich verordnet und kontrolliert angewendet werden. Sie sind nicht mit Cannabis als Freizeitdroge gleichzusetzen.

Was ist medizinisches Cannabis?

Der wichtigste Unterschied zu Cannabis als Freizeitdroge liegt in der Qualität und Kontrolle der Pflanzen. Medizinisches Cannabis unterliegt strengen gesetzlichen Vorschriften. Der Anbau erfolgt kontrolliert und ohne den Einsatz von Pestiziden. Zudem wird der Wirkstoffgehalt der Pflanzen überprüft und ihre Zusammensetzung analysiert, um eine möglichst sichere Anwendung in der Therapie zu gewährleisten.

Wie wirken THC und CBD auf das Gehirn?

Cannabispflanzen (Cannabis sativa) enthalten vor allem zwei für die Medizin interessante Wirkstoffe: THC und CBD. THC steht für Tetrahydrocannabinol und hat eine berauschende Wirkung. CBD steht für Cannabidiol und wirkt nicht berauschend. Aufgrund möglicher schmerzlindernder und entspannender Wirkungen wird CBD derzeit medizinisch untersucht.

Dass THC und CBD im Körper wirken können, hängt mit dem sogenannten Endocannabinoid-System, kurz ECS, zusammen. Dieses körpereigene System beeinflusst zahlreiche Vorgänge. Dazu gehören auch Cannabinoid-Rezeptoren. Das sind molekulare Andockstellen für Cannabinoide. Sie befinden sich unter anderem auf Nervenzellen und auf Zellen des Immunsystems.

Über diese Rezeptoren können Cannabinoide die Kommunikation zwischen Nervenzellen sowie bestimmte Reaktionen des Immunsystems beeinflussen. Beide Vorgänge spielen auch bei Erkrankungen des Gehirns eine Rolle. Deshalb wird untersucht, ob Cannabinoide künftig bei der Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer eingesetzt werden könnten.

Können Cannabinoide Unruhe bei Demenz lindern?

Eine besondere Herausforderung bei Menschen mit Alzheimer sind neuropsychiatrische Symptome. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung können Beschwerden wie Reizbarkeit, Unruhe oder starke Rastlosigkeit (Agitiertheit) zunehmen. Das kann sowohl Familienmitglieder, pflegende Angehörige und Pflegepersonal stark belasten und zu schwierigen Situationen im Alltag führen.

Deshalb untersuchen Forschende, ob medizinisches Cannabis als Begleittherapie solche Symptome lindern kann. Einzelne Studien deuten darauf hin, dass Cannabinoide nicht nur das Verhalten von Menschen mit Alzheimer positiv beeinflussen, sondern auch den Pflegealltag in Einrichtungen erleichtern könnten.

In einer Schweizer Pilotstudie aus dem Jahr 2019 erhielten zehn Frauen mit schwerer Demenz in einer Pflegeeinrichtung eine Kombination aus CBD und THC. Nach Angaben des Pflegepersonals nahmen neuropsychiatrische Symptome wie Agitiertheit deutlich ab. Auch der Kontakt zu den Frauen und ihre Unterstützung bei alltäglichen Bewegungsabläufen verbesserten sich. Zudem konnten einige psychotrope Medikamente und Opioide reduziert oder abgesetzt werden.

Die Aussagekraft der Studie ist jedoch begrenzt, da nur zehn Frauen teilnahmen. Obwohl einzelne Untersuchungen positive Effekte auf neuropsychiatrische Symptome zeigen, fehlen bislang größere und aussagekräftigere Studien. In der aktuellen S3-Leitlinie Demenzen wird eine Behandlung mit Cannabis daher nicht empfohlen.

Mehr zur Behandlung solcher Beschwerden erfahren Sie auf unseren Seiten zur medikamentösen Behandlung von Alzheimer und zu nicht-medikamentösen Therapien bei Demenz.

Können Cannabinoide Krankheitsprozesse bei Alzheimer beeinflussen?

Neben der Behandlung neuropsychiatrischer Symptome untersuchen einige Forschungsgruppen auch die Frage, ob Cannabinoide Prozesse beeinflussen können, die bei Alzheimer eine Rolle spielen. Von besonderem Interesse sind dabei die bereits erwähnten Cannabinoid-Rezeptoren. Sie sind an der Signalübertragung im Gehirn sowie an Reaktionen des Immunsystems beteiligt.

Da Entzündungsprozesse bei der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielen, wird vor allem CBD als möglicher Ansatzpunkt für die Forschung untersucht. Labor- und Tierstudien zeigen, dass CBD entzündungshemmend wirken und oxidativen Stress in Zellen verringern kann. Dadurch könnten Nervenzellen möglicherweise geschützt werden. Auch für THC wurden in Tiermodellen schützende Effekte beobachtet. Mehr über die Veränderungen im Gehirn bei Alzheimer erfahren Sie auf unserer Themenseite.

Ob sich diese Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen, ist jedoch unklar. Bisher fehlen aussagekräftige klinische Studien. Es gibt daher keine Belege dafür, dass Cannabis Alzheimer heilen oder den Verlauf der Erkrankung verlangsamen kann.

Hinweis: Die Wirkung von Cannabis auf das Gehirn kann vom Alter abhängen. Besonders das noch nicht vollständig entwickelte Gehirn junger Menschen ist anfällig für mögliche Risiken.

Quellen

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Broers, B., Patà, Z., Mina, A., Wampfler, J., de Saussure, C., Pautex, S. „Prescription of a THC/CBD-Based Medication to Patients with Dementia: A Pilot Study in Geneva“ Medical Cannabis and Cannabinoids, vol. 2, no. 1, 2019, pp. 56–59. doi.org/10.1159/000498924

Bundesministerium für Gesundheit. „Cannabis als Medizin – Fragen und Antworten zum Gesetz“ Zugriff am 15. Juli 2026. bundesgesundheitsministerium.de

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Gorey, C., Kuhns, L., Smaragdi, E., et al. „Age-Related Differences in the Impact of Cannabis Use on the Brain and Cognition: A Systematic Review“ European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience, vol. 269, 2019, pp. 37–58. doi.org/10.1007/s00406-019-00981-7

Müller-Vahl, K. „Cannabinoide zur Behandlung von Demenz?“ digiDEM Bayern – Science Watch LIVE, Nr. 71, 23. Juni 2025. Zugriff am 19. August 2025. digidem-bayern.de

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