Dem Gehirn beim Aufräumen helfen
Viele Therapieansätze gegen Alzheimer stoßen an derselben Stelle an ihre Grenzen: an der Blut-Hirn-Schranke.
Sie ist der Pförtner des Gehirns, indem sie entscheidet, welche Substanzen eintreten dürfen und welche draußen bleiben müssen und erschwert es der Medizin, die für Alzheimer typischen schädlichen Proteinablagerungen wirksam zu beeinflussen.
Prof. Dr. Claus Pietrzik von der Universitätsmedizin Mainz ging deshalb einen anderen Weg.
In seinem Projekt untersuchte er, ob sich der Abtransport von Amyloid-beta-Proteinen nicht im Gehirn selbst, sondern außerhalb, direkt an der Blut-Hirn-Schranke, anregen lässt.

Selvanegra/Canva
Projekt: Abtransport von Amyloid-beta an der Blut-Hirn-Schranke
Bei der Alzheimer-Krankheit lagern sich schädliche Amyloid-beta-Proteine im Gehirn ab und schädigen mit der Zeit die Nervenzellen. Viele Forschungsansätze zielen darauf ab, diesen Prozess aufzuhalten oder zu verlangsamen.
Ein zentrales Hindernis dabei ist die Blut-Hirn-Schranke. Sie trennt das Gehirn vom Blutkreislauf, schützt es zuverlässig vor Schadstoffen, aber auch viele Medikamente werden dadurch daran gehindert, ins Gehirn zu gelangen.
Prof. Dr. Pietrzik nutzte in seinem Projekt gezielt die natürlichen Transportmechanismen der Blut-Hirn-Schranke, um den Abtransport von Amyloid-beta von der Blutseite aus zu fördern.
Was konnte Prof. Dr. Pietrzik bisher herausfinden?
Prof. Dr. Claus Pietrzik und sein Team konnten in ihrem Projekt zeigen, dass sich der Abtransport von Amyloid-beta-Proteinen tatsächlich steigern lässt. In einem Alzheimer-Mausmodell setzten sie ein Antikörper-Medikament ein, das bereits zur Senkung erhöhter Cholesterinwerte zugelassen ist.
Dieses Medikament erhöht die Aktivität des Transportrezeptors LRP1, der an der Blut-Hirn-Schranke eine wichtige Rolle beim Abtransport von Amyloid-beta spielt. Auf diese Weise wurde mehr Amyloid-beta aus dem Gehirn der Mäuse abtransportiert – ohne dass Wirkstoffe direkt ins Gehirn gelangen mussten.
In Verhaltenstests zeigten die behandelten Tiere zudem bessere kognitive Leistungen als unbehandelte Vergleichstiere.

Der nächste Forschungsschritt
Die Ergebnisse aus dem abgeschlossenen Projekt gelten als vielversprechend. Aufbauend darauf haben Prof. Dr. Claus Pietrzik und sein Team begonnen, erste Untersuchungen mit menschlichen Blutproben zu starten.
Um diese weiterzuführen und die zugrunde liegenden Mechanismen genauer zu untersuchen, wurde ein Folgeprojekt bei der Alzheimer Forschung Initiative beantragt. Ziel ist es, den Ansatz weiter zu prüfen und besser zu verstehen, wie der Abtransport von Amyloid-beta begünstigt durch einen Antikörperwirkstoff an der Blut-Hirn-Schranke beim Menschen funktioniert.
Mit der Förderung dieses Folgeprojekts unterstützt die Alzheimer Forschung Initiative die nächste wichtige Etappe in der Weiterentwicklung dieses Forschungsansatzes.



